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FREITAG, 24.4.2020 99. Jahrgang | Nr. 17

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Schulraum: SBF für zweiten temporären Schulbau auf Hebelmätteli SEITE 2

Landwirtschaft: Lokale Lebensmittelproduktion wird vermehrt geschätz SEITE 3

Störche: Was die eleganten Vögel mit ihrem lauten Klappern alles bezwecken SEITE 9

MUSIKSCHULE RIEHEN Stephan Schmidt über kreativen Fernunterricht, Chancengleichheit, Mundharmonikas und Gitarren «Musik ist Teil von uns selbst»

MEINUNG Ein neues Gefühl

Man hat sich langsam dar- an gewöhnt. Kein Hände- schütteln, keine Küss- chen, keine Umarmung, kein Stehen dicht an dicht in Tram oder Bus. Gesprä-

Morgen Samstag, 25. April, hätte der feierliche Jubiläumsauftakt anläss- lich des 40. Geburtstags der Musik- schule Riehen stattfinden sollen. Auf- grund der Coronavirus-Krise musste der offizielle Festakt mit musikali- scher Umrahmung abgesagt werden. Die zwei weiteren geplanten Höhe- punkte des Jubiläumsprogramms sind die «Fête de la Musique» mit Familienbrunch am 21. Juni und das «Son et Lumière» am 4./5. September, deren Durchführung natürlich eben- fal ls noch fraglich ist. Um den Jubi- läumsauftakt trotzdem zu würdigen, kommt hier Professor Stephan Schmidt zu Wort. Der Direktor der Musik-Akademie Basel, zu der die Musikschule Riehen gehört, und der Hochschule für Musik FHNW hätte morgen im Bürgersaal gesprochen.

che aus zwei Metern Distanz. Oder über Telefon. Die Nähe fehlt. Man erlebt Menschen, die einem nahe sind, anders, wenn man sie nicht mehr berühren darf. «Social Dis- tancing» nennt sich das. Zu unser aller Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Doch was im einen Fall lästig ist, hat im anderen Fall auch seine Vorteile. Keiner mehr, der einem in der Warteschlange fast auf den Schuh steht oder in den Nacken atmet. Man muss nicht jede Sekunde aufpassen, dass einem nicht noch einer rasch vorne reinhuscht. Fertig damit, ständig die falsche Warteschlange zu erwischen. Da es oft nur eine gibt und alle schön Abstand halten, ist allen klar, wer als Nächstes dran kommt. Man gibt acht aufeinander. Plötzlich spricht man mit einem Nachbarn, den man noch nie wahr- genommen hat, weil man sich fragt, ob er gerade Hilfe braucht. Man läuft nicht mehr achtlos ein paar Millimeter aneinander vorbei, streift vielleicht per Zufall jemanden, weil man gerade nicht aufpasst. Nein. Das passiert nicht mehr. Man hat plötzlich Respekt vor dem anderen. Man respektiert Distanz. Und man wartet schon einmal einen Moment länger. Alles braucht seine Zeit, und niemand muss sich dafür entschuldigen. Gut – das Ganze ist aus Angst gebo- ren und hat nicht wirklich etwas mit persönlichem Respekt zu tun. Aber die vorsichtige Distanz zum anderen und der Nerv, länger war- ten zu können, ist für viele doch so etwas wie ein neues Lebensgefühl. Und ich hoffe, dass davon nach Corona etwas übrigbleibt. Nicht, dass ich meine Lieben nicht mehr umarmen möchte. Aber höf- liche Distanz zueinander im Alltag, Respekt vor dem Gegenüber, ganz allgemein mehr Rücksicht und ein zufriedenes Wir-Gefühl, statt eifersüchtige Konkurrenz, das wäre doch etwas, das wir von der Krise in den Alltag hinüberretten könnten.  Rolf Spriessler

Seit 40 Jahren ein Ort der musikalischen Bildung und Inspiration: die Musikschule Riehen.

Foto : zVg

mit ihren Chören singen. Ich bin in der Hohner-Stadt Trossingen grossge- worden und da war das Gruppen­ musizieren mit der Mundharmonika bereits in der Schule gesetzt. Das inte- ressierte mich aber gar nicht, weshalb ich irgendwann sagte: Ich will jetzt lieber Gitarre spielen, wie meine Cou- sins und Onkel. Sie spielten in Bands, ich aber wollte nur klassische Musik «Qualitativ hochstehende Musik ist eine Grundressource.» Stephan Schmidt hören und machen. In unserer Fami- lie gab und gibt es so viele Bands, dass noch nie für ein Familienfest eine fremde Band engagiert werden musste. Und wir diskutieren jedes Mal mit Leidenschaft und auf Augen- höhe über Musik! Ahnten Sie schon damals, dass die Musik einmal Ihr Beruf wird? Nein, aber trotzdem stand es auch nie infrage. Seit ich anfing Gitarre zu spie- len, habe ich mich jede freie Sekunde mit dem Instrument beschäftigt, ich bin völlig drin aufgegangen und nach der Matur fing ich gleich mit demMu- sikstudium an. Ich hatte auch immer wieder das Glück, grosszügige und treue Förderer zu finden – oder sie fan- den mich –, dank derer ich in Paris und New York studieren konnte. Das war sehr wichtig für mich, denn die gute Ausbildung, die ich genoss, hätten meine Eltern nicht finanzieren kön- nen. Wobei wir wieder bei der so wich- tigen Niederschwelligkeit wären. Nie- derschwelligkeit bedeutet weder billig noch qualitativ minderwertig, son- dern es bedeutet, einfachen Zugang zu verschaffen und zu ermöglichen. Morgen hätten Sie im Rahmen des Jubiläumsauftakts eine Festrede ge- halten. Was wollten Sie der Öffent- lichkeit mitgeben? Auf jeden Fall folgende Botschaft: Diese Musikschule ist Ihre Musik- schule, auch wenn ich hier spreche. Die Musik-Akademie Basel ist ledig- lich die Partnerin, die die Organisa- tion sowie die Qualitätssicherung und -entwicklung erleichtert. Die Qualität ermöglicht und erbringt die Musik- schule Riehen und dieser Qualität müssen wir Sorge tragen. Interview: Michèle Faller

prägungen des Gleichen vereint: der umfassenden Musikpraxis und -ver- mittlung. Das eine gibt es nicht ohne das andere und deswegen ist die Mu- sikschule Riehen viel mehr als eine Filiale. Sie ist die Musikschule für die Gemeinde Riehen und gleichzeitig ist sie Teil der Musik-Akademie, die sie aktiv mitbeeinf lusst und von der sie beeinf lusst wird. Es ist ein Geben und Nehmen in der besten Form. Hier in Riehen wird wirklich das gemacht, was die Bevölkerung möch- te. Diese sehnt sich nach guter Musik und auch nach guter Betreuung. Nach einemOrt, wo die Kinder nicht nur ge- hütet werden, sondern etwas für ihre musikalische und persönliche Ent- wicklung tun. Dabei spielt es keine Rolle, obeineprofessionelle Laufbahn angestrebt wird, denn auch Laien möchten und haben Anspruch auf guten, ja bestmöglichen Unterricht. Zudem sind gerade auch Laien sehr gute Musiker. Ich zumBeispiel bin der einzige Berufsmusiker einer grossen Familie mit sagenhaft guten Musi- kern, die jedoch alle Amateure geblie- ben sind. Der Anspruch an guteMusik gilt umfassend und von Anfang an. Musik muss immer gut sein. Sie wer- «Die Musikschule Riehen ist viel mehr als eine Filiale der Musik-Akademie.» Stephan Schmidt den selbst feststellen, dass Ihnen die Qualität und das echte Erlebnis von Musik in jeder Lebenssituation wich- tig ist, auch am Lagerfeuer … Und wenn sie gut ist und gut gemacht wird, erreicht sie uns. Ob klassische Musik, Jazz, Pop oder Volksmusik spielt keine Rolle. Dies sind nur verschiedene Va- rianten desselben und die Qualität muss überall gleich gut sein. Was waren wichtige Ereignisse in den vergangenen vier Jahrzehnten, bisherige Highlights der Musikschule Riehen? Wichtig waren von Anfang an das grosse Engagement aller Beteiligten und die Offenheit und Vielfalt des An­ gebots und des Kursprogramms. Die Musikschule Riehen hat eine grossar- tige Entwicklung durchgemacht, die eigentlich gar keine speziellen Höhe- punkte braucht. Natürlich sind An- lässe wie das «Son et Lumière», das 2003 ins Leben gerufen wurde, Events

im positivsten Sinn, die sehr gut be- sucht und auch für die Gemeinde Riehen von grosser Bedeutung sind. Für die Jubiläumsausgabe, an der alle Abteilungen der Musik-Akademie mit- wirken sollen, steht ja sogar eine Ur- aufführung des Oboenlehrers und KomponistenHansjürgenWäldele auf dem Programm. Doch Highlights finden sich jeden Tag, überall, auch in einer ganz nor- malen Unterrichtsstunde. Das wahre Highlight ist, dass wir in Riehen so eine wunderbare Musikschule haben, die so gut funktioniert! Warum ist es so wichtig, dass Kinder niederschwellig Musikunterricht be- suchen können? Musik umgibt und trägt uns alle durch unser Gehör und unsere Klangerzeu- gung – auch Sprache ist eine Art von Singen. Die Wahrnehmung von Ge- räuschen und Stimmen ist tief in uns – der Klang der menschlichen Stimme ist wohl einer der ersten, die man be- reits als Embryo durch den Bauch der Mutter hört. Kurzum: Musik ist wäh- rend des ganzen Lebens Teil von uns selbst. Und was Teil von uns selbst ist, demmüssen wir grösste Sorge tragen. Ähnlich wie bei der Ernährung oder Bewegung. Und wenn wir es nicht bereits tun, so müssen wir es lernen! Deshalb ist es so wichtig, die vor- hin erwähnte Qualität der Musik zu erkennen, zu spüren und Zugang zu ihr zu finden. Man trommelt nicht nur ein bisschen herum, sondern erlernt damit eine Sprache, geht in eine Kul- tur hinein – ob beim Schlagzeug oder der Basler Trommel. Das Bewusstsein für dieWahrnehmung und Erzeugung derMusik zu schärfen, den sorgsamen Umgang damit, dafür sind wir dann da. Das muss man Kindern ermögli- chen, und zwar allen. Es muss Chan- cengleichheit herrschen und niemand darf ausgeschlossen werden, weder aus finanziellen noch aus sozialen Gründen. Denn qualitativ hochste- hende Musik ist eine Grundressource. Sie haben Karriere als Konzertgitar- rist und als Professor für Gitarre ge- macht. Wann hatten Sie zum ersten Mal Musikunterricht und mochten Sie ihn von Anfang an? Ich begann erst mit zehn Jahren mit dem Gitarrenunterricht, war aber schon als kleines Kind immer vonMu- sik umgeben. Meine Mutter hat jeden Tag gesungen und hat auch heute mit 88 Jahren noch eine sehr schöne und reine Stimme – leider kann sie aus ge- sundheitlichen Gründen nicht mehr

RZ: Wie funktioniert eineMusik-Aka- demie während der ausserordent­ lichen Lage? Stephan Schmidt: Erstaunlich gut! Hier muss ich als Erstes einen grossen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Musikschule Riehen und der ganzen Musik-Akademie aus- sprechen. Wie schnell sie auf Fern­ unterricht umstellen mussten und konnten, zeigt die Kreativität und das immense Engagement der Lehrkräfte. Das macht mich extrem froh und dankbar – und stolz. Wie muss man sich den Fernunter- richt vorstellen? Als eine lebendige Mischung aus Mee- tings über digitale Medien, Aufgaben- stellungen per Post im Briefkasten oder über die sogenannten sozialen Medien, telefonischen Besprechun- gen und Austausch von Videoaufnah- men. Es gibt viele Wege, die sich je nach Fach oder Kind unterscheiden können. Die Lehrpersonen kennen ihre Schülerinnen und Schüler sehr gut und finden daher immer den rich- tigen Weg. Vor 40 Jahren wurde die Musikschule Riehen gegründet und seither spielt sie eine wichtige Rolle für die Ge- meinde. Hat sie auch eine Bedeu- tung für ihre «Mutter», die Musik- Akademie? Das ist eine zentrale Frage, die mit dem Verhältnis einer Musikschule für die breite Bevölkerung – also die Mu- sikschulen in Riehen und Basel – zur Berufsausbildung an der Hochschule für Musik zusammenhängt. Denn hier muss betont werden, dass die Musik-Akademie in ihrer Kernauf- gabe Breite und Exzellenz als unter- schiedliche und untrennbare Aus- Stephan Schmidt, Direktor der Musik- Akademie Basel und der Hochschule für Musik FHNW. Foto: Heike Liss

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