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KAPITEL 9
Fazit
Das übergeordnete Ziel der internationalen Jugendarbeit sowie der Jugendpolitik auf Bundesebene ist, allen jungen Menschen internationale Lernerfahrungen zu ermögli- chen. Viele Jugendliche sind auch an Lernmobilität interes - siert, doch stehen oft strukturelle und diskursive Barrie- ren in Form von Vorurteilen und Informationsdefiziten im Weg. Jugendinformationsdienste setzen sich dafür ein, um insbesondere Letztere zu reduzieren. Eurodesk Deutsch- land ist das größte Informationsnetzwerk in Deutschland zu internationaler Lernmobilität und erreicht jährlich zehn- tausende junge Menschen und Multiplikator*innen. Den- noch gibt es bislang kaum Forschung zu der Wirksamkeit dieses Arbeitsbereichs. Diese Forschungslücke wurde in dieser Arbeit aufgegriffen. Die vorliegende Studie untersuchte, welche Rolle die Nut- zung von Eurodesk Deutschland für den Zugang junger Menschen zu internationaler Lernmobilität spielt. Die quantitative Online-Befragung der Abonnent*innen des Newsletterangebots von Eurodesk Deutschland mit 3.474 Teilnahmen zeigte auf, inwiefern die Nutzung den Zugang zu Lernmobilität erleichtern kann und welche Zielgruppe von der Nutzung profitiert. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die langfristige Nutzung von Eurodesk einerseits zu einer höheren Kenntnis von Mobilitätsformaten im non- formalen Bereich und andererseits zu einer Abnahme von Vorurteilen zu Lernmobilität führt. Beides ist nach Auffas - sung von Praxis und Forschung entscheidend, damit junge Menschen selbstbestimmte, freie Entscheidungen über eine mögliche Mobilitätsteilnahme treffen können. Die Effekte sind stärker bei Nutzer*innen ohne akademisch vorgebildete Eltern. Zusätzlich weisen langjährige Nut- zer*innen dieser Gruppe eine deutlich gesteigerte Motiva-
tion auf, an Mobilitätsprogrammen teilzunehmen. Das spricht dafür, dass Eurodesk dazu beiträgt, Informationslü- cken zu schließen und positive Einstellungen gegenüber Lernmobilität, insbesondere bei unterrepräsentierten Gruppen, zu fördern. Es zeigt sich allerdings auch, dass Eurodesk Deutschland mit seinen Dienstleistungen hauptsächlich formal hochge- bildete junge Menschen erreicht, während formal niedrig gebildete Jugendliche unterrepräsentiert bleiben. Diese Ergebnisse reihen sich in die Erkenntnisse vergangener Studien zu Jugendinformation ein. Die Studie bestätigt somit die in der Zugangsforschung zu Lernmobilität for- mulierte Herausforderung, auch solche Zielgruppen zu erreichen, die nicht von sich aus nach Mobilitätsinforma- tionen suchen, jedoch stark von diesen profitieren könn - ten. Allerdings stößt die Validität der Studienergebnisse auf methodische Grenzen, vor allem bezüglich der Repräsen- tativität. Die Stichprobe der Befragung bestand nur aus Newsletter-Empfänger*innen, einer Gruppe, die durch das eigene aktive Abonnieren des Informationsangebots bereits eine hohe intrinsische Motivation für die Auseinan- dersetzung mit der Thematik Lernmobilität aufweist. Die Generalisierbarkeit der Ergebnisse auf alle Nutzer*innen Eurodesks ist somit eingeschränkt. Weiterführende Stu- dien sollten zum einen Nicht-Nutzer*innen sowie Nut- zer*innen anderer Informationsinitiativen von Eurodesk berücksichtigen. Dies kann ein umfangreicheres Verständ - nis des generellen Einflusses von Eurodesk auf den Zugang junger Menschen zu internationaler Lernmobilität hervor- bringen. Zudem wären qualitative Methoden eine wert-
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