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besteht großes Interesse an einer Mobilitätsteilnahme, die teilweise schon geplant wird, und ein Großteil hat auch schon Mobilitätserfahrungen gemacht. Zugang zur The- matik scheint ebenfalls durch das soziale Umfeld gegeben zu sein, was sich durch Mobilitätserfahrungen unter Fami- lie und Freund*innen und Unterstützung von besuchten Institutionen charakterisiert. Unter den Lernmobilitätsteil- nehmenden bisher unterrepräsentierte Personen, insbe- sondere Auszubildende, Personen mit einem Migrations- hintergrund sowie Personen mit Abschlüssen von Haupt-, Real- oder Förderschulen, werden durch das Informations- angebot von Eurodesk kaum erreicht. Weniger erreicht werden außerdem männliche Personen, die ebenfalls in Lernmobilitätsmaßnahmen unterrepräsentiert sind (vgl. Becker, Thimmel 2019b). Die Vermutung der Zugangsstudie, Bildungsungleichhei - ten für diese Zielgruppen durch gezielte Information zu verringern, scheint sich, zumindest durch das Angebot des rausvonzuhaus-Newsletters, zunächst nicht zu bestätigen, da diese Gruppen weniger häufig zu den typischen Nut - zer*innen des Newsletters gehören. Dies könnte daran liegen, dass der rausvonzuhaus-Newsletter ein Informa- tionsangebot ist, das aktiv abonniert werden muss. Es ist deswegen davon auszugehen, dass Abonnent*innen bereits eine höhere intrinsische Motivation haben, sich mit der Thematik Auslandsaufenthalt auseinanderzusetzen. So deutet auch Abt darauf hin, dass es bei unterrepräsen- tierten Jugendlichen einer zusätzlichen Aktivierung von außen bedarf, die eine Auseinandersetzung mit einer Lern- mobilitätsteilnahme anregt (Abt 2019: 83). Für Personen mit wenig mobilitätsnahen sozialen Strukturen ist es dem- nach unwahrscheinlicher, sich für den Newsletter anzu- melden, da die Anmeldung als zweiter Schritt nach einer erfolgreichen Motivation angesehen werden könnte. Per- sonen, die dagegen über entsprechende Strukturen ein höheres transkulturelles und soziales Kapital haben, profi - tieren vom Kontakt mit Eurodesk noch mehr und können ihr Kapital weiter ausbauen (vgl. Carlson et al. 2014).
Trotzdem zeigen die Befragungsergebnisse eindeutige Hinweise, wie junge Menschen vom Zugang zu Eurodesk profitieren können. So zeigt sich mit steigender Nutzungs - länge von Informations- und Beratungsangeboten von Eurodesk Deutschland, dass gängige Vorurteile bezüglich Lernmobilität stärker abgelehnt werden und dass die Kenntnis von Mobilitätsmöglichkeiten steigt. Dies trifft besonders auf Programme des non-formalen Bildungsbe- reichs zu. Die Befragung zeigte, dass formale Programme insgesamt besser bekannt sind. Allerdings bedeutet das nicht, dass auch eine Teilnahme möglich ist, da sich diese Programme meist an bestimmte Personengruppen rich- ten, z. B. Schüler*innen, Studierende und Auszubildende, und eine Teilnahme oft von der Unterstützung der besuch- ten Einrichtungen abhängig ist. Dass non-formale Mobili- tätsprogramme bekannter werden, ist in dem Sinne bedeutend, weil sie i. d. R. jungen Menschen unabhängig vom Status oder der Institutionszugehörigkeit offenste - hen. Wenn die Bekanntheit non-formaler Mobilitätsmög- lichkeiten steigt, steigen auch die generellen Teilnahme- chancen an Lernmobilität. Personen, die seit einer längeren Zeit mit Eurodesk in Kon- takt stehen, haben außerdem mehr Teilnahmeerfahrun- gen. Diese Beobachtung ist jedoch mit Vorsicht zu inter - pretieren, da erhöhte Teilnahmen ggf. auch auf das zuneh- mende Alter der Befragten zurückgeführt werden könn- ten. So hätten sie allein durch längere Zeiträume mehr Möglichkeiten zur Mobilitätsteilnahme. Diese Vermutung müsste durch weitere Analysen geprüft werden. Trotzdem deuten die Ergebnisse insgesamt darauf hin, dass ein längerer Kontakt mit Jugendinformation zu einem besseren Zugang zum Thema Lernmobilität führt. Dies reiht sich mit Ergebnissen vergangener Studien zur gene- rellen Wirkung von Jugendinformation ein (vgl. ERYICA, Council of Europe 2015; Karim, Widén 2018). Nutzer*innen ändern, basierend auf dem Informationserhalt durch Euro- desk, ihre Einstellungen und schließen Wissenslücken, wie
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