Forschungsarbeit Jugendinformation

Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität: Ergebnisse einer Online-Befragung unter den Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland.

Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität Ergebnisse einer Online-Befragung unter den Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland FORSCHUNGSARBEIT

Forschung

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Forschungsarbeit

Der Beitrag gibt die Meinung der Autorin wieder, die nicht der Meinung der Redaktion bzw. des Herausgebers entsprechen muss. An einigen Stellen dieser Publikation wird auf einen Anhang verwiesen. Dieser Anhang ist Bestandteil der Originalarbeit und kann bei Interesse unter kuchem@ijab.de bei der Autorin angefragt werden.

Die dieser Publikation zugrunde liegende Forschungsarbeit wurde unter dem Titel „Die Bedeutung von Jugendinformation für den Zugang zu internationaler Lernmobilität. Eine quantitative Online-Befragung der Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland“ im Rahmen des Masterstudiengangs Interkulturelle Kommunikation und Bildung an der Universität zu Köln (Humanwissenschaftliche und Philosophische Fakultät) verfasst.

Impressum

2025 © IJAB, Bonn

Herausgegeben von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Verantwortlich Daniel Poli, Direktor IJAB

Autorin Johanna Kuchem

Redaktion Sonja Nißl, Cathrin Piesche, Susanne Klinzing, Mareike Ketelaar

Grafische Gestaltung, Layout & Satz Lukas Ullrich, KLEINLAUT Mediendesign, Köln

Bildnachweis S. 82 unter Verwendung eines Bildes von ArdeaA | iStock

Druck DCM Druckcenter Meckenheim Gedruckt auf 100 % blauer-Engel-zertifiziertem Recyclingpapier

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Inhalt

Abstract . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................................ 4 Editorial .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................................ 7 1 Einleitung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ....................................... 8 2 Internationale Lernmobilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............................... 10 2.1 Der Mobilitätsbegriff .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............................... 10 2.2 Angebote internationaler Lernmobilität. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ....................... 11 2.3 Wirkung und Ziele internationaler Lernmobilität. . . . . . . . . . . . . . . . . . . ................... 12 3 Die Zugangsperspektive zu internationaler Lernmobilität .. . . . . . . . . . . . . . . . ................. 15 3.1 Wer nimmt (nicht) teil?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .............................. 15 3.2 Strukturelle Teilnahmebarrieren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .......................... 16 3.3 Diskursive Teilnahmebarrieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .......................... 17 3.4 Die Bedeutung des sozialen Umfelds. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ 18 3.5 Handlungsempfehlungen zur Reduzierung diskursiver Barrieren . . . . . . . . . . . . ........... 19 4 Jugendinformation .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ................................... 21 4.1 Entwicklung und Aufgaben von Jugendinformation. . . . . . . . . . . . . . . . . . .................. 21 4.2 Jugendinformation in Deutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ......................... 22 4.3 Das Jugendinformationsnetzwerk „Eurodesk“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .................... 23 5 Forschungsperspektiven zu Jugendinformation .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 25 5.1 Nutzung von Jugendinformation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .......................... 25 5.2 Wirkung von Informationsinterventionen auf junge Menschen . . . . . . . . . . . . . ............ 27 6 Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................................ 29 6.1 Eingrenzung des Forschungsgegenstands. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 29 6.2 Wahl der Forschungsmethode. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................... 33 6.3 Erstellung des Datenerhebungsinstruments. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ..................... 33 6.4 Teilnehmendenrekrutierung und Durchführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ................... 38 6.5 Datenbereinigung und Auswertung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................ 40 7 Auswertungsergebnisse der Online-Befragung .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 42 7.1 Beschreibung der Stichprobe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................... 42 7.2 Zugang zu internationaler Lernmobilität (UF1). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .................... 44 7.3 Nutzung von Eurodesk Deutschland (UF2). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ...................... 54 7.4 Prüfung von Zusammenhängen zwischen der Nutzung von Eurodesk Deutschland und dem Zugang zu internationaler Lernmobilität. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .................. 58 8 Ergebnisdiskussion und Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ............................. 72 8.1 Handlungsempfehlungen für Jugendinformation zu Lernmobilität . . . . . . . . . . . ........... 75 8.2 Reflexion des Forschungsprozesses . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ......................... 78 8.3 Forschungsimpulse für die Jugendinformation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .................... 79 9 Fazit ..... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........................................ 81 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ................................... 84 Abkürzungsverzeichnis .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ................................. 93 Über die Autorin .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .................................... 94

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Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität Ergebnisse einer Online-Befragung unter den Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland

Abstract

Internationale Lernmobilität gilt als wesentliches Instru- ment, um jungen Menschen interkulturelle Kompetenzen, berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen. Dennoch sind viele Jugendliche von einer Teil - nahme ausgeschlossen, wobei Informationsdefizite und vorurteilsbehaftete Narrative zentrale sogenannte diskur- sive Barrieren darstellen. Jugendinformationsdienste können hier eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie Wissen bereitstellen, Orientierung geben und Entschei- dungskompetenz fördern. Vor diesem Hintergrund richtet die Arbeit den Fokus auf das europäische Jugendinforma- tionsnetzwerk Eurodesk und untersucht, inwiefern dessen Angebote den Zugang zu Lernmobilität verbessern und welche Gruppen davon besonders profitieren. Grundlage der Untersuchung ist eine quantitative Online- Befragung der Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland mit einer Stichprobe von 3.474 Personen. Die Datenerhebung erfolgte mittels standardisierter Fragebö- gen, ausgewertet wurden deskriptive und bivariate Zusam- menhänge zwischen der Nutzung von Informations- und Beratungsangeboten, dem Wissen über Mobilitätsmög- lichkeiten sowie der tatsächlichen Teilnahmebereitschaft und Teilnahmeerfahrung.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine längerfristige Nut- zung von Eurodesk-Angeboten mit einem höheren Kennt- nisstand zu verschiedenen Mobilitätsformaten verbunden ist und dazu beiträgt, gängige Vorannahmen abzubauen. Zudem wirkt sich der Kontakt positiv auf das Interesse und die Motivation zur Teilnahme aus. Besonders bei jungen Menschen ohne akademischen Bildungshintergrund der Eltern lassen sich deutliche Effekte erkennen, wodurch Informationsarbeit zur Verringerung bestehender Ungleichheiten beitragen kann. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Eurodesk überwiegend formal höher gebil- dete Jugendliche erreicht und damit vor allem jene stärkt, die bereits durch ein mobilitätsnahes Umfeld über güns- tige Zugangsvoraussetzungen verfügen. Insgesamt bestätigt die Arbeit die Relevanz von Jugendin- formation als unterstützende Struktur, die Wissen vermit- telt, Entscheidungskompetenz stärkt und Teilhabechancen verbessert. Allerdings bleibt der Zugang für benachteiligte Zielgruppen eingeschränkt, sodass eine stärkere struktu- relle Verankerung von Jugendinformation sowie eine gezielte Ansprache notwendig sind. Die Untersuchung leis- tet damit einen wichtigen Beitrag zur bislang wenig erforschten Rolle von Jugendinformation, unterstreicht die Bedeutung von Informationsdiensten für Bildungsgerech- tigkeit und internationale Teilhabe und macht zugleich wei- teren Forschungs- und politischen Unterstützungsbedarf deutlich.

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The results show that long-term use of Eurodesk services is associated with greater knowledge of different mobility for - mats and contributes to reducing common stereotypes. Moreover, contact with Eurodesk positively influences interest in and motivation to participate. Significant effects were found especially among young people whose parents do not have an academic background, suggesting that information services can help reduce existing inequalities. At the same time, Euro- desk primarily reaches higher-educated young people, thereby mainly benefiting those who already possess favorable access conditions due to a mobility-oriented environment. Overall, the study confirms the relevance of youth information as a supportive structure that conveys knowledge, strengthens decision-making skills, and enhances participation opportuni- ties. However, access remains limited for disadvantaged target groups, highlighting the need for stronger structural integra- tion of youth information and more targeted outreach. This study thus contributes to the still under-researched field of youth information, underlines the importance of information services for educational equity and international participa- tion, and points to further needs for research and policy sup- port.

International learning mobility is considered an essential inst- rument for enabling young people to gain intercultural compe- tences, broaden their career prospects, and foster social par- ticipation. However, many young people remain excluded from participation, with a lack of information and prejudice- based narratives forming so-called key discursive barriers. Youth information services can play a crucial role in addres- sing these challenges by providing knowledge, offering gui - dance, and strengthening decision-making capacities. Against this background, the present study focuses on the European youth information network Eurodesk and examines to what extent its services improve access to learning mobility and to identify which groups particularly benefit from them. The study is based on a quantitative online survey among the newsletter subscribers of Eurodesk Germany, comprising a sample of 3,474 respondents. Data were collected using stan- dardized questionnaires and analyzed through descriptive and bivariate correlations between the use of information and counseling services, knowledge of mobility opportunities, and the willingness and experience of mobility participation.

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Editorial

Sozialer Ausgleichseffekt: Die positiven Wirkungen unse- rer Arbeit – Abbau von Vorannahmen, gesteigerte Motiva - tion zur Teilnahme – treten besonders stark bei Jugendli- chen ohne akademisch vorgebildete Eltern hervor. Damit wird deutlich: Jugendinformation kann Informationslücken schließen und gerade jene motivieren, denen ein mobili- tätsnahes Umfeld fehlt. Zugleich weist die Studie auf weiteren Handlungsbedarf hin: Der rausvonzuhaus-Newsletter erreicht bislang vor allem formal hoch gebildete junge Menschen. Um Chan- cengleichheit breiter zu verwirklichen, muss Eurodesk Deutschland seine Reichweite erhöhen – etwa durch eine intensivere Zusammenarbeit mit Schulen und durch mehr Jugendbeteiligung, um Angebote bedarfsgerechter und authentischer zu gestalten. Die Masterarbeit von Johanna Kuchem schließt eine wich- tige Forschungslücke im Bereich Jugendinformation und internationale Lernmobilität. Ihre Ergebnisse unterstrei- chen die Notwendigkeit, Jugendinformation strukturell zu stärken, damit wirklich alle jungen Menschen gleiche Chan- cen auf internationale Lernerfahrungen erhalten. An dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Johanna Kuchem für ihre fundierte Forschung und die praxisrele - vanten, empirisch gestützten Impulse für unsere Arbeit. Es freut mich sehr, dass diese Leistung auch auf europäischer Ebene mit dem „Eurodesk Digital Star 2025“ ausgezeichnet wurde und nun als IJAB-Publikation einem breiteren Fach- publikum zugutekommt.

Internationale Lernmobilität – pädagogisch gerahmte Aus- landsaufenthalte – ist ein zentrales Instrument, um junge Menschen auf die Anforderungen einer globalisierten Gesellschaft vorzubereiten. Dennoch zeigen Studien immer wieder: Der Anspruch, allen Jugendlichen solche Erfahrungen zu ermöglichen, kann bislang nicht eingelöst werden. Vor allem junge Menschen aus bildungsnahen Milieus profitieren bisher, während andere Gruppen unter - repräsentiert bleiben. Ein wesentlicher Grund liegt in Informationsdefiziten sowie in Vorurteilen und Fehlannah - men über Mobilitätsangebote. Umso wichtiger ist die Arbeit von Informations- und Bera- tungsnetzwerken wie Eurodesk. Als europäisches Jugend- informationsnetzwerk stellt Eurodesk eine flächende - ckende Struktur und verschiedene Informationsangebote bereit und berät allein in Deutschland jährlich Zehntau- sende junger Menschen über ihre Chancen auf internatio- nale Lernerfahrungen. Im Rahmen ihrer Masterarbeit „Die Bedeutung von Jugendinformation für den Zugang zu internationaler Lernmobilität“ hat Johanna Kuchem eine quantitative Online-Befragung unter den Abonnent*innen des raus- vonzuhaus-Newsletters 1 von Eurodesk-Deutschland durch- geführt. Auf Basis von 3.474 gültigen Fällen liefert ihre Untersuchung wertvolle Impulse für unser Arbeitsfeld. Die zentralen Ergebnisse bestätigen unsere strategische Aus- richtung: Abbau von Vorurteilen, Zuwachs an Wissen: Die langfris- tige Nutzung der Informationsangebote von Eurodesk Deutschland reduziert Vorbehalte gegenüber Lernmobili - tät und steigert das Wissen über Mobilitätsformate – ins- besondere im non-formalen Bildungsbereich, der allen Jugendlichen unabhängig von ihrem Bildungshintergrund offensteht.

Robert Helm-Pleuger Präsident des europäischen Eurodesk-Netzwerks

Leiter des Geschäftsbereichs Information für die internatio- nale Jugendarbeit und Jugendpolitik, IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland

1 https://www.rausvonzuhaus.de/newsletter

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KAPITEL 1

Einleitung

Ein zentrales Ziel der Jugendphase ist es, zu einem eigen- ständigen und aktiv partizipierenden Mitglied der Gesell- schaft zu werden. Junge Menschen sollen lernen, sich im sozialen Umfeld einzubringen, eigene Bedürfnisse und gesellschaftliche Erwartungen auszubalancieren und Ver - antwortung für das eigene Handeln zu übernehmen (BMFSFJ 2019: 9). Doch das Aufwachsen und die Anforde- rungen an junge Menschen werden mit der sich stetig ver- ändernden Umwelt immer komplexer. Die Welt und das Zusammenleben sind geprägt durch den Prozess der Glo- balisierung – einer zunehmenden politischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Vernetzung zwischen Regionen und Ländern (Gerhards et al. 2014: 7). Ob Bil- dung, Arbeit, Gesundheit usw. – internationale Zusam- menhänge spielen in immer mehr Bereichen des Alltags eine Rolle. Die verbreitete Nutzung des Internets und der sozialen Medien macht außerdem globale Ereignisse und deren Zusammenhänge mit der eigenen Lebensrealität sichtbarer und spürbarer. In einer globalisierten Welt auf- zuwachsen bedeutet, diese globalen Zusammenhänge zu erkennen. Ein wesentlicher Teil davon ist zu verstehen und anzuerkennen, dass das individuelle Handeln über das unmittelbare Umfeld hinaus Auswirkung hat und dafür Verantwortung zu übernehmen (Michels 2008: 4). Damit sich junge Menschen aktiv in der globalisierten Gesell- schaft bewegen und sie mitgestalten können, ist es wich- tig, die Entwicklung entsprechender Kompetenzen zu för- dern (BMFSFJ 1 2019: 10). Vor diesem Hintergrund haben die Europäische Union (EU) und die Bundesrepublik Deutschland pädagogisch gerahmte Auslandsaufenthalte, sogenannte internatio- nale Lernmobilität, als wesentliches Instrument erkannt, um junge Menschen auf die Anforderungen der globali- sierten Gesellschaft vorzubereiten (vgl. BMFSFJ 2005; Euro- päische Kommission 2009). Auslandsaufenthalte und internationale Begegnungen als Bildungsräume fördern 1 Die Masterarbeit wurde im Jahr 2024 eingereicht. Zu diesem Zeitpunkt trugen die beiden Bundesministerien die Namen "Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)" bzw. "Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)". Seit dem Regierungswechsel im Jahr 2025 tragen sie die Namen "Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)" sowie "Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)".

interkulturelle Kompetenzen, erweitern berufliche Pers - pektiven und stärken soziale Teilhabe. Der individuelle und gesellschaftliche Mehrwert von internationaler Jugendmo- bilität ist durch umfangreiche Forschungsprojekte belegt worden (vgl. IJAB, FPD 2021). Diese zeigten aber auch, dass nicht alle jungen Menschen gleichermaßen von solchen Lernerfahrungen profitieren. So nehmen besonders junge Menschen aus formal hochgebildeten Milieus an solchen Programmen teil, während Personen mit formal niedrige- ren Bildungshintergründen häufig unterrepräsentiert sind. Diese Beobachtung wurde zuletzt mit einer breit angelegten Repräsentativbefragung in der sogenannten Zugangsstudie belegt (Becker, Thimmel 2019c). Das Ziel, allen jungen Menschen internationale Lernerfahrungen zu ermöglichen, bleibt bislang unerreicht (BMFSFJ 2019: 148). Die Zugangsstudie zeigt aber auch: Es liegt nicht am man- gelnden Interesse der Jugendlichen. Dieses ist über alle Lebenswelten und sozioökonomischen Merkmale hoch (Borgstedt 2019: 66). Als einen zentralen Grund für die ungleichen Teilhabe- chancen beschreiben die Autoren der Zugangsstudie ein breites Informationsdefizit. Viele junge Menschen kennen ihre Mobilitätsmöglichkeiten nicht und können somit auch keine fundierte Entscheidung darüber treffen, ob und wie sie an Lernmobilität teilnehmen möchten. Fehlendes Wissen und mangelnde Erfahrungen führen zu Vorurteilen und falschen Annahmen über internationale Lernmobili- tätsangebote und darüber, an wen sich diese richten. Diese existieren nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch in ihrem sozialen Umfeld. Das beeinflusst die Wahrnehmung von Lernmobilität und kann den Zugang dazu zusätzlich erschweren (vgl. Abt 2019). Denn zu den wichtigsten Infor- mationsquellen für Lernmobilität zählen das nahe Umfeld – Familie, Freund*innen – sowie besuchte Einrichtungen wie Schulen, Betriebe und lokale Jugendarbeit. Hat dieses Umfeld wenig Berührungspunkte mit der Mobilitätsthe- matik bzw. existieren falsche Annahmen darüber, hat das erheblichen Einfluss auf die individuelle Teilnahmechance. Gerade bei in der Lernmobilität bisher unterrepräsentier- ten Jugendlichen von Haupt-, Real-, Förder- oder Berufs- schulen ist dies der Fall, wodurch ein reproduzierender Kreislauf entsteht: Fehlende Mobilitätsnähe verhindert

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Zum Entgegenwirken diskursiver Barrieren ist eine umfassende Informationsarbeit erforderlich. Ziel sollte es sein, Lernmobilität im Gesamten zu fördern und die vielfältigen Lernmobilitätsmöglichkeiten bekannt zu machen, sodass sich mehr junge Menschen für eine Teilnahme entscheiden können.

Teilnahmen an Mobilitätsmaßnahmen, wodurch keine neuen Vorbilder und Bezugspunkte entstehen können (Becker 2019b: 18). Diese benachteiligten jungen Menschen benötigen ver- trauenswürdige Impulsgeber*innen, die sie über interna- tionale Lernmöglichkeiten aufklären und ihnen helfen, Informationen richtig für die eigene Lebensrealität einzu- ordnen. Gleichzeitig müssen vorurteilsbehaftete Narrative auch bei Eltern, Lehrer*innen und Fachkräften entkräftet werden, um unterstützende Strukturen zu errichten. Zum Entgegenwirken diskursiver Barrieren ist eine umfassende Informationsarbeit erforderlich. Ziel sollte es sein, Lern- mobilität im Gesamten zu fördern und die vielfältigen Lernmobilitätsmöglichkeiten bekannt zu machen, sodass sich mehr junge Menschen für eine Teilnahme entscheiden können. Eine zentrale Rolle können hierbei Beratungsein- richtungen spielen, die junge Menschen und Multiplika- tor*innen über die vielfältigen Mobilitätsoptionen infor- mieren. Diese könnten die Entscheidungskompetenz junger Menschen stärken und den Zugang zu Lernmobili- tät verbessern (Becker 2019a: 203). In diesem Kontext ist das Arbeitsfeld der Jugendinforma - tion von besonderer Relevanz. Jugendinformationseinrich- tungen bieten auf die Bedürfnisse junger Menschen ausge- richtete Informations- und Beratungsangebote kostenlos an. Ziel ist es, junge Menschen zu befähigen, eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen und somit ihre aktive Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern (IJAB 2011). Ein bedeutendes Jugendinformationsnetzwerk, das sich auf die Thematik der internationalen Jugendmobilität speziali- siert hat, ist Eurodesk. Eurodesk Deutschland, als Teil dieses europäischen Netzwerks, stellt in Deutschland eine umfassende Informationsstruktur bereit und berät jähr- lich zehntausende junge Menschen über ihre Mobilitäts- chancen. Das digitale Angebot durch Webseiten und soziale Medien erhält jährlich über eine Million Aufrufe, und auch für Beratungsfachkräfte anderer Einrichtungen hat sich Eurodesk als zentrale Informationsquelle zum Thema internationale Jugendmobilität etabliert (IJAB 2024a; IJAB 2018).

Obwohl Eurodesk Deutschland eine breite Zielgruppe anspricht und viele Menschen erreicht, ist bisher unklar, welchen Einfluss der Kontakt mit Eurodesk auf die tatsäch - liche Teilhabe an Lernmobilitätsangeboten hat. Die For- schungsgrundlage zeigt, dass der Arbeitsbereich Jugendin- formation kaum erforscht ist. So existieren nur vereinzelt Hinweise zu möglichen Zusammenhängen zwischen der Nutzung von Jugendinformationseinrichtungen und dem Zugang zu Lernmobilität (Kappes 2010: 217). Im Fokus dieser Arbeit steht vor dieser Forschungslücke die Frage, welche Rolle die Nutzung des Jugendinforma- tionsdienstes Eurodesk Deutschland für den Zugang junger Menschen zu internationaler Lernmobilität spielt. Die Untersuchung der Fragestellung erfolgt durch eine quantitative Online-Befragung der Newsletter-Empfän- ger*innen von Eurodesk Deutschland. Die Auswertung der Ergebnisse soll Aufschluss geben, wie der Zugang zu Lern- mobilität durch den Kontakt mit einem Jugendinforma- tionsdienst gefördert werden kann und welche Personen- gruppen von Information und Beratung profitieren. Die Struktur der Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst wird ein theoretischer Rahmen gelegt, der internationale Lernmobilität definiert und deren Bedeutung erläutert (Kapitel 2). Anschließend wird betrachtet, wer an interna- tionaler Lernmobilität teilnimmt, und welche Barrieren bestehen (Kapitel 3). Im Fokus stehen hierbei besonders diskursive Barrieren und deren Hintergründe. Das Arbeits- feld der Jugendinformation und speziell die Rolle von Euro- desk als Beratungsstelle zu Lernmobilität werden danach erörtert (Kapitel 4). Durch die Betrachtung des Forschungs- standes zur Nutzung und Wirkung von Jugendinformation werden untergeordnete Forschungsfragen formuliert und Hypothesen abgeleitet, die in der Befragung untersucht werden sollen (Kapitel 5). Die Forschungsfragen und Hypo- thesen werden zusammen mit der Beschreibung des methodischen Vorgehens vorgestellt (Kapitel 6). Nachfol - gend werden die Ergebnisse der Befragung präsentiert (Kapitel 7) und abschließend diskutiert (Kapitel 8). Die Arbeit schließt mit einem Fazit, welches die Forschungs- frage final beantwortet (Kapitel 9).

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KAPITEL 2

Internationale Lernmobilität

2.1 Der Mobilitätsbegriff Bildungsmaßnahmen mit internationalem Bezug werden in Forschung und Praxis durch eine Vielzahl an Begriffen beschrieben, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Viele greifen das Wort „Mobilität“ auf. Gängig sind beispielsweise Bezeichnungen wie „Mobilität zu Lernzwe- cken“, „Jugendmobilität“, „internationaler Jugendaus- tausch“ oder „bildungsbezogene Auslandsaufenthalte“ (Europäische Kommission 2009; Hemming et al. 2019; IJAB, FPD 2021; Weichbrodt 2014b). „Mobilität“ hat sich seit den 2000er Jahren als Oberbegriff für Auslandsaktivitäten im Bildungssektor etabliert. Die Verbreitung des Begriffs wurde maßgeblich durch seine Verwendung auf europäischer Ebene geprägt (Thimmel, Schäfer 2021: 101). So deklarierte die Europäische Kommis- sion 2009 Mobilität zu Lernzwecken als wichtige Maß- nahme zur Verbesserung der beruflichen Chancen junger Menschen sowie zur Steigerung des Humankapitals in Europa (Europäische Kommission 2009). Mobilität wurde somit zu einer Schlüsselkompetenz in der globalisierten Arbeitswelt ernannt. Allerdings wird diese Verortung von Jugendmobilität im ökonomischen Sektor sowohl in der Forschung als auch in der Praxis diskutiert und kritisiert. So würde Bildung auf die Vermittlung von Kompetenzen reduziert werden, die für den Arbeitsmarkt von Nutzen seien, während wichtige emanzipatorische und demokrati- sche Bildungsziele in den Hintergrund rücken (Thimmel, Schäfer 2021: 101-102).

Das Aufwachsen in Deutschland bietet jungen Menschen vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und Freiheit zur indi- viduellen Lebensführung. Gleichzeitig ist dieser Lebensab- schnitt geprägt durch einen immer längeren Bildungs- und Qualifizierungsprozess, der zunehmend komplexe Anfor - derungen mit sich bringt. Diese umfassen auch die Fähig- keit, sich kompetent und verantwortungsvoll in globalge- sellschaftliche Prozesse einzubringen (Hemming et al. 2019; Villányi, Witte 2013). In diesem Zusammenhang gewinnt das Potenzial von Auslandsaufenthalten als Bil- dungs- und Entwicklungsort seit Jahrzehnten an Bedeu- tung. Internationale Lernmobilität umfasst pädagogisch gerahmte Auslandsaufenthalte zu Lernzwecken, die von verschiedenen Akteur*innen und Institutionen gestaltet und gefördert werden (Knoch et al. 2019: 5). Sie ist zu einem wesentlichen Bestandteil der schulischen, berufli - chen und außerschulischen Bildung geworden. Lernmobi- lität gilt als Chance, zu lernen, sich persönlich und beruf- lich weiterzuentwickeln und sich im interkulturellen Aus- tausch globale Perspektiven und Handlungsfähigkeiten anzueignen (IJAB 2016). In diesem Kapitel wird vorgestellt, wie internationale Lern- mobilität in Deutschland etabliert ist und welche Möglich- keiten jungen Menschen offenstehen. Außerdem wird betrachtet, welche Ziele mit der Förderung von Lernmobi- lität verfolgt werden. Zunächst wird jedoch der Mobilitäts- begriff näher beleuchtet, da er in Forschung und Praxis auch kritisch betrachtet wird.

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2.2 Angebote internationaler Lernmobilität

Ein weiterer Kritikpunkt an der Etablierung des Mobilitäts- begriffs ist die Gleichsetzung von Mobilität mit einer indivi - duellen und freien Entscheidung subjektiver Lebensgestal- tung. Migration als Form von Mobilität, die im öffentlichen Diskurs oft als problematisch betrachtet wird, sowie Flucht als Form unfreiwilliger Mobilität bleiben in diesem Begriffs - verständnis von Mobilität ausgeblendet. Die Auslassungen führen dazu, dass der Begriff Mobilität die komplexen Rea - litäten unzureichend erfasst (Dubiski et al. 2016: 303-304). 1 Vor diesem Hintergrund wird in der vorliegenden Arbeit der Begriff „Internationale Lernmobilität“ bevorzugt, um freiwillige internationale Bildungsaktivitäten im Ausland klar von anderen Mobilitätsformen abzugrenzen. Dieser Lernmobilitätsbegriff wird in einem breiten Sinne verstan - den, der neben ökonomischen auch soziale, kulturelle und politische Dimensionen einschließt (vgl. Kapitel 2.3). Auch wenn in dieser Arbeit andere Begrifflichkeiten wie Mobili - tät, Jugendmobilität oder Auslandsaufenthalt verwendet werden, erfolgt dies stets im Rahmen dieses Verständnis - ses. Vor diesem begrifflichen Hintergrund stellt sich die Frage, wie Lernmobilität in der Praxis umgesetzt wird und welche Strukturen in Deutschland existieren. Im Folgenden wird ein Überblick über die vielfältigen Mobilitäts- und Unter- stützungsangebote gegeben, die jungen Menschen in Deutschland zur Verfügung stehen.

Weltweit ist Deutschland eines der Länder, das jungen Menschen umfassende Angebote und Unterstützung im Bereich internationaler Lernmobilität bietet (Müller 2019: 9). Lernmobilitätsprogramme unterscheiden sich hinsicht- lich der Dauer des Aufenthalts im Ausland, ob Einzelperso- nen oder Gruppen teilnehmen und in der Anzahl der betei- ligten Länder. Es gibt außerdem unterschiedliche themati- sche Ausrichtungen und politische Schwerpunkte. 2 Zwar richten sich Lernmobilitätsangebote teilweise auch an Fachkräfte der Jugendarbeit und Jugendbildung, der Groß- teil der Angebote hat jedoch junge Menschen als primäre Zielgruppe (IJAB 2016: 4, 10). Diese Art der Lernmobilität ist auch im Fokus dieser Arbeit. Junge Menschen werden anhand der deutschen und europäischen Förderrichtlinien zu Lernmobilität durch die Altersspanne von 12 bis 30 Jahren definiert (vgl. Becker et al. 2021: 19; Europäische Kommission 2023: 524). In der pädagogischen Fachöffent - lichkeit hat sich beim Thema Lernmobilität eine struktur- bezogene Zweiteilung in den schulischen bzw. formalen und außerschulischen bzw. non-formalen Bildungsbereich etabliert – auch wenn es Formate gibt, die beiden Berei- chen zugeordnet werden können (Becker, Thimmel 2019a: 21). In der formalen Jugendbildung findet internationale Lern - mobilität in Deutschland in drei Kontexten statt: in der Hochschulbildung, der beruflichen Bildung sowie in der schulischen Bildung. So verbringen Studierende beispiels- weise ein Semester an einer ausländischen Universität, Auszubildende absolvieren Teile ihrer Ausbildung als Prak- tikum im Ausland und Schüler*innen nehmen an individuellen oder Gruppen-Schüler*innenaustauschen teil (Youth Wiki o. J.). Jährlich werden durch diese Initiativen zehntausenden jungen Menschen grenzüberschreitende Lernmobilitäten ermöglicht (vgl. Eurydice 2024). Der Zugang zu diesen Programmen ist für junge Menschen jedoch eingeschränkt, da sie bei der Teilnahme auf die Unterstützung der besuchten Institution angewiesen sind.

2 Zusätzlich können Lernmobilitätsmaßnahmen auch im eigenen Wohnland unter Beteiligung internationaler Akteur*innen stattfinden, Online-Aspekte haben oder komplett online stattfinden (vgl. Knoch 2022). Im Rahmen dieser Arbeit ist jedoch die grenzüberschreitende Mobilität im Fokus.

1 Eine ausführliche Übersicht zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Mobilitätsbegriff bieten Dubiski et al. (2016).

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Diese muss zum einen Zeitfenster für eine Lernmobilitäts- teilnahme ermöglichen und zum anderen notwendige Strukturen wie Kooperationen mit ausländischen Einrich- tungen bereitstellen. Jugendliche, deren Schulen, Hoch- schulen oder Betriebe keine oder nur eingeschränkte Mobilitätsangebote anbieten, haben somit klare Hinder- nisse im Zugang zu Lernmobilität (vgl. Borgstedt 2019). Im Gegensatz zum formalen Bildungsbereich sind Lernmo- bilitätsprogramme des non-formalen Bildungskontextes grundsätzlich für alle jungen Menschen zugänglich. Außer- schulische Lernmobilitätsmöglichkeiten werden in Deutschland durch die internationale Jugendarbeit (IJA) umgesetzt. Internationale Jugendarbeit ist in Deutschland ein zentrales Element der Kinder- und Jugendhilfe, das im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII verankert ist (Becker et al. 2021: 16-17). Dabei ist IJA sowohl ein eigenständiges Arbeitsfeld als auch ein Querschnittsbereich innerhalb der Jugend- arbeit, der Aktivitäten aus verschiedenen Bereichen wie Jugendverbänden, außerschulischer Bildung und der offe - nen Jugendarbeit umfasst (Thimmel 2021b: 708). Interna- tionale Jugendarbeit kreiert internationale Formate, die jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder bil- dungsbezogenen Herkunft Zugang zu Bildungs- und Lern- erfahrungen im internationalen Kontext bieten (Becker et al. 2021: 16-17; Thimmel 2021a: 336-337). Zum Kernange- bot der internationalen Jugendarbeit gehören beispiels- weise Jugendbegegnungen, Workcamps und Freiwilligen- dienste. Auch Au-pair- und Work & Travel-Aufenthalte können, je nach pädagogischer Rahmung des einzelnen Angebots, zur IJA zählen (Becker et al. 2021: 20-22). Darü- ber hinaus existieren Schnittstellen zur formalen Bildung durch Angebote des Einzelschüler*innenaustauschs und Sprachkurse, die ebenfalls von Akteur*innen der Jugend- arbeit angeboten werden (Becker, Thimmel 2019a: 21). Eine Übersicht der jungen Menschen in Deutschland zur Verfügung stehenden Mobilitätsmöglichkeiten gibt Abbildung 1. Die Organisation und Durchführung internationaler Lern- mobilitätsangebote ist i. d. R. mit viel Aufwand und hohen Kosten verbunden. Damit schulische und außerschulische Einrichtungen genug Ressourcen für die Bereitstellung von Lernmobilitätsmaßnahmen haben und damit junge Men- schen sich unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Situation

eine Teilnahme leisten können, wird Lernmobilität in Deutschland umfangreich unterstützt und gefördert (IJAB 2016: 14-15). Zentrale Förderstruktur auf Bundesebene ist der Kinder- und Jugendplan (KJP). Das Bundesjugendminis- terium stellt dadurch jährlich mehr als 50 Millionen Euro zur Verfügung, um Jugendmobilität zu fördern (vgl. BMFSFJ 2021). Die Europäische Union fördert internationale Lern- mobilität mit dem Programm Erasmus+ als zentrale Unter- stützungsstruktur jährlich mit über 35 Millionen Euro (JUGEND für Europa o. J.). Daneben gibt es weitere natio- nale und europäische Förderprogramme, private Stiftungen oder private finanzielle Mittel von Organisatio- nen und Einzelpersonen, die Lernmobilitätsmaßnahmen ermöglichen (Becker et al. 2021: 22-23). Internationale Lernmobilitätsangebote zeichnen sich dadurch aus, dass sie von haupt- und ehrenamtlichen Akteur*innen pädagogisch vorbereitet und begleitet werden. Zugleich wird angestrebt, junge Menschen aktiv an der Gestaltung dieser internationalen Erfahrungs- räume zu beteiligen. So soll ihr Engagement gefördert und sichergestellt werden, dass die Angebote an die Interessen und Lebensrealitäten der Teilnehmenden angepasst und somit bedarfsgerecht umgesetzt werden (Becker et al. 2021: 18). Hier ist ein primäres Ziel von Lernmobilität erkenntlich: das Engagement und die Beteiligung junger Menschen zu fördern. Im Folgenden werden die Wirkung und Ziele internationaler Jugendmobilität näher betrach- tet.

2.3 Wirkung und Ziele internationaler Lernmobilität

Internationale Austauschmaßnahmen für junge Menschen entwickelten sich maßgeblich nach dem Zweiten Weltkrieg als Instrument der Völkerverständigung und Versöhnung. Begegnungen junger Menschen sollten Vertrauen und Toleranz zwischen Nationen und Individuen schaffen und somit die politische Annäherung zivilgesellschaftlich unter- stützen (Dubiski et al. 2016: 293). Im Laufe der Jahre haben sich die spezifischen Schwerpunkte von Mobilitätspro - grammen verändert und erweitert. Die Förderung von Jugendmobilität bleibt aber bis heute ein zentrales Anlie- gen politischer Akteure (Becker et al. 2021: 17).

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Abb. 1 Übersicht internationaler Lernmobilitätsmöglichkeiten für junge Menschen in Deutschland 3

KURZZEIT

LANGZEIT

Kurzzeitprogramme im Kontext formaler Bildung organisiert (i. d. R. bis 3 Monate) • berufliche Weiterbildung im Ausland • Klassenfahrt ins Ausland • kurzfristiger Schulaustausch als Gruppe • kurzfristiger Schulaustausch individuell • Praktika: für Auszubildende, für Schüler*innen, für Studierende • Sprachkurs • Summer bzw. Winter School • Ferienfreizeit/Auslandsfahrt (z.B. mit Sport-, Musik-Verein, Verband, Gemeinde etc.) • Gastfamilienaufenthalt • internationale Jugendbegegnung • nicht-geförderter Freiwilligendienst • Reisestipendien: DiscoverEU, Schwarzkopf-Reisestipendium, zis-Reisestipendium • Saison- und Ferienjobs im Ausland • Workcamp • WWOOF Kurzzeitprogramme im Kontext non-formaler Bildung organisiert (i. d. R. bis 3 Monate)

Langzeitprogramme im Kontext formaler Bildung organisiert (i. d. R. ab 4 Monate) • Auslandssemester • gesamte Ausbildung im Ausland • gesamtes Studium im Ausland • Internatsaufenthalt

• langfristiger individueller Schüler*innenaustausch

• Au-pair • fester Arbeitsplatz im Ausland • Geförderte Freiwilligendienste: Europäisches Solidaritätskorps (ESK), Internationaler Jugendfreiwilligen- dienst (IJFD), kulturweit, weltwärts, Deutsch-Französischer Freiwilligen- dienst, FSJ und FÖJ im Ausland • Work & Travel Langzeitprogramme im Kontext non-formaler Bildung organisiert (i. d. R. ab 4 Monate)

3 Die Tabelle hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Quellen: Becker et al. 2021; Becker, Thimmel 2019a; Eurodesk Deutschland 2024b; Eurodesk Deutschland 2024d; Eurodesk Deutschland 2024f; Eurodesk Deutschland 2024g; Eurodesk Deutschland 2024h; Thimmel, Schäfer 2017.

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Auf europäischer Ebene ist seit den 2000er Jahren ein star- kes Interesse an Lernmobilität als bildungs- und arbeits- marktpolitisches Instrument zu beobachten. Als zentrale Ziele von Lernmobilität betont die EU demnach die Steige- rung der Beschäftigungsfähigkeiten junger Menschen sowie die Förderung des europäischen Zusammenhalts (Hemming et al. 2019: 64). In der nationalen Jugendarbeit wird Lernmobilität stattdessen als ganzheitliche Förde- rung junger Menschen betrachtet, die demokratische, sozial- und jugendpolitische Zielsetzungen in den Vorder - grund rückt (Dubiski et al. 2016: 304). Lernmobilität soll demnach in mehrdimensionaler Weise wirken. Gefördert werden schulisches und beruflich orien - tiertes Lernen: Junge Menschen erwerben Sprachkennt- nisse, berufliche Qualifikationen oder sammeln Leistungs - punkte für ihren Hochschulabschluss (Becker et al. 2021: 18; Europäische Kommission 2009). Über formale Lernergebnisse hinaus geht es um non-formale und informelle Lernprozesse, die zu persönlicher Entwicklung in Form von Selbstsicherheit, Identitätsbildung und Ver - trauen in die eigenen Fähigkeiten führen. Zentral ist zudem die Förderung interkultureller Kompetenzen. Junge Men- schen lernen in Lernmobilitätsmaßnahmen, sich auf eine neue Umgebung einzulassen, und Perspektivwechsel werden angeregt (Becker 2016: 319). Die Förderung von Toleranz, gegenseitigem Verständnis und Anerkennen sowie eines nachhaltigen Zusammenlebens ist zentrale Zielsetzung von Lernmobilitätsmaßnahmen (Thimmel 2021a: 338). Wesentlich ist dabei der Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung. Europa und die vernetzte Welt erhalten immer größere politische und lebensweltliche Bedeutung in Deutschland (Gerhards et al. 2014: 7). Lernmobilitäts- maßnahmen ermöglichen Selbstwirksamkeitserlebnisse und machen die globalisierte Welt erfahrbar und versteh- bar (Becker 2019b: 2). Die Auseinandersetzung mit ande- ren Lebenswelten regt junge Menschen dazu an, ihre eigene Herkunft und Sozialisation kritisch zu hinterfragen und gleichzeitig Verständnis und Respekt für andere Kultu - ren zu entwickeln. Pädagogisch begleitete Auslandserfah- rungen schaffen Gelegenheiten, globale Zusammenhänge

zu erkennen und gemeinsame Lösungen für lokale und globale Herausforderungen zu finden. Junge Menschen sollen dadurch verantwortungsbewusstes Handeln lernen und sich als Bürger*innen einer globalen Gesellschaft ver- stehen (IJAB 2016: 6-7). Die Organisation für wirtschaftli- che Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fasst dies als globale Kompetenz zusammen (Roczen, Kater-Wett- städt 2022: 4-5). Wenn junge Menschen in ihrem Handeln bestärkt werden, können sie wichtige Beiträge zu politi- schen Veränderungsprozessen leisten und demokratische Strukturen stärken. Darin erkennbar ist die Bedeutung von Lernmobilität als zentrales Instrument der nationalen Jugendpolitik und auswärtigen Kulturpolitik (Becker et al. 2021: 22-23; Thimmel 2021b: 710-711). Internationale Lernmobilität schafft somit Erfahrungs - räume, die nachhaltig sowohl zur persönlichen, bürger- schaftlichen als auch zur beruflichen Entwicklung beitra - gen. In Anbetracht dessen fasst die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) die Bedeutung von Lern- mobilität als Schlüsselaspekt für die gesellschaftliche Teil- habe junger Menschen zusammen: Die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen ist heute eng verknüpft mit der Befähigung, die globalisierte, internationali- sierte und europäisierte Lebenswirklichkeit mit dem persönli- chen, aber auch mit dem erweiterten politischen und gesell- schaftlichen Umfeld in Einklang zu bringen, sowie die Begrenzt- heit des eigenen Lebensraums zu überschreiten und die sich dadurch eröffnenden Entfaltungsmöglichkeiten nutzen zu können. Grenzüberschreitende Mobilität ist in diesem Sinne gleichbedeutend mit dem Recht auf gesellschaftliche Teilhabe. (AGJ 2010: 4) Lernmobilität ist ein Bildungsraum, zu dem alle jungen Menschen Zugang haben sollten. Ein übergeordnetes Ziel der Akteur*innen von internationaler Lernmobilität ist es dementsprechend, alle interessierten jungen Menschen zu erreichen und ihnen internationale Lernmobilitätserfah- rungen zu ermöglichen (Bruns, Neu 2021: 109). Im nächs- ten Kapitel wird erläutert, inwiefern der Arbeitsbereich dieses Ziel erreicht.

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KAPITEL 3

Die Zugangsperspektive zu internationaler Lernmobilität

3.1 Wer nimmt (nicht) teil? Allen jungen Menschen den Zugang zu internationaler Lernmobilität zu ermöglichen, ist das übergeordnete Ziel internationaler Jugendarbeit und Förderern wie dem Bund und der EU (BMFSFJ 2021; Europäische Kommission 2009). Dass dieses Ziel nicht erreicht wird, sondern bestimmte Gruppen unterrepräsentiert sind, ist seit geraumer Zeit bekannt. So fasste Thimmel 2013 seine Beobachtung zusammen: „Jugendliche und junge Erwachsene aus ‚bil- dungsfernen‘ Milieus, Schüler und Schülerinnen von Haupt- und Realschulen sowie Jugendliche mit Migrations- hintergrund sind selten Teilnehmende an Aktivitäten der internationalen Jugendarbeit.“ (Thimmel 2013: 141). Auch männliche Jugendliche seien im Vergleich zur gesamten Jugend in Deutschland deutlich unterrepräsentiert (Thomas 2010: 24). Gleichberechtigte Zugangschancen wurden in den letzten Jahren zu einem Diskussionsschwer- punkt in Praxis und Forschung. Das bisher größte Forschungsprojekt in diesem Bereich ist die interdisziplinär angelegte sogenannte „Zugangsstu- die“, welche sich umfangreich mit Teilnehmenden, Zugän- gen und Barrieren zu Angeboten der internationalen Jugendarbeit allgemein auseinandersetzt und erstmals einen repräsentativen Überblick über den Zugang junger Menschen zu Lernmobilität in Deutschland erstellte. Neben der Repräsentativbefragung von jungen Menschen aus Deutschland wurden im Rahmen der Studie u. a. Inter- views mit Nicht-Teilnehmenden, Fragebögen bisher unter- repräsentierter junger Menschen sowie Interviews mit Expert*innen ausgewertet (Becker, Thimmel 2019c).

In der deutschsprachigen Forschung hat sich internatio- nale Lernmobilität in den letzten Jahrzehnten als eigen- ständiges Forschungsfeld etabliert, das sowohl praxisrele - vante Studien als auch theoretische Beiträge hervorge- bracht hat (Thimmel 2021a: 336). Ein wichtiger Impuls des Forschungsfelds war lange Zeit die Legitimation der Sinn- haftigkeit von Lernmobilität und dem Arbeitsfeld der inter- nationalen Jugendarbeit. Deswegen stand insbesondere die Wirkungsforschung und Evaluation von internationa- len Programmen im Fokus (Ponte et al. 2021: 347; Hänisch et al. 2021: 11). Die bis heute bedeutendste Studie in diesem Bereich, „Erlebnisse, die verändern“, analysierte aus psychologischer Perspektive die langfristige Wirkung der Teilnahme an Kurzzeitprogrammen, wie Jugendbegeg- nungen, auf die Persönlichkeitsentwicklung. Die Ergeb- nisse belegten vom Arbeitsfeld intendierte Wirkungen und zeigten, dass eine Vielzahl dieser auch zehn Jahre nach der Teilnahmeerfahrung spürbar ist (Thomas 2013). Nachhal- tige positive Effekte wurden insbesondere in selbstbezo - genen Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, -vertrauen und -sicherheit sowie in der Identitätsbildung festgestellt, bei sozialen Kompetenzen und der Offenheit und Flexibili - tät gegenüber ungewohnten Situationen (Thomas, Abt 2021). Weitere Studien belegten, dass ähnliche und weitere individuelle Wirkungsdimensionen auch in anderen For- maten internationaler Lernmobilität zu finden sind (vgl. Abt, Stumpf 2021; Fischer 2021). 1 Diese Studien gaben wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des For- schungsschwerpunkts Internationale Lernmobilität. Denn neben Wirkungsdimensionen gaben Studien ebenfalls einen Einblick, wer überhaupt an internationalen Maßnahmen teilnimmt. So rückten bestehende Zugänge und Barrieren in den Vordergrund der Forschung (Müller 2019: 10). 1 Wirkungsdimensionen von internationaler Lernmobilität sind nicht nur auf die individuelle Ebene beschränkt. Auswirkungen auf Träger und Fachkräfte sowie die gesellschaftliche Wirkungserwartung sind ebenfalls Thema in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex. Einen umfangreichen Überblick gibt der Reader „Internationaler Jugendaustausch wirkt – Forschungsergebnisse und Analysen im Überblick“ (IJAB, FPD 2021).

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In der Repräsentativbefragung der Zugangsstudie wurden 2.380 junge Menschen im Alter von 14 bis 27 zu ihren Erfahrungen mit Lernmobilität befragt (Becker, Thimmel 2019b: 23). Diese belegt, dass zwei Drittel der jungen Men- schen Erfahrungen mit organisierten, pädagogisch gerahmten Auslandsaufenthalten haben. Davon nutzten 57% Angebote im formalen Bildungskontext und 42% Angebote der non-formalen Bildung. Ca. 31 % hatten Erfah - rungen in beiden Bereichen (Borgstedt 2019: 38). Mobili- tätserfahrene waren zum Zeitpunkt der Teilnahme mehr- heitlich 14 bis 17 Jahre alt, identifizierten sich als weiblich (61%), besuchten ein Gymnasium oder studierten. Zusätz - lich hielten sie sich weniger für arm und der Anteil junger Menschen von Eltern mit mindestens einem Hochschulab- schluss war unter Austauscherfahrenen ebenfalls deutlich höher als bei Personen ohne Mobilitätserfahrung. Formal hoch gebildete junge Menschen waren somit deutlich überrepräsentiert. Im Gegensatz dazu nahmen junge Menschen anderer Schulformen – Haupt-, Real- oder Berufsschulen – lediglich ein Viertel der Mobilitätsteilnehmenden ein. Das soziode - mografische Profil der Teilnehmenden zeigt, dass formal niedrig gebildete Menschen sowie männliche Teilneh- mende gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil unterre- präsentiert sind (Borgstedt 2019: 49; Ilg, Dubiski 2019: 126). Becker fasst zusammen: „Mit niedrigerem Bildungs- niveau, schlechterer wirtschaftlicher Situation der Eltern und mit dem Besuch bestimmter Schulformen – beispiels- weise der Haupt- und Förderschule – sinkt die Wahrschein- lichkeit, dass Jugendliche an einem organisierten Aus- landsaufenthalt teilnehmen.“ (Becker 2019b: 8). Dies deckt sich mit den Ergebnissen anderer Studien, die sich mit Teil- nehmenden einzelner Lernmobilitätsformate befassen. Sowohl im langfristigen Schüler*innenaustausch, bei geförderten Freiwilligendiensten als auch bei Jugendbe- gegnungen und Workcamps handelt es sich bei den Teil- nehmenden größtenteils um weibliche Personen von Gym- nasien oder mit Abitur und mit tendenziell höherem sozio- ökonomischem Hintergrund (vgl. Weichbrodt 2014; Fischer 2021; Chang et al. 2013; Thomas 2013).

Gerade Freiwilligendienste, Jugendbegegnungen und Workcamps sind charakteristische Formate der internatio- nalen Jugendarbeit, welche sich an alle jungen Menschen richten sollten und stark gefördert werden, um Teilnah- men unabhängig von der ökonomischen Situation zu ermöglichen. Woran liegt es also, dass bestimmte Grup- pen nicht erreicht werden? Die Zugangsstudie zeigt: An den jungen Menschen selbst liegt es nicht. Die Frage nach dem Interesse an internationaler Lernmobilität ist nicht von Milieuzugehörigkeit abhängig. „Wie die Ergebnisse der Zugangsstudie zeigen, ist das Interesse und die Motivation über alle Lebenswelten und soziodemographischen Merk- male hinweg hoch […].“ (Borgstedt 2019: 61). Die Faktoren, die stattdessen eine Teilnahme verhindern, werden als Nächstes betrachtet. 3.2 Strukturelle Teilnahmebarrieren Die Ergebnisse der Repräsentativbefragung der Zugangs- studie weisen darauf hin, dass die Unterrepräsentation bestimmter Gruppen in internationaler Lernmobilität weniger an individuell-motivationalen Barrieren liegt. Stattdessen verhindern strukturelle und diskursive Barrie- ren Mobilitätsteilnahmen. Strukturelle Barrieren existieren besonders, wenn Mobili - tätsformate nur von bestimmten Institutionen angeboten werden, wie es oft im formalen Bildungsbereich der Fall ist. Da Fördermittel nicht von jungen Menschen selbst, son- dern durch Institutionen beantragt werden müssen, deter- miniert die Wahl der Schule häufig schon, welche Ange - bote ein Individuum erhält und wahrnehmen kann. Auch die Wahl einer Fremdsprache kann zu einem strukturellen Selektionsmechanismus werden. Ein anderes Beispiel sind Auslandssemester, die nur für Studierende möglich sind. So bedeutet die Bekanntheit eines Mobilitätsprogramms nicht, dass auch eine Teilnahmeoption besteht (Becker 2019b: 17; Borgstedt 2019: 66-67). Das ist deswegen von Bedeutung, weil formale Formate bekannter sind als For- mate des non-formalen Bildungsbereichs, wie Kapitel 3.3 zeigen wird.

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