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5.2 Wirkung von Informationsinterventionen auf junge Menschen Informationsinterventionen sind strategische Maßnah- men, die darauf abzielen, den Zugang zu relevanten Infor- mationen zu verbessern, um das Wissen und das Verhal - ten von Individuen oder Gruppen zu beeinflussen. Dabei werden Informationsquellen oder -kanäle so gestaltet, dass sie die Zielgruppe gezielt erreichen und deren Ent- scheidungsprozesse unterstützen (Cohodes et al. 2023: 1). Wie in Kapitel 4.1 erläutert, arbeiten Jugendinformations- dienste ebenfalls nach diesem Prinzip. Ein zentraler Bereich, in dem solche strategischen Informationsmaß- nahmen ebenfalls vorkommen, ist Bildungsberatung bzw. berufliche Orientierung. Ähnlich wie im Bereich Internationale Lernmobilität leiden junge Menschen bei der Berufsorientierung häufig unter Informationsdefiziten, die sie daran hindern, fundierte Entscheidungen zu treffen. So entscheiden sich einige Jugendliche trotz ihres Wunsches gegen eine Hochschulbil- dung – ein Problem, das insbesondere jene betrifft, deren Eltern selbst keine Hochschulerfahrung haben (Vodafone Stiftung Deutschland 2014: 4; Peter et al. 2021: 525). For- scher*innen gehen daher davon aus, dass das strategische Vermitteln von Informationen, beispielsweise über Arbeits - marktchancen, Berufsaussichten und Gehälter, Informa- tionsdefizite ausgleichen und junge Menschen in Entschei - dungsprozessen zu ihrer beruflichen Laufbahn positiv unterstützen kann (Saniter et al. 2019: 108-109). Im Folgen- den werden einige zentrale Studien vorgestellt, die diesen Zusammenhang untersuchen. Saniter et al. (2019) untersuchten die Effekte des Berufs - orientierungsservice der Arbeitsagenturen in Deutschland auf den Bildungs- und Berufsweg von Schüler*innen. Sie argumentieren, dass Berufsinformationszentren (BIZ) als zusätzliche, kostenlose Informationsquelle dazu beitra- gen, dass Schüler*innen besser über regionale weiterfüh- rende Bildungs- und Arbeitsmarktchancen informiert sind. Die Ergebnisse zeigen, dass die Anwesenheit eines BIZ in
einem Schuldistrikt die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöht, dass junge Menschen den höchsten Schulab- schluss erreichen. Saniter et al. betonen, dass insbeson- dere Schüler*innen aus niedrigeren oder mittleren Bil- dungsgängen von BIZ profitieren und dass Unterschiede im familiären Hintergrund teilweise ausgeglichen werden können. Zudem legt die Studie nahe, dass junge Menschen dieser Schuldistrikte in den ersten fünf Berufsjahren selte- ner arbeitslos sind oder unfreiwillig den Arbeitsplatz ver- lieren, was zu einem stabileren Berufsleben führt (ebd.: 120). Kerr et al. (2020) führten ein randomisiertes Feldexperi - ment in finnischen Schulen durch, um die Effekte von Infor - mationsinterventionen zu untersuchen. Das Forschungs- team stellte High-School-Lehrer*innen Informationen über die Einkommensverteilung und Beschäftigungsaus- sichten in den häufigsten Berufen, in Verbindung mit post - sekundären Bildungsabschlüssen, zur Verfügung. Diese wurden Schulklassen in ihrem letzten High-School-Jahr vorgestellt. Ein Drittel dieser Schüler*innen gab daraufhin an, ihre Ansichten zu Bildungswegen geändert zu haben. Eine erkennbare Verhaltensänderung trat jedoch nur bei Schüler*innen auf, die von den Informationen zu ihrem ursprünglich bevorzugten Bildungsweg negativ überrascht wurden. Schüler*innen entschieden daraufhin, sich für Bil- dungswege zu bewerben, die mit einem höheren Einkom- men verbunden sind. Da diese Gruppe jedoch klein ist, konnte das Forschungsteam keine statistisch signifikanten Auswirkungen auf das gesamte Bewerbungsverhalten feststellen (ebd.: 10). Eindeutigere Ergebnisse zur Wirkung von Informations- interventionen auf die postsekundäre Bildungswahl lie- fern Peter et al. (2021). Ebenfalls in einem randomisierten Feldexperiment informierten Forscher*innen Gymna - siast*innen in Deutschland über Kosten, Finanzierungs- möglichkeiten und zukünftige Einkommenschancen ver- schiedener Studiengänge. Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler*innen mit Studienabsicht, die diese Informatio- nen erhielten, sich nach dem Schulabschluss häufiger für
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