Forschungsarbeit Jugendinformation

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Eurodesk Deutschland hat 2023 bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen und schulte 120 Berufsbera- ter*innen der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit zu verschiedenen Mobilitätsforma- ten (IJAB 2024a: 8). Die Kooperation sollte ausgebaut und auf Berufsberater*innen erweitert werden, da diese eng mit Schulen zusammenarbeiten und damit das Potenzial besteht, eine breitere Zielgruppe junger Menschen zu erreichen, die sonst außerhalb von Eurodesks Kontakt- möglichkeiten liegen. In diesen Interaktionen – sowohl im direkten Kontakt mit jungen Menschen als auch mit Multiplikator*innen – sollte u. a. der rausvonzuhaus-Newsletter als niederschwellige Möglichkeit zum Informationserhalt über Lernmobilität vorgestellt werden. Der Newsletter ermöglicht es Interes- sierten, regelmäßig und ohne großen Eigenaufwand Infor- mationen zu erhalten und sich mit der Thematik auseinan- derzusetzen. Besonders Menschen mit geringer intrinsi- scher Motivation könnten von dieser regelmäßigen äuße- ren Aktivierung profitieren.

Wie die Online-Befragung zeigte, gibt es einen deutlichen Wunsch junger Menschen nach Beteiligung: Über 1.300 Personen gaben an, ihre Auslandserfahrungen mit Euro- desk teilen zu wollen (T7_F02_02.C10). Gerade für mobili- tätsunerfahrene Jugendliche, die sich nicht vorstellen können, wie eine internationale Lernmobilitätsmaßnahme funktioniert, können solche authentischen Erfahrungsbe- richte wichtige Impulse für eine mögliche eigene Mobili- tätsteilnahme darstellen (IJAB 2018: 44). Die Förderung authentischer Peer-to-Peer-Methoden bei Eurodesk könnte sowohl das Engagement stärken als auch die Reich- weite und Wirkung der Jugendinformation erhöhen (vgl. Karim, Widén 2018: 40). Solche Ansätze bieten zudem ein- zigartige Möglichkeiten, junge Menschen in ihren eigenen Lebenswelten anzusprechen und durch Erfolgsgeschich- ten und Erfahrungsberichte von Gleichaltrigen Unsicher- heiten abzubauen (Abt 2022: 125-126; Maslejak, Bonus 2020: 38-39). Die aktive Einbindung junger mobilitätser- fahrener Menschen in die Gestaltung und Durchführung von Informationsveranstaltungen oder Social-Media-Ini- tiativen steigert nicht nur die Authentizität der vermittel- ten Inhalte, sondern auch das Selbstvertrauen und die Motivation der Zielgruppe (Karim, Widén 2018: 40; Thim- mel 2019: 188). Als einen ersten Schritt, mehr Jugendbeteiligung zu för- dern und junge Menschen als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelten zu berücksichtigen, kann die hier durchge- führte Online-Befragung der Newsletter-Empfänger*in- nen betrachtet werden. Hier hatten erstmals Nutzer*in- nen von Eurodesk Deutschland in einem großen Umfang die Möglichkeit, eigene Gedanken zu Eurodesk, Lernmobi- lität und Jugendinformation mitzuteilen. IJAB und Euro- desk Deutschland sollten in der internen Auswertung der Befragung dementsprechend besonders die letzte Frage des Fragebogens betrachten, bei der Umfrageteilneh- mende die Chance hatten, offen Feedback und weitere sonstige Gedanken zu verfassen. Diese war nicht im Fokus der Auswertung im Rahmen dieser Arbeit. Jedoch haben die Möglichkeit über 250 Personen genutzt, um z. B. ihre

8.1.2 Förderung von Jugendbeteiligung in der Jugendinformation

Jungen Menschen Beteiligungsmöglichkeiten zu bieten und sie als Expert*innen ihrer eigenen Anliegen anzu - erkennen, ist ein zentraler Anspruch der Jugendinforma- tion (vgl. ERYICA 2018). Diesen scheint Eurodesk Deutsch- land nach Wahrnehmung der Umfrageteilnehmenden nicht ausreichend zu erfüllen. Die bestehenden Angebote, wie das Teilen von Erfahrungsberichten oder gelegentliche Schulungen zur Peer-Beratung, reichen kaum aus, um eine nachhaltige Mitwirkung sicherzustellen (IJAB 2024a: 9, 16). Eine sinnvolle Handlungsempfehlung wäre dementspre- chend die Förderung der Jugendbeteiligung an der Gestal- tung von Jugendinformationen bei Eurodesk. Dabei geht es darum, die Möglichkeiten zur Mitwirkung junger Men- schen zu erweitern und diese transparenter zu kommuni- zieren.

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