Wir flogen nach Mexiko, genossen das Leben aus der Hängematte in einer zuckersüßen Strandhütte, und im Juli kehrten wir zurück. Bereit für alles, was da kommen mochte. Weil mir klar war, dass das Wunder in Indonesien nur noch ein paar Wochen andauern (Anfang April 2023 öffnete Indonesien für Touristen) und dann für immer Geschichte sein würde, bin ich noch mal los. Nach Java. Die Welle hieß Turtles und war double overhead . Jeden Tag. Fünf Surfer hatten sich in den abgelegenen Dschungel verirrt. Der Spot lief von morgens früh bis zum Sonnen- untergang. John paddelte zu mir zurück. Er grinste wie ein Honigkuchen. »Man … you know … this is … aaah«. Ich wusste, was er meinte. Die nächste Welle rollte auf uns zu. »Have fun!«, rief John, ich brachte mich in Position, paddelte los, schaffte den Drop und schoss die blaue Wasserwand entlang. Die Welle wurde hohl, die Lippe wuchtete über meinen Kopf, ich steuer- te mein Board mit Mach 7 durch ein zusammenstürzendes Haus aus Wasser. Ein Rauschen durchfuhr meine Glieder, die Zeit stand still. Ich surfte durch den Tunnel, vor mir der kreisrunde Ausgang zum Greifen nah, als eine kleine Erschütterung mich vom Brett fegte. Die Welle krachte über mir zusammen und riss mich mit. Das gehört dazu. Waschmaschine ist nix dagegen. Aber dann: ein dumpfes Kna- cken und ein stechender Schmerz im linken Knie. Panik schoss durch meine Nieren. Was zur Hölle … Ich tauchte auf, hechelte nach Luft. Das ekelhafte Geräusch im in- neren des Gelenks hallte nach, weitere Wellen schlugen vor mir ein, wirbelten mich umher und warfen mich an den Strand. An Land setzte ich den linken Fuß auf. Wackelig, besorgt, aber ich fühlte nur wenig Schmerz. Vielleicht alles nicht so schlimm? Ich humpelte zu meiner Hütte.
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