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KAPITEL 5
Forschungsperspektiven zu Jugendinformation
Jugendinformation hat das Ziel, jungen Menschen Zugang zu vertrauenswürdigen und umfassenden Informationen zu geben und sie dadurch zu ermächtigen, autonome und fundierte Entscheidungen für sich zu treffen. Für das Thema Lernmobilität bedeutet dies, dass mobilitätsinter- essierte junge Menschen über ihre verschiedenen Mobili- tätsmöglichkeiten aufgeklärt werden und sie sich dem- nach für die Teilnahme an einer internationalen Maß- nahme entscheiden können. In diesem Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand dazu betrachtet. Wer nutzt Jugendinformation und wie wirkt sie sich auf den Zugang zu Lernmobilität aus? 2010 fasste Kappes in ihrer Darstellung zu Jugendinforma- tion in Deutschland zusammen, „[…] dass im Bereich Jugend und Information bzw. Jugendinformation bisher zu wenig geforscht wurde.“ (Kappes 2010: 217). Auch heute – fast 15 Jahre später – kann diese Aussage als aktuell bezeichnet werden. Jugendinformation wird in der deut- schen Wissenschaft und Forschung bislang nur unzurei- chend berücksichtigt und ist selten ein Schwerpunkt. Inter- national hat das Informationsverhalten junger Menschen und die Wirkung vom Zugang zu Informationen mehr wis- senschaftliche Beachtung gefunden. Aber auch hier fehlt größtenteils der Bezug zu internationaler Lernmobilität. Deswegen werden im zweiten Teil dieses Kapitels zusätz- lich Ergebnisse aus einem verwandten Bereich herangezo- gen, der zwar nicht zu den bisher hier besprochenen klas- sischen Jugendinformationsdiensten zählt, aber durchaus zu Jugendinformation an sich: Berufs- und Studienorientie- rung an Schulen. In diesem Bereich gibt es eine größere Forschungsgrundlage, deren Studienergebnisse Anhalts-
punkte für die mögliche Wirkung von Jugendinformation zu Lernmobilität geben. Von Interesse in der Betrachtung der Studien ist zum einen, wie und von wem Jugendinfor- mation genutzt wird und inwiefern der Erhalt von Informa- tionen dazu führt, dass junge Menschen ihre Ansichten und ihr Verhalten ändern. 5.1 Nutzung von Jugendinformation Eurodesk ist in Deutschland die zentrale Informations- und Beratungsanlaufstelle für sämtliche Lernmobilitätsmög- lichkeiten für junge Menschen. 2023 hat Eurodesk durch Informations- und Beratungsaktivitäten knapp 60.000 Per- sonen erreicht, 70% davon waren junge Menschen. Zusätz - lich ist bekannt, dass 58% der jungen Menschen weiblich und ca. 35% männlich sind. Die restlichen 7% wurden als divers oder keine Angabe betitelt (Eurodesk Deutschland 2024c: 1-2). Das Netzwerk konnte außerdem über 1.200.000 Webseiten-Aufrufe generieren und fast 160.000 Personen auf verschiedenen Social-Media-Plattformen erreichen (ebd.: 8). Die jährliche Statistik von Eurodesk belegt, dass das Netzwerk viele Personen in Deutschland erreicht. Daten über diese Personen gibt es aber kaum. Auch ist nicht bekannt, wie oft ein Individuum Angebote von Eurodesk nutzt oder wie hilfreich diese für die Teil- nahme an einer Lernmobilität bewertet werden. Einen besseren Einblick in die Frage, welche jungen Men- schen Jugendinformation nutzen, gibt Kappes (2010). In einer von ihr 2009 durchgeführten Online-Befragung von Jugendinformationsdiensten in Deutschland kommt sie zu folgendem Fazit:
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