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AZA 4125 Riehen 1

13. JANUAR 2017

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

96. Jahrgang | Nr. 2

Redaktion und Inserate: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehener-zeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

Infoanlässe: Erhöhung des Eigenmietwerts erhitzt Gemüter SEITE 2

Jubiläum: Die SMEH feierte mit Neujahrskonzert ihr 20-jähriges Bestehen SEITE 5

Verkehr: Die Aeussere Baselstrasse ist nur noch einspurig befahrbar SEITE 7

Favoritensieg: Eltaj Safarli gewann in Riehen das Schachfestival Basel SEITE 12

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VOLKSSCHULEN Die Gemeinde Riehen hat ihre Schulhäuser bezahlt und ist neu Besitzerin ihrer Primarschulhäuser Riehen hat den Schulhaus-Schlüssel übernommen

MEINUNG Weitsicht

Es ist nicht immer alles

Seit Anfang Januar ist die Gemeinde Riehen Besitzerin ihrer Primarschulhäuser – was am vergangenen Montag mit einem kleinen Festakt beim Schulhaus Erlen- strässchen gefeiert wurde. Er kameinenMoment zu spät und ent- schuldigte sich bei den wartenden Schulkindern und Gemeindeverant- wortlichen schuldbewusst. «Dabei habe ich nicht einmal eine Entschul- digung – ich bin einfach zu spät losge- fahren», sagte Regierungsrat Chris- toph Eymann erfrischend offen. Und nahm sich nach der kleinen Feier zur Übergabe der Schulhäuser vom Kan- ton an die Gemeinde die Zeit, mit ei- nem interessierten Schüler ein länge- resGesprächzu führen.DieGemeinde wurde vertreten durch Bildungsdi- rektorin Silvia Schweizer, Finanzmi- nister Christoph Bürgenmeier und AbteilungsleiterinUrsulaMeyerhofer. Als Gastgeberin wirkte Schulhauslei- terin Ruth Flück, die einen kleinen Apéro vorbereitet hatte. In ihrer kurzen Ansprache blickte Silvia Schweizer auch auf die Ge- schichte der Riehener Schulen zurück. Bereits 1538 sei erstmals in Riehen ein Lehrer namentlich erwähnt wor- den. Und gerade der Schulstandort Erlensträsschen, der Ort der offiziel- len Schlüsselübergabe, habe für die Riehener Schulgeschichte eine grosse historische Bedeutung. Im Jahr 1630 nämlich habe Balthasar Fuchs sein Haus an der damaligen Ochsengasse – mit heutiger Adresse Erlensträss- chen 6 – an die Gemeinde verkauft. Dies ausdrücklich, damit es für die Schule genutzt werde. ImLauf der Zeit habe es zwar mehrere Um- und Neu- bauten gegeben, aber immer sei das Gebäude seither als Schule gebraucht worden. Im Jahr 1841 wurde an der Bahn- hofstrasse 1 ein neues Schulhaus ein- geweiht. Schon 22 Jahre später gab die Gemeinde jenes Schulhaus allerdings Rolf Spriessler-Brander Ein Blick auf die Schulgeschichte

rund gelaufen, als der Kanton Besitzer der Riehener Schulhäuser war und damit auch verant- wortlich dafür, wie viel Platz die Schule zur

Verfügung hatte und wie, wo und wie gross gebaut wurde. Das Schul- haus Hinter Gärten war von Anfang an zu knapp dimensioniert, und dass die dortige Doppelturnhalle zu klein für ein Handballfeld oder Unihockey-Grossfeld ist, ist ein Ärgernis. Immerhin: Die Sanierung des Hebelschulhauses mit der neuen Aula darf als gelungen gelten. Mehr als ein Schönheitsfehler ist, dass der Kanton am Standort Niederholz für die Brückenangebo- te festhält und das alte Niederholz- schulhaus nicht konsequenterweise auch an Riehen übergibt. Zumal sich der Kanton standhaft gewei- gert hat, in Riehen einen eigenen Sekundarschulstandort auf- zubauen. Seis drum. Nun ist die Gemeinde Riehen selber verantwortlich dafür, wie sie künftig ihre Primarschul- standorte, zu denen auch die Kin- dergärten gehören, gestaltet, pflegt, ausstattet und wenn nötig auch neu baut. Wenn ich nun aber beobachte, wie beim geplanten Neubau des Kin- dergartens am Siegwaldweg plötz- lich Wohnungen über einem Kin- dergarten gebaut werden sollen – mit beträchtlichem Konflikt- potential und auch mit dem Risiko, bei plötzlichem Platzmehrbedarf nicht reagieren zu können –, kom- me ich ins Grübeln. Ist es wirklich schlau, Wohnraumbedarf und Schulraumbedarf zu mischen? Und was heisst das für zukünftige Schulhausprojekte? Muss man künftig mit teilbewohnten Schul- häusern rechnen, mit Bewohnern, die sich am Pausenlärm stören und den gemeinsamen Schulgar- ten für private Grillfeste nutzen wollen? Mit dem Kauf der Primarschulhäu- ser hat die Gemeinde eine grosse Verantwortung übernommen. Und ich hoffe, dass sie bei der Schul- raumplanung künftig etwas mehr Weitsicht zeigt als sie der Kanton in mancherlei Hinsicht bisher gezeigt hat. Rolf Spriessler-Brander

Der Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann (links) gibt den symbolischen Schlüssel für die Riehener Schul- häuser an die Riehener Gemeinderatsmitglieder Silvia Schweizer und Christoph Bürgenmeier weiter.

Finanz- und Lastenausgleich Die Gemeinde Riehen sieht im Kauf der Schulen nicht zuletzt eine Stärkung derGemeindeautonomie. DasGeschäft ist Bestandteil des neuen Finanz- und Lastenausgleichs mit dem Kanton, der auch eine Verschiebung des Steuer- schlüssels zugunsten der Gemeinde zur Folge hatte, umdie neuenAufgaben finanzieren zu können. Als Kaufpreis für die fünf Riehener Primarschul- häuser – Erlensträsschen, Burgstrasse, Niederholz/Hebel, Wasserstelzen und Hinter Gärten – wurde ein Betrag von 62,767 Millionen Franken vereinbart. Nicht an die Gemeinde übergegangen ist das alte Niederholzschulhaus längs der Niederholzstrasse, das vomKanton auch künftig für die Brückenangebote genutzt werden soll. Die Gemeindever- antwortlichen hatten sich um die Übernahme auch dieses Schulgebäu- des bemüht, weil eine Erhöhung des Schulraumbedarfs im Niederholz- quartier angesichts laufender Baupro- jekte absehbar ist. Auch Bettingen wird sein Primar- schulhaus vom Kanton erwerben. Dies geschieht aber erst, wenn die ge- plante Sanierung und Erweiterung der Bettinger Schule abgeschlossen ist, was vermutlich auf Beginn des Schuljahres 2019/20 der Fall seinwird. «Gemeinde näher bei den Leuten» Regierungsrat Christoph Eymann lobte die Sorgfalt, mit der Riehen seit Jahren seine Kindergärten und inzwi- schen auch seine Primarschulen füh- re. Dass die Schule bei der Gemeinde sei, sei sinnvoll, denn dort sei man nä- her bei den Leuten, was für eine Schu- le besonders Sinn mache. Zur Feier des Tages sang die Pri- marschulklasse 4a von Klassenlehrer Sandro Macchi unter der Leitung von Musiklehrerin Ann-Kathrin Martin das Erlensträsschen-Schulhauslied, gefolgt von einem besonderen Dank von Gemeinderat Christoph Bürgen- meier. Er sei lange im Erlensträsschen zur Schule gegangen, aber dieses Schulhauslied habe er zumerstenMal gehört. Dafür danke er den Schülerin- nen und Schülern herzlich. Und auch er habe es so empfunden, wie es im Lied heisse: man lerne viel und die Pausen seien etwas von Schönsten.

wieder auf, weil der Eisenbahnbetrieb den Unterricht störte. Dafür wurde das Rüdinsche Landhaus am Erlen- strässchen 10, heute Sitz der Leitung Gemeindeschulen, als neues Schul- haus bezogen. Aus finanziellen Gründen gingen die Riehener und Bettinger Schulen 1891 an den Kanton über. Erst seit 2009 führen Riehen und Bettingen ihre Schulen wieder selbst. Und seit Anfang Jahr besitzt die Gemeinde Riehen nun ihre Schulhäuser wieder selbst. Der entsprechende Kaufpreis sei, wie von Regierungsrätin Eva Herzog gewünscht, am 2. Januar an den Kanton überwiesen worden, wie der Riehener Finanzdirektor Gemein- derat Christoph Bürgenmeier nicht ohne Stolz bemerkte. Als Finanzchef ist nun er der politische Verantwort- liche für die Schulhäuser, weshalb Silvia Schweizer den Schlüssel, den sie von Regierungsrat Christoph Eymann erhalten hatte, umgehend an ihren Gemeinderatskollegen weiterreichte.

Silvia Schweizer ist für den Schulbe- trieb an sich zuständig. «Die Schulareale aufwerten» «Dass wir heute nicht nur für Organisation und Betrieb, sondern als Eigentümer der Liegenschaften auch für die Infrastruktur der Schulen verantwortlich sind, war ein langer Weg», erläuterte Silvia Schweizer. Und fügte an: «Weil die Schule nicht nur Lernort, sondern auch Lebensort sein soll, möchten wir in Zukunft die Schulareale mit Potenzial aufwerten und die Schulräumlichkeiten ver- mehrt auch für ausserschulische Nut- zungen öffnen. Denn ich bin über- zeugt davon, dass die Ausstattung und Atmosphäre einer Bildungsein- richtung eine wichtige Vorausset- zung für die Vermittlung von Bildung und Zukunftswissen ist. Somit ist der heutige Tag nicht nur ein guter Tag für die Schule, sondern auch ein guter Tag für die Zukunft unserer Gemeinde.»

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Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4a von Klassenlehrer Sandro Macchi am Schulhaus Erlensträsschen singen das Schulhauslied – am Akkordeon begleitet von Musiklehrerin Ann-Kathrin Martin. Fotos: Rolf Spriessler-Brander

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