12
Diese muss zum einen Zeitfenster für eine Lernmobilitäts- teilnahme ermöglichen und zum anderen notwendige Strukturen wie Kooperationen mit ausländischen Einrich- tungen bereitstellen. Jugendliche, deren Schulen, Hoch- schulen oder Betriebe keine oder nur eingeschränkte Mobilitätsangebote anbieten, haben somit klare Hinder- nisse im Zugang zu Lernmobilität (vgl. Borgstedt 2019). Im Gegensatz zum formalen Bildungsbereich sind Lernmo- bilitätsprogramme des non-formalen Bildungskontextes grundsätzlich für alle jungen Menschen zugänglich. Außer- schulische Lernmobilitätsmöglichkeiten werden in Deutschland durch die internationale Jugendarbeit (IJA) umgesetzt. Internationale Jugendarbeit ist in Deutschland ein zentrales Element der Kinder- und Jugendhilfe, das im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII verankert ist (Becker et al. 2021: 16-17). Dabei ist IJA sowohl ein eigenständiges Arbeitsfeld als auch ein Querschnittsbereich innerhalb der Jugend- arbeit, der Aktivitäten aus verschiedenen Bereichen wie Jugendverbänden, außerschulischer Bildung und der offe - nen Jugendarbeit umfasst (Thimmel 2021b: 708). Interna- tionale Jugendarbeit kreiert internationale Formate, die jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder bil- dungsbezogenen Herkunft Zugang zu Bildungs- und Lern- erfahrungen im internationalen Kontext bieten (Becker et al. 2021: 16-17; Thimmel 2021a: 336-337). Zum Kernange- bot der internationalen Jugendarbeit gehören beispiels- weise Jugendbegegnungen, Workcamps und Freiwilligen- dienste. Auch Au-pair- und Work & Travel-Aufenthalte können, je nach pädagogischer Rahmung des einzelnen Angebots, zur IJA zählen (Becker et al. 2021: 20-22). Darü- ber hinaus existieren Schnittstellen zur formalen Bildung durch Angebote des Einzelschüler*innenaustauschs und Sprachkurse, die ebenfalls von Akteur*innen der Jugend- arbeit angeboten werden (Becker, Thimmel 2019a: 21). Eine Übersicht der jungen Menschen in Deutschland zur Verfügung stehenden Mobilitätsmöglichkeiten gibt Abbildung 1. Die Organisation und Durchführung internationaler Lern- mobilitätsangebote ist i. d. R. mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Damit schulische und außerschulische Einrichtungen genug Ressourcen für die Bereitstellung von Lernmobilitätsmaßnahmen haben und damit junge Men- schen sich unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation
eine Teilnahme leisten können, wird Lernmobilität in Deutschland umfangreich unterstützt und gefördert (IJAB 2016: 14-15). Zentrale Förderstruktur auf Bundesebene ist der Kinder- und Jugendplan (KJP). Das Bundesjugendminis- terium stellt dadurch jährlich mehr als 50 Millionen Euro zur Verfügung, um Jugendmobilität zu fördern (vgl. BMFSFJ 2021). Die Europäische Union fördert internationale Lern- mobilität mit dem Programm Erasmus+ als zentrale Unter- stützungsstruktur jährlich mit über 35 Millionen Euro (JUGEND für Europa o. J.). Daneben gibt es weitere natio- nale und europäische Förderprogramme, private Stiftungen oder private finanzielle Mittel von Organisatio- nen und Einzelpersonen, die Lernmobilitätsmaßnahmen ermöglichen (Becker et al. 2021: 22-23). Internationale Lernmobilitätsangebote zeichnen sich dadurch aus, dass sie von haupt- und ehrenamtlichen Akteur*innen pädagogisch vorbereitet und begleitet werden. Zugleich wird angestrebt, junge Menschen aktiv an der Gestaltung dieser internationalen Erfahrungs- räume zu beteiligen. So soll ihr Engagement gefördert und sichergestellt werden, dass die Angebote an die Interessen und Lebensrealitäten der Teilnehmenden angepasst und somit bedarfsgerecht umgesetzt werden (Becker et al. 2021: 18). Hier ist ein primäres Ziel von Lernmobilität erkenntlich: das Engagement und die Beteiligung junger Menschen zu fördern. Im Folgenden werden die Wirkung und Ziele internationaler Jugendmobilität näher betrach- tet.
2.3 Wirkung und Ziele internationaler Lernmobilität
Internationale Austauschmaßnahmen für junge Menschen entwickelten sich maßgeblich nach dem Zweiten Weltkrieg als Instrument der Völkerverständigung und Versöhnung. Begegnungen junger Menschen sollten Vertrauen und Toleranz zwischen Nationen und Individuen schaffen und somit die politische Annäherung zivilgesellschaftlich unter- stützen (Dubiski et al. 2016: 293). Im Laufe der Jahre haben sich die spezifischen Schwerpunkte von Mobilitätspro - grammen verändert und erweitert. Die Förderung von Jugendmobilität bleibt aber bis heute ein zentrales Anlie- gen politischer Akteure (Becker et al. 2021: 17).
Made with FlippingBook - Online catalogs