ich die tiefblaue Wasserwand hinaufpaddelte. Das Rauschen des Indi- schen Ozeans verwandelte sich in ein Donnern und nahm John mit, verschlang ihn, zermalmte ihn – oder trieb ihn voran und katapul- tierte ihn ins Glück. Ich blickte der Welle hinterher. Ein brodelndes Weißwasserfeld blieb zurück. … wenn es nicht auf und ab geht, wenn die Linie horizontal über den Monitor läuft, dann schlägt es nicht. Weil da kein Leben ist. Hier und jetzt lag meine Herzfrequenz über dem Ruhepuls. Die vergangenen Tage an der Südküste Javas waren ein Kampf mit meiner Komfortzone. Die Wellen hatten mir Furcht eingeflößt, mich vermöbelt und mir diese unbeschreiblichen Momente geschenkt, für die ich seit 29 Jahren über den Planeten jage. Dazu goldgelber Sand und ein Meer aus saftig grünen Palmen. Ich hatte darüber nachgedacht, die Sache an den Nagel zu hängen. Natürlich Quatsch, aber Indonesien ein paar Monate davor, im Früh- jahr 2022, war nicht zu toppen. Überhaupt, unsere Corona-Weltreise 2021/2022 war Magie. In El Salvador empfingen uns die tanzenden Blitze der Tropengewitter und die Freundlichkeit der Menschen. Es folgten fantastische Sonnenauf- gänge am Lago Maggiore, Weinberge in der Toskana, Pizza in Rom. Große Brandung auf den Azoren. Bei alledem meine erste Reise mit einer Frau und die Transformation vom einsamen Wolf zum Lebens- partner. Bei den Unterkünften musste ich Zugeständnisse machen. Die ganz billigen gingen nicht mehr. Mein Kumpel Markus meinte: »Andi, jetzt kannst du nicht mehr auf einem Strohsack schlafen«, und klopfte mir auf die Schulter. Dafür haben Julia und ich viel gelacht, saßen nebeneinander auf rostigen Ladeflächen, wenn wir durch Mittelamerika getrampt sind, und den Einheimischen zu zweit zu begegnen, öffnete neue Perspekti- ven. Da war noch mehr: Austausch, Neugierde, Verbundenheit.
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