Wild Ride_Andreas Brendt

Die Monate waren wundervoll.

Aber in meinem Kopf spukte eine Idee. Ich wollte nach Indonesien. So schnell es ging. Weil das Land für Touristen geschlossen war. Julia wollte sich nichts erschleichen. Sie war respektvoll, ich sah nur diese unglaubliche Gelegenheit. Die es nie wieder geben würde. Und eines Morgens geschah es. Julia saß auf der Couch und daddelte im Internet. »Indonesien ist offen!« Sie lächelte, ich sah die Sonnenuntergänge, die schiefen Zähne der Straßenverkäufer und all die Wunder dieses Landes in ihren Augen. Sie würde es lieben. Es dauerte keine zehn Minuten, da hatte ich zwei Flüge gebucht und es dauerte keine zwei Stunden, bis Julia merkte: Fake News! Indonesien blieb für Touristen geschlossen. Ich tanzte durch die Bude. Für 220 Euro und einen Haufen Papier- kram konnte man mit einem Business-Visum einreisen. Leere Wellen in Indonesien. Das gab es zuletzt 1950. Wir mussten sieben Tage ins Hotelgefängnis. Das Erdbeben nach vier Tagen im 17. Stock war ein Schock, aber als unsere Tür aufge- schlossen wurde und wir das Hotel verlassen durften, waren wir frei. Unsere Reise begann. Bali wie vor 50 Jahren, Sumbawa zu gut, um wahr zu sein, und als ich Ende März in Banda Aceh in türkisfarbenem Wasser und völlig perfekten Wellen saß, keine Menschenseele weit und breit, da dachte ich: Mit dem Surfen kannst du aufhören. Das hier wird es nie wieder geben. Das ist ein Geschenk vom Universum. Ich labere herum. Unser Reisejahr war die Wucht. Nach den schwierigen Monaten davor, den Rückschlägen, den Auf und Abs war das Leben sanfter geworden. Die Welt war rund. Ich wollte reisen, schreiben, surfen, arbeiten, lieben, tanzen, den Moment genießen. In allem steckte eine Art Magie. Die ersten Ideen für mein viertes Buch entstanden.

9

Made with FlippingBook flipbook maker