Forschungsarbeit Jugendinformation

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es auch bei Studien zum Thema Berufs- und Studienorien- tierung nachgewiesen wurde (vgl. Ballarino et al. 2022; Damgaard, Nielsen 2018; Herbaut, Geven 2020; Kerr et al. 2020). Diese Ergebnisse werden auch durch die Selbstaus- kunft der Umfrageteilnehmenden unterstützt, welche davon berichteten, dass sie durch Eurodesk einen besse- ren Überblick über ihre Möglichkeiten für Auslandsaufent- halte bekommen hätten und dass Vorurteile abgebaut worden seien. Das Resultat ist eine Erhöhung des Wissens- standes und eine differenziertere Sicht auf internationale Mobilität. Die Ergebnisse unterstreichen somit auch die Relevanz einer umfassenden Informationsstrategie im Sinne des Mobilitätspuzzles, um Zugänge zu Lernmobilität generell zu verbessern (vgl. Thimmel, Schäfer 2021). Dass Beratungssituationen eine geeignete Maßnahme darstellen, um auch das Verhalten von Individuen zu ändern, wie es bei Borghans et al. (2015) und Herbaut und Geven (2020) evaluiert wurde, konnte durch diese Arbeit nicht bestätigt werden. So gibt es keine klaren Hinweise darauf, dass eine Beratung durch Eurodesk bei den Umfra- geteilnehmenden zu mehr Mobilitätsteilnahmen führte. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass in der Analyse sämtliche Beratungsmöglichkeiten durch Euro- desk zusammen betrachtet wurden und nicht differenziert nach Art der Beratung. So basieren die Ergebnisse von Borghans et al. (2015) auf persönlichen Beratungssituatio- nen mit einer*m qualifizierten Berater*in. Die Umfrage ergab jedoch, dass die Beratung per E-Mail am meisten genutzt wurde, wodurch kein direkter synchroner Kontakt mit der beratenden Person bestand. Dies könnte auch ein Grund sein, wieso viele der beratungserfahrenen Umfra- geteilnehmenden davon absahen, Eurodesk-Berater*in- nen in der Befragung zu bewerten. Weitere Analysen, die nur diejenigen Beratungssituationen mit direktem persön- lichem Kontakt berücksichtigen, könnten differenziertere Resultate liefern.

Nach Studien zu Informationsinterventionen zu Beruf- und Studienorientierung können insbesondere junge Men- schen mit Eltern ohne akademischen Hintergrund von diesen profitieren (vgl. Saniter et al. 2019; Peter et al. 2021; Borghans et al. 2015). Dies wurde auch für die vorliegende Arbeit vermutet, da davon ausgegangen wurde, dass der Bezug zum Thema Lernmobilität bei Personen mit Eltern ohne akademische Abschlüsse niedriger ist als bei Perso- nen mit Eltern mit mindestens einem Hochschulabschluss (vgl. Becker, Thimmel 2019b: 29; Borgstedt 2019: 49; Carl- son et al. 2014: 148). Diese Vermutung wurde durch den Vergleich von Befragten ohne akademisches Elternhaus und Befragten mit akademischem Elternhaus bestätigt. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen mit akademisch vor- gebildeten Eltern insgesamt einen besseren Zugang zu Lernmobilität zu haben scheinen: Sie lehnen gängige Vor - urteile zu Lernmobilität stärker ab, haben einen größeren Kenntnisstand über Lernmobilitätsmöglichkeiten, sind bereits eher mit der Planung eines Auslandsaufenthalts beschäftigt und haben auch an mehr Mobilitätsmaßnah- men teilgenommen. Allerdings zeigt der Vergleich auch, dass Personen ohne akademisch vorgebildete Eltern stär- ker von dem Kontakt mit Eurodesk profitieren. Das wird zum einen durch eine größere Ablehnung von Vorannah - men zu Lernmobilität mit längerer Kontaktdauer deutlich. Ein vergleichsweise starker Effekt ist außerdem beim gene - rellen Interesse an Lernmobilität festzustellen. Das Inter- esse steigt deutlich bei Personen mit Eltern ohne Hoch- schulabschlüsse mit dem längeren Kontakt zu Eurodesk, während diese Tendenz bei Personen mit Eltern mit Hoch- schulabschlüssen nicht erkennbar ist. Das ist ein Hinweis darauf, dass beim Thema Lernmobilität bisher benachtei- ligte junge Menschen stärker vom Zugang zu Jugendinfor- mation profitieren können und dass durch das Umfeld wenig vorhandene transkulturelle Kapital ausgeglichen werden kann. Auf der anderen Seite geht der Abbau dis- kursiver Barrieren nicht einher mit mehr Teilnahmen, wie es in der Zugangsstudie erhofft wurde (Abt 2019: 95). Ver - mutlich existieren zusätzlich strukturelle Barrieren, die Teilnahmen erschweren und die nicht allein durch den Kontakt zu Jugendinformation gelöst werden können (vgl. Thimmel 2019).

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