78
8.1.4 Stärkere Förderung der Jugendinformation in Deutschland Die bisher vorgeschlagenen Handlungsempfehlungen wurden teilweise bereits selber von Fachkräften der Jugendinformation als notwendige Maßnahmen erkannt. Das Problem sind fehlende Kapazitäten. Gerade um mobi- litätsferne Jugendliche zu erreichen, würden viele gerne mehr tun, jedoch fehlen zeitliche Ressourcen und finan - zielle Förderung, für proaktives Handeln und gezielte Ansprachen (IJAB 2018: 44-45). So würden vor allem mehr hauptamtliche Fachkräfte und Mobilitätsberater*innen in Jugendinformationseinrichtungen benötigt werden (ebd.: 43). Im Falle des Eurodesk-Netzwerks sieht die Situation jedoch so aus, dass die lokalen Eurodesk-Partnerorganisa- tionen die dezentrale Beratung junger Menschen freiwillig übernehmen. Eurodesk-Beratungsstellen sind in anderen Einrichtungen integriert, beispielsweise Jugendhäusern, Jugendämtern und Europe-Direct-Stellen, und oft wird die Tätigkeit als Eurodesk-Berater*in zusätzlich zu einer bereits bestehenden hauptamtlichen Tätigkeit durchge- führt (IJAB 2023: 5; IJAB 2024a: 3). Eurodesk stellt in Deutschland die zentrale Jugendinforma- tionsstruktur zur internationalen Lernmobilität dar, kann aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht das gesamte Potenzial ausschöpfen, um eine noch größere Anzahl junger Menschen zu erreichen. Jugendinformation muss von seinem Status in Deutschland als „Stiefkind der Jugendhilfe“ befreit und als eigenständiges Arbeitsfeld anerkannt und gesetzlich verankert werden (vgl. Aufer- bauer 2019:12). Dieser Schritt sowie eine systematische Finanzierung sind keine Luxusforderung, sondern eine notwendige Voraussetzung, um Jugendinformation als entscheidendes Werkzeug für soziale Teilhabe und Bil- dungsgerechtigkeit zu etablieren.
8.2 Reflexion des Forschungsprozesses Auf Basis der Ergebnisse des in dieser Arbeit durchgeführ- ten Forschungsvorhabens kann grundsätzlich davon aus- gegangen werden, dass die ursprünglichen Ziele erreicht wurden: Es konnte herausgearbeitet werden, welche Nut- zer*innengruppen derzeit von der Informations- und Bera- tungsarbeit von Eurodesk Deutschland profitieren und inwiefern Eurodesk den Zugang zu internationaler Lern- mobilität erleichtern kann. Dennoch sind im Verlauf des Forschungsprozesses Grenzen aufgekommen, die es auch vor dem Hintergrund der Ergebnisse zu reflektieren gilt. Zunächst sollte darauf hingewiesen werden, dass die Aus- sagekraft der Ergebnisse begrenzt ist, da die Repräsentati- vität der Daten fraglich ist. Die Ergebnisse lassen sich am ehesten auf die Abonnent*innen des Newsletters übertra- gen, doch ist unklar, inwieweit sie auch für andere Nut- zer*innengruppen gelten. Es ist denkbar, dass Personen, die aktiv nach Informationen suchen, beispielsweise über die Webseite oder durch Beratungsgespräche, ebenfalls eine hohe intrinsische Motivation für internationale Mobi- lität aufweisen und deswegen der untersuchten Stich- probe ähnlich sein könnten. Fraglich bleibt es jedoch, ob dies für andere Gruppen, wie Besucher*innen von Veran - staltungen und Zuhörer*innen von Vorträgen, ebenfalls zutrifft. Bei der Auswertung des Datenerhebungsinstruments wurde der Fokus auf die Analyse von Zusammenhängen zwischen der Nutzung von Jugendinformation und dem Zugang zu Lernmobilität gelegt, jedoch ohne diese auf wei- tere Faktoren hin zu testen. Dies bedeutet, dass die Ergeb- nisse und identifizierten Zusammenhänge mit einer gewis - sen Vorsicht betrachtet werden müssen. Die Datenerhe - bung erschuf bereits viele relevante Daten zu Faktoren, die mit dem generellen Zugang zu Auslandsmobilität zusam- menhängen können (vgl. Kapitel 3). Weiterführende Analy- sen unter Berücksichtigung dieser Faktoren können neue Erkenntnisse zum Einfluss der Nutzung von Jugendinfor - mation bringen und Zusammenhänge ggf. fundiert bestä- tigen.
Made with FlippingBook - Online catalogs