Forschungsarbeit Jugendinformation

28

Junge Menschen aus Familien ohne akademischen Hinter - grund würden demnach besonders von individualisierter, leicht zugänglicher Information über Mobilitätsprogramme profitieren, da sie seltener auf familiäre oder informelle Netzwerke mit relevanten Informationen zugreifen können.

eine Hochschule bewerben als die unbeeinflusste Ver - gleichsgruppe mit ähnlicher Absicht. Besonders bei Schü- ler*innen ohne akademisch vorgebildete Eltern stieg die Einschreibquote deutlich (ebd.: 537). Die unterschiedli- chen Ergebnisse zu Kerr et al. (2020) begründen Peter et al. (2021) damit, dass die Informationsinterventionen direkt durch qualifizierte Forscher*innen durchgeführt wurden, anstatt die Informationsweitergabe Lehrer*innen zu über- lassen. Möglicherweise schwächte dies den Einfluss der Intervention (ebd.: 530). Hinweise, dass die Wirkung von Informationsinterventio- nen verstärkt wird, wenn sie durch qualifiziertes Personal durchgeführt werden, gibt auch die Studie von Borghans et al. (2015). Die Studie untersuchte Beratungsgespräche, die von ausgebildeten Studienberater*innen an Schulen in den Niederlanden stattfanden. Demnach können diese dazu beitragen, Unsicherheiten über Bildungspräferenzen zu reduzieren. Insbesondere für Schüler*innen aus bil- dungsfernen Familien ist die Qualität der Beratung ent- scheidend, um passendere Bildungsentscheidungen zu treffen, die ihre Fähigkeiten und Interessen widerspiegeln (ebd.: 25). Dass insbesondere Beratungen als Form der Informations- weitergabe zielführend sind, um junge Menschen über ihre Berufsmöglichkeiten aufzuklären und zu Entscheidungen zu führen, die ihre Lebensqualität nachhaltig verbessern können, zeigen auch Herbaut und Geven (2020). Sie haben

eine Vielzahl an Studien verglichen, die sich mit dem Ein - fluss von Informationsinterventionen auf die Studien - orientierung von benachteiligten Schüler*innen beschäf- tigten. Sie ziehen das Fazit, dass die Vermittlung von allge - meinen Informationen über Hochschulbildung zwar Ein- stellungen von Schüler*innen ändern kann, es aber oft nicht ausreicht, um auch eine tatsächliche Verhaltensän - derung herbeizuführen, etwa in Form der Umsetzung des Wunsches, sich an einer Hochschule einzuschreiben (ebd.: 5). Stattdessen würden Informationen in Verbindung mit persönlicher Beratung bzw. Begleitung die Wahrschein- lichkeit der Einschreibung erhöhen (ebd.: 7). Zusammengefasst zeigt die Studienlage ein differenziertes Bild der Wirkung von Informationsmaßnahmen. Zwar tragen sie dazu bei, Informationsdefizite bei jungen Men - schen zu schließen, doch führen sie nicht zwangsläufig zu veränderten Entscheidungen oder Verhaltensweisen hin - sichtlich der Berufs- und Studienwahl. Für Verhaltensände - rungen sind der Einsatz von qualifiziertem Personal und der Zugang zu persönlichen Beratungsmöglichkeiten ent- scheidend. Diese Erkenntnisse bieten Hinweise darauf, wie entsprechende Maßnahmen im Bereich der Jugendinfor- mation zu Lernmobilität wirken können. Junge Menschen aus Familien ohne akademischen Hintergrund würden demnach besonders von individualisierter, leicht zugängli- cher Information über Mobilitätsprogramme profitieren, da sie seltener auf familiäre oder informelle Netzwerke mit relevanten Informationen zugreifen können.

Made with FlippingBook - Online catalogs