Forschungsarbeit Jugendinformation

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KAPITEL 4

Jugendinformation

4.1 Entwicklung und Aufgaben von Jugendinformation

Junge Menschen sind während ihres Aufwachsens mit vielen Fragestellungen und Entscheidungsräumen kon- frontiert. Freizeit, Bildung und Berufsorientierung, Sexua - lität, Gesundheit, rechtliche und finanzielle Belange und soziale Zusammenhänge sind einige der Themen, mit denen sich junge Menschen beschäftigen (müssen) und in der Information und Orientierung notwendig sind. Infor- mationen befähigen junge Menschen, sich aktiv am sozia- len, politischen und wirtschaftlichen Leben zu beteiligen (Auferbauer 2019: 34). Auf internationaler Ebene wird des- wegen das Recht auf Information anerkannt, etwa in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in der UN- Kinderrechtskonvention sowie in der Charta der Grund- rechte der Europäischen Union (UNICEF 1948; UNICEF 1990; EU 2016). Es wird betont, dass der freie Zugang zu Informationen für junge Menschen von zentraler Bedeu- tung ist, um Chancengleichheit zu ermöglichen und die aktive Teilnahme an demokratischen Prozessen zu fördern (vgl. Auferbauer 2019: 42). Jugendinformation ist ein Arbeitsfeld, welches junge Men- schen unterstützt, ihre vielfältigen Informationsbedürf- nisse zu decken und ihre Rechte auf Information wahrzu- nehmen (IJAB 2011). Einrichtungen der Jugendinformation sind auf verschiedenste Weisen aktiv, bieten aber im Grunde vor allem kostenlose und unabhängige Informa- tion und Beratung an (ERYICA, Council of Europe 2015: 10). Im folgenden Unterkapitel werden die Entwicklungen und Aufgaben des Arbeitsfelds näher beleuchtet. Dann erfolgt die Betrachtung von Jugendinformation in Deutschland mit besonderem Fokus auf Jugendinformation zum Thema Internationale Lernmobilität.

Das Arbeitsfeld der Jugendinformation hat sich in Europa in den 1960er Jahren etabliert. Die ersten Jugendinforma- tionseinrichtungen entstanden in Belgien, England und den Niederlanden, und verbreiteten sich in den folgenden Jahrzehnten zunehmend in ganz Europa (ERYICA, Council of Europe 2015: 13). Zu ihren Hauptaufgaben gehört es bis heute, Informationen zu sammeln, zu evaluieren und diese in jugendgerechter Form zur Verfügung zu stellen (Aufer - bauer 2019: 17). Jugendinformationseinrichtungen boten jungen Menschen erstmals spezialisierte Anlaufstellen, bei denen sie ihre Fragen zu verschiedenen Lebensbereichen klären konnten. Damit entstand eine wichtige Struktur, die jungen Menschen ermöglichte, ihre Anliegen mit qualifi - ziertem Personal zu besprechen und fundierte Entschei- dungen zu treffen (ERYICA, Council of Europe 2015: 13-14). Mit der Verbreitung des Internets hat sich das Arbeitsfeld der Jugendinformation jedoch erheblich verändert. Während Jugendinformation lange Zeit ein gewisses Infor- mationsmonopol besaß, ermöglicht das Internet heute allen Menschen jederzeit Zugriff auf Informationen zu sämtlichen Themen. Jede*r kann zudem Informationen selbst veröffentlichen und anderen zur Verfügung stellen (Cangelosi 2011: 490). Infolgedessen hat sich das Aufga- benfeld der Jugendinformation weiterentwickelt. Heutzu- tage gehen die „[…] an die Jugendinfos herangetragenen Bedürfnisse […] immer mehr in die Richtung der Orientie- rung in der Informationsflut bzw. der ‚Übersetzung‘ von bereits Gefundenem, der Beratung zu komplexeren Frage -

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