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persönlichen Situationen zu internationaler Lernmobilität zu beschreiben, Feedback zur Umfrage und Eurodesk zu geben sowie den Wunsch nach mehr Aufklärungsarbeit bezüglich Lernmobilität zu äußern (T7_F01). Eine struktu- rierte Auswertung dieser Kommentare zusätzlich zur gene- rellen Analyse der Umfrage könnte Eurodesk wichtige Impulse zur Weiterentwicklung der Informations- und Beratungsarbeit geben. Sinnvoll ist es außerdem, diese Art der Online-Befragung nicht bei einer einmaligen Aktion zu belassen, sondern regelmäßig Rückmeldungen von Nut- zer*innen – und perspektivisch auch von Nicht-Nutzer*in- nen – zu erheben und auszuwerten. Für die kontinuierliche bedarfsorientierte Verbesserung der Informations- und Beratungsarbeit von Eurodesk könnten so wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. 8.1.3 Unterstützung in der Reduzierung struktureller Barrieren Bis hierhin wurde primär erörtert, inwiefern Jugendinfor- mation durch das Reduzieren diskursiver Barrieren den Zugang zu internationaler Lernmobilität verbessern kann. Bedeutend für den (Nicht-)Zugang zu Lernmobilität für junge Menschen sind aber auch strukturelle Barrieren, basierend auf Förderstrukturen, der Gestaltung von Lern- mobilitätsmaßnahmen und der Teilnehmendenakquise. Jugendinformationsdienste wie Eurodesk können dies zwar nicht direkt beeinflussen. Sie können junge Men - schen aber dabei unterstützen, mit diesen Barrieren zurechtzukommen. Strukturelle Hindernisse betreffen beispielsweise kom - plexe Anmeldeverfahren. So kritisiert Becker die „Komm- Struktur“ von Lernmobilitätsangeboten, durch die voraus- gesetzt wird, dass junge Menschen mit diesen Formalien umgehen können, was insbesondere eher von formal hoch gebildeten jungen Menschen erwartet wird (Becker 2016: 313-314). Notwendig wären stattdessen jedoch verein- fachte Bewerbungsverfahren, um neue Zielgruppen, besonders potenzielle Teilnehmende mit geringen sozio-
ökonomischen Ressourcen, zu gewinnen (Thimmel 2013: 151). Solche kostengünstigen Maßnahmen sind bereits im Rahmen von Hochschulbewerbungen getestet und als wirksam bewertet worden (French, Oreopoulus 2017: 62). Jugendinformationsdienste könnten an dieser Problematik ansetzen, indem sie gezielte Hilfen zum Umgang mit Anmelde- und Bewerbungsverfahren anbieten, beispiels- weise durch Anleitungen oder individuelle Unterstüt- zungsangebote. Diese Thematik ist zwar bereits ein Teil der Informationsarbeit von Eurodesk Deutschland, sie könnte jedoch als Informationsschwerpunkt weiter ausge- baut werden, um benachteiligte Zielgruppen besser zu unterstützen. Berücksichtigt werden sollten dabei die tat- sächlichen Bedürfnisse junger Menschen, um hilfreiche und niederschwellige Angebote zu entwickeln (vgl. Hem- ming et al. 2019: 80). Ein weiterer Ansatzpunkt für die Reduzierung struktureller Hindernisse liegt in der stärkeren Anpassung der Lernmo- bilitätsangebote an die Bedürfnisse junger Menschen. For- scher*innen und Fachkräfte betonen, dass Jugendliche oft spezifische Interessen und Vorstellungen von Lernmobili - tät haben, die herkömmliche Angebote nicht immer abde- cken (Rosellen 2021: 58). Ein Perspektivwechsel zur bio- grafischen Einbettung internationaler Erfahrungen und der Ausbau vielfältiger Angebotsformate könnten zentrale Maßnahmen sein, um die Teilnahmemöglichkeiten für alle jungen Menschen zu stärken (Thimmel 2021b: 718). Jugend- information könnte hierbei eine Art Vermittlungsposition zwischen jungen Menschen und Entscheidungsträgern der Lernmobilität einnehmen. Eurodesk Deutschland ist täg- lich in Kontakt mit jungen Menschen, deren Interessen und Erwartungen, die sie an Lernmobilität haben. Diese zu erfassen, sie zu analysieren und damit in den Austausch mit Förderern und Anbietern zu gehen, könnte maßgeblich dazu beitragen, dass Lernmobilitätsangebote näher an der Lebenswelt der Jugendlichen konzipiert werden.
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