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KAPITEL 8
Ergebnisdiskussion und Ausblick
216; Karim, Widén 2018: 15-17). 1 Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass Informationsbedürfnisse zum Thema Lernmobilität erst nach dem Schulabschluss eine höhere Relevanz für junge Menschen erhalten. Jedoch sollte diese Vermutung durch weitere Untersuchungen geprüft werden, da der hohe Anteil an 18-Jährigen auch an der Ver - bindung der Newsletterabonnent*innen mit dem Pro- gramm DiscoverEU liegen kann. Der Vergleich dieser sozio - demografischen Charakteristiken der Stichprobe mit eher als lernmobilitätsnah beschriebenen jungen Menschen macht große Überschneidungen deutlich (vgl. Becker, Thimmel 2019c; Chang et al. 2013; Di Pietro 2023; Fischer 2021; Thomas 2013). Die Vermutung, dass es sich bei den Nutzer*innen von Eurodesk und Lernmobilitätsteilneh- menden um die gleiche Personengruppe handeln könnte, wird auch durch den erörterten Zugang der Stichprobe zu Lernmobilität deutlich: Sie lehnen gängige Vorannahmen zu Lernmobilität eher ab, sie scheinen einen Überblick über ihre Lernmobilitätsmöglichkeiten zu haben, es 1 Ein Unterschied zwischen der hier untersuchten Nutzer*innengruppe und anderen Studien liegt jedoch im Status der Nutzer*innen. So sind der Großteil der befragten Personen Studierende (43%), gefolgt von Personen in Über - gangssituationen. Kappes dagegen spricht von Gymnasiast*innen als Haupt- klientel in Deutschland (Kappes 2010: 216). Diese Diskrepanz könnte durch die Schulreform deutscher Gymnasien erklärt werden, die in den 2010er Jahren das Abitur nach zwölf Jahrgangsstufen eingeführt hatte. Dadurch haben heut- zutage 18-Jährige die gymnasiale Oberstufe schon eher abgeschlossen und befinden sich im nächsten Ausbildungsschritt als im Jahr 2009, in dem Kappes ihre Untersuchung durchgeführt hatte (vgl. BMFTR 2024).
Die Ausgangslage dieser Forschungsarbeit war die Emp- fehlung der Zugangsstudie, durch Beratungsstellen Infor- mationsdefizite junger Menschen bezüglich Lernmobilität zu reduzieren (Becker, Thimmel 2019c). Damit sollten ins- gesamt diskursive Barrieren abgebaut werden, wovon besonders bei Lernmobilitätsmaßnahmen unterrepräsen- tierte Jugendliche profitieren und damit deren gesell - schaftliche Teilhabemöglichkeiten gefördert werden. Daher sollte die Befragung von Newsletter-Empfänger*in- nen des Jugendinformationsnetzwerks Eurodesk Deutsch- land erste Hinweise auf den möglichen Einfluss von Jugend - information auf den Zugang junger Menschen zu Lernmo- bilität geben. Die Analyse der soziodemografischen Daten der unter - suchten Stichprobe zeigt Ähnlichkeiten zu Jugendinforma- tionsnutzer*innen, wie sie im bisherigen Forschungsstand beschrieben sind. Demnach nutzen insbesondere weibli- che Personen zwischen 18 und 20 Jahren mit einem hohen formalen Bildungsstand bzw. mit akademischem Hinter- grund Jugendinformation. Personen, die arbeiten, eine Ausbildung machen sowie junge Menschen mit Migrations- hintergrund stellen selten Nutzer*innen dar (Kappes 2010:
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