Forschungsarbeit Jugendinformation

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Von besonderer Bedeutung bei der Erstellung des Instru - ments sind die Gütekriterien der Objektivität, der Reliabili- tät sowie der Validität für Messungen und Messinstru - mente (Welker 2014: 67). Die Objektivität beschreibt den Anspruch, dass die Anwendung der Methode immer zum gleichen Messergebnis kommt, unabhängig davon, von wem sie durchgeführt wird. Diese entsteht vor allem durch die Standardisierung des methodischen Vorgehens (ebd.: 67; Fühles-Ubach, Umlauf 2013: 81). Die Reliabilität meint die Zuverlässigkeit einer Messung. So müssen wiederholte Messungen desselben Objektes mit dem gleichen Instru- ment die gleichen Ergebnisse bringen (Jacob et al. 2019: 37). Mit der Validität wird die Frage beantwortet, ob das Instrument überhaupt geeignet ist, die zu erforschenden Fragen zu beantworten (Welker 2014: 70). Diese drei Krite- rien wurden im gesamten Forschungsprozess berücksich- tigt. Um zu gewährleisten, dass die Art der Fragen, die Fra- geformulierungen sowie die Antwortkategorien den Krite- rien gerecht werden, entstand der Fragebogen mit großer Sorgfalt und unter Heranziehung grundlegender Literatur zur Erstellung von Fragebögen, insbesondere Porst (2014) und Schnell (2019). In Anbetracht des Forschungsinteresses (vgl. Kapitel 6.1) wurden verschiedene Variablen abgeleitet, die in drei Bereiche eingeteilt werden können: Zugang zu internatio- naler Lernmobilität, Nutzung von Informations- und Bera- tungsangeboten von Eurodesk Deutschland sowie demo- grafische Daten. Abbildung 4 gibt dazu eine Übersicht. Um sicher zu stellen, dass die Variablen zu geeigneten Daten zur Bearbeitung der Forschungsfragen führen, wurde die Operationalisierung der Fragen und Antwortka- tegorien durch eine sukzessive, vergleichende Literatur- analyse entwickelt und während des Erstellungsprozess kontinuierlich überarbeitet und angepasst. Als weitere Sicherstellung der Inhaltsvalidität des Messinstruments wurde zusätzlich Rücksprache mit dem universitären Betreuer sowie mit Expert*innen zur internationalen Jugendarbeit und Jugendinformation bei IJAB gehalten.

Um die relevanten Variablen zu messen, wurden unter - schiedliche Skalen- und Fragetypen verwendet. Im Frage- bogen wurden größtenteils Nominal- und Ordinalskalen verwendet. An verschiedenen Stellen (T1_F02, T3_1_F07, T3_2_F07, T3_3_F07, T3_4_F07, T3_5_F07, T5_F03, T5_F04, T5_F08,) wurden endpunktbenannte Skalen mit fünf Ska- lenpunkten gewählt, durch die Umfrageteilnehmende ihre Einstellungen darstellen sollten. Bei der Erstellung solcher Skalen gibt es verschiedene Aspekte zu beachten. Porst (2014) geht hierbei auf verschiedene Vor- und Nachteile ein. In diesem Fall wurden fünf Skalenpunkte gewählt, da sie den Befragten genügend Spielraum geben, um ihre Ein- stellungen differenziert darzulegen. Durch die Vorgabe einer eindeutigen Mitte der vorgegebenen Punkte soll ver- mieden werden, dass Befragte zu einer Richtung gezwun- gen werden, die möglicherweise nicht vorhanden ist (ebd.: 84). Außerdem wurde sich bewusst dafür entschieden, nur die Extremen der Skalen zu beschriften, da nach Porst die adäquate Beschriftung der Mitte oft ein großes Problem darstellt (ebd.: 82). Eine Besonderheit des Fragebogens war der Einsatz von Emojis zur Unterstützung der Skalenbeschriftungen der oben beschriebenen Variablen sowie der Item-Batterien T1_F03 und T5_F02 (vgl. Anhang D). Diese visuelle Hilfe wurde mit dem Ziel gewählt, die Verständlichkeit zu erhö - hen und die Benutzer*innenfreundlichkeit des Fragebo- gens zu verbessern. Emojis sind ein fester Bestandteil der Schriftsprache junger Menschen und besitzen eine starke Symbolkraft, die ihnen eine intuitive Bedeutungszuord- nung ermöglicht (Bosch, Revilla 2020: 40). Da diese aber auch unterschiedlich interpretiert werden können, wurden Emojis stets mit verbaler Beschriftung kombiniert. Damit werden Fehlinterpretationen minimiert (Alismail, Zhang, 2020: 12:10). Nachdem die Verbindung zwischen Bedeu - tung und Symbol hergestellt wird, erleichtert die visuelle Klarheit von Emojis das schnelle Erfassen von Skalenwer- ten. Studien zeigen, dass der Einsatz visueller Hilfsmittel die kognitive Belastung der Befragten reduziert und das Ausfüllen von Fragebögen insbesondere auf Mobilgeräten vereinfacht (vgl. Bacon et al. 2017; Bosch, Revilla 2020). Dadurch wird nicht nur die Datenqualität verbessert, son- dern auch das Engagement der Befragten gesteigert.

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