Forschungsarbeit Jugendinformation

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8.1 Handlungsempfehlungen für Jugend- information zu Lernmobilität Die Ergebnisse dieser Arbeit deuten darauf hin, dass Jugendinformation, wie sie durch Eurodesk bereitgestellt wird, zu einem besseren Zugang zu internationaler Lern- mobilität führen kann, besonders dadurch, dass diskursive Barrieren abgebaut werden. Nutzer*innen bewerten Euro- desk und dessen Angebote sehr positiv. Allerdings bleibt die Reichweite des Angebots begrenzt, da im Bereich Lern- mobilität bisher unterrepräsentierte Zielgruppen seltener erreicht werden. Insgesamt ist das Informations- und Bera- tungsangebot von Eurodesk zu wenig bekannt und kann damit auch nicht genutzt werden. Im Hinblick auf diese Erkenntnisse ergeben sich zentrale Handlungsempfehlun- gen, die darauf abzielen, die Zugänglichkeit und Effektivität von Jugendinformationsangeboten weiter zu verbessern und so die Chancengleichheit in der Lernmobilität zu erhö- hen. 8.1.1 Kooperation mit Schulen – Infos zu jungen Menschen bringen Im Bereich der internationalen Lernmobilität unterreprä- sentierte Jugendliche werden durch Eurodesk Deutschland nur schwer erreicht. In Bezug dazu hebt Helm-Pleuger die Wichtigkeit hervor, Informationen zu jungen Menschen zu bringen und nicht von einer „Holpflicht“ auszugehen (Helm-Pleuger 2010: 228). Es gilt, junge Menschen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten, und sie in Kontakt mit Lernmobilitätsangeboten zu bringen, ohne dass sie sich selbst aktiv dazu bemühen müssen. Die Schule ist dafür naheliegend und wird auch von jungen Menschen selbst vorgeschlagen (Karim et al. 2020: 12-13; Maslejak, Bonus 2020: 38-39). Die Bedeutung des schulischen Kontextes für den Zugang zu Lernmobilität wurde auch in der Online-Befragung ersichtlich. Auf der einen Seite ist die Schule eine wichtige Informationsquelle für Mobilitätsmaßnahmen. Auf der anderen Seite erhielten junge Menschen dort aber nur ein-

geschränkt Mobilitätsinformationen. Insbesondere Pro- gramme des non-formalen Bildungsbereichs scheinen wenig behandelt zu werden. Das ist in dem Sinne proble- matisch, weil junge Menschen erwarten, hier essenzielle Informationen zu erhalten. Dass es andere Informations- quellen wie Jugendinformation gibt, ist oft nicht bekannt (Thimmel 2019: 188). Wenn Angebote der internationalen Jugendarbeit nicht an Schulen behandelt werden, bleibt ein großer Teil an internationalen Lernformaten unbe- kannt. Eine gezielte Einbindung von Schule in die Jugendin- formation stellt eine vielversprechende Maßnahme dar, um breitere Zielgruppen zu erreichen. So könnten regel- mäßige Informationsveranstaltungen, wie sie etwa im Rahmen der Berufsorientierung etabliert sind, auch für Lernmobilität organisiert werden (vgl. BMFSFJ 2006: 6). Praktische Formate könnten Besuche von Eurodesk-Bera- ter*innen in den Klassen unter Beteiligung ehemaliger Teil- nehmer*innen, individuelle Beratungsangebote und gezielte Elternarbeit umfassen, um die Reichweite von Eurodesk zu erhöhen (Abt 2022: 125). Eine zusätzliche Maßnahme könnte die Schulung von Lehrkräften sein, um auch hier diskursive Barrieren abzubauen, die junge Men- schen durch ihr Umfeld bezüglich Lernmobilität erfahren. Die Zusammenarbeit von Eurodesk mit Schulen passiert bereits, allerdings erzählen Fachkräfte von der Schwierig- keit, Kooperationen mit Haupt-, Real-, Berufs- und Förder- schulen herzustellen. So würden die Einrichtungen kein Interesse an der Förderung von Lernmobilität haben bzw. Lernmobilität als nicht geeignet für ihre Schüler*innen ansehen (IJAB 2018: 36, 43). Um diese Schüler*innen indi- rekt zu erreichen, könnte eine Partnerschaft mit der Bun- desagentur für Arbeit und Berufsinformationszentren eta- bliert werden. Saniter et al. (2019) belegten in Bezug zur Berufs- und Studienorientierung bereits, wie besonders Schüler*innen von Haupt- und Realschulen durch Informa- tionsangebote dieser Einrichtungen profitieren. Schulun - gen der Mitarbeitenden zu internationalen Mobilitätsfor- maten könnten die Bekanntheit von Eurodesk-Angeboten steigern und sicherstellen, dass diese für alle Jugendlichen gleichermaßen zugänglich sind (vgl. Becker 2019: 19c).

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