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Ein unerwartetes Ergebnis der Datenanalyse war, dass viele Befragte angaben, Eurodesk nicht zu nutzen, obwohl sie zum Zeitpunkt der Befragung als Abonnent*innen des rausvonzuhaus-Newsletters nach Definition dieser Arbeit klar in die Gruppe der Nutzer*innen fielen. Dies könnte darauf hinweisen, dass sie möglicherweise „Nutzung“ anders definieren, etwa in dem Sinne, dass sie die Ange - bote aktiv nutzen müssten, statt lediglich passiv den News- letter zu empfangen. Möglich ist auch, dass einige Befragte, die über die DiscoverEU-Initiative zum Newsletter gelang- ten, diesen nicht als spezifisches Angebot von Eurodesk wahrnehmen oder dass sie ihn zwar abonniert, bisher jedoch nicht aktiv genutzt haben. Diese Aspekte legen nahe, dass weitere Forschung zum Nutzungsverhalten junger Menschen bezüglich Jugendinformation notwendig wäre, um die Gründe für diese Wahrnehmungen besser zu verstehen und die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit besser einordnen zu können. 2 Zusätzlich spielt die subjektive Perspektive der Forscherin bei diesem Forschungsprozess eine Rolle. Trotz der Bemü- hung, durch standardisierte Fragebögen und statistische Auswertungen ein möglichst objektives Verfahren zu schaffen, ist nicht auszuschließen, dass persönliche Ein - flüsse in die Aus- und Bewertung der Ergebnisse eingeflos - sen sind. Eine Forschungsgruppe, die mehrere Perspekti- ven integriert, könnte in zukünftigen Untersuchungen eine höhere Objektivität gewährleisten. Da bisher nur wenig Forschung zur Thematik Jugendinfor- mation und zum Zugang zu internationaler Lernmobilität vorliegt, wurde das Thema dieser Arbeit bewusst allge- mein gehalten, um erste grundlegende Daten zu sammeln. Dadurch waren spezifische Detailanalysen nicht im Rahmen dieser Studie enthalten. Dies hat zur Folge, dass die erörterten Ergebnisse nur eine oberflächliche Darstel - 2 Eine weitere Erklärung könnte sein, dass die Personen, die die Fragebögen ausgefüllt haben, tatsächlich noch keinen Kontakt mit Eurodesk Deutschland hatten. Zugang zu der Befragung erhielten Personen, die den Newsletter von Eurodesk Deutschland abonniert hatten, durch individuelle Einladungen per E-Mail. Ob die Person, die das Abonnement abgeschlossen hat, dann auch auf den Befragungslink klickt und an der Befragung teilnimmt, konnte nicht sichergestellt werden. Die Einladungsmail konnte auch weitergeleitet werden. Es ist nicht auszuschließen, dass dies in manchen Fällen passiert sein könnte. Da aber mit 37% eine recht große Gruppe angegeben hat, dass sie Angebote von Eurodesk Deutschland nicht nutzen würde, wird nicht davon ausge- gangen, dass dies in einem so großen Maß passiert ist.
lung der untersuchten Thematik ergeben. Trotzdem bestärkte das Forschungsvorhaben grundsätzliche Impulse für Handlungsempfehlungen des Arbeitsfeldes und schuf eine geeignete Grundlage für zukünftige For- schungen, die in der abschließenden Diskussion weiter ausgeführt wird.
8.3 Forschungsimpulse für die Jugendinformation
Die Ergebnisse dieser Arbeit bieten zahlreiche Impulse für weiterführende Forschung im Bereich Jugendinformation und internationaler Lernmobilität. Einige wurden bereits im Verlauf der Diskussion angesprochen. Insgesamt zeigt sich, dass Jugendinformation bisher kaum Beachtung in der Forschung gefunden hat, obwohl darin erhebliches Potenzial besteht, besonders in Bezug auf Chancengleich- heit und Zugangsmöglichkeiten zu internationalen Lern- formaten. Zielgerichtete Studien könnten wichtige Einbli- cke liefern, wie Zugänge verbessert und Barrieren abge- baut werden können. Besonders auffällig in der vorliegenden Untersuchung ist der hohe Anteil von über 22% der Befragten, die sich der LGBTQIA+-Community zugehörig fühlen. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Deutschlands, in der der Anteil etwa 12% beträgt, ist dies eine beachtliche Abweichung (Ipsos 2024). Solche Ergebnisse wurden bisher in keiner der Stu- dien zu Jugendinformation oder Lernmobilität erfasst. Das deutet darauf hin, dass LGBTQIA+-Zugehörigkeit ein rele- vantes Thema für künftige Untersuchungen sein könnte. Eine nähere Erforschung dieser Zielgruppe im Zusammen- hang mit Jugendinformation und internationaler Lernmo- bilität könnte zu einem besseren Verständnis des Interes - ses und gezielten Informationsangeboten führen.
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