Forschungsarbeit Jugendinformation

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Editorial

Sozialer Ausgleichseffekt: Die positiven Wirkungen unse- rer Arbeit – Abbau von Vorannahmen, gesteigerte Motiva - tion zur Teilnahme – treten besonders stark bei Jugendli- chen ohne akademisch vorgebildete Eltern hervor. Damit wird deutlich: Jugendinformation kann Informationslücken schließen und gerade jene motivieren, denen ein mobili- tätsnahes Umfeld fehlt. Zugleich weist die Studie auf weiteren Handlungsbedarf hin: Der rausvonzuhaus-Newsletter erreicht bislang vor allem formal hoch gebildete junge Menschen. Um Chan- cengleichheit breiter zu verwirklichen, muss Eurodesk Deutschland seine Reichweite erhöhen – etwa durch eine intensivere Zusammenarbeit mit Schulen und durch mehr Jugendbeteiligung, um Angebote bedarfsgerechter und authentischer zu gestalten. Die Masterarbeit von Johanna Kuchem schließt eine wich- tige Forschungslücke im Bereich Jugendinformation und internationale Lernmobilität. Ihre Ergebnisse unterstrei- chen die Notwendigkeit, Jugendinformation strukturell zu stärken, damit wirklich alle jungen Menschen gleiche Chan- cen auf internationale Lernerfahrungen erhalten. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Johanna Kuchem für ihre fundierte Forschung und die praxisrele - vanten, empirisch gestützten Impulse für unsere Arbeit. Es freut mich sehr, dass diese Leistung auch auf europäischer Ebene mit dem „Eurodesk Digital Star 2025“ ausgezeichnet wurde und nun als IJAB-Publikation einem breiteren Fach- publikum zugutekommt.

Internationale Lernmobilität – pädagogisch gerahmte Aus- landsaufenthalte – ist ein zentrales Instrument, um junge Menschen auf die Anforderungen einer globalisierten Gesellschaft vorzubereiten. Dennoch zeigen Studien immer wieder: Der Anspruch, allen Jugendlichen solche Erfahrungen zu ermöglichen, kann bislang nicht eingelöst werden. Vor allem junge Menschen aus bildungsnahen Milieus profitieren bisher, während andere Gruppen unter - repräsentiert bleiben. Ein wesentlicher Grund liegt in Informationsdefiziten sowie in Vorurteilen und Fehlannah - men über Mobilitätsangebote. Umso wichtiger ist die Arbeit von Informations- und Bera- tungsnetzwerken wie Eurodesk. Als europäisches Jugend- informationsnetzwerk stellt Eurodesk eine flächende - ckende Struktur und verschiedene Informationsangebote bereit und berät allein in Deutschland jährlich Zehntau- sende junger Menschen über ihre Chancen auf internatio- nale Lernerfahrungen. Im Rahmen ihrer Masterarbeit „Die Bedeutung von Jugendinformation für den Zugang zu internationaler Lernmobilität“ hat Johanna Kuchem eine quantitative Online-Befragung unter den Abonnent*innen des raus- vonzuhaus-Newsletters 1 von Eurodesk-Deutschland durch- geführt. Auf Basis von 3.474 gültigen Fällen liefert ihre Untersuchung wertvolle Impulse für unser Arbeitsfeld. Die zentralen Ergebnisse bestätigen unsere strategische Aus- richtung: Abbau von Vorurteilen, Zuwachs an Wissen: Die langfris- tige Nutzung der Informationsangebote von Eurodesk Deutschland reduziert Vorbehalte gegenüber Lernmobili - tät und steigert das Wissen über Mobilitätsformate – ins- besondere im non-formalen Bildungsbereich, der allen Jugendlichen unabhängig von ihrem Bildungshintergrund offensteht.

Robert Helm-Pleuger Präsident des europäischen Eurodesk-Netzwerks

Leiter des Geschäftsbereichs Information für die internatio- nale Jugendarbeit und Jugendpolitik, IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland

1 https://www.rausvonzuhaus.de/newsletter

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