Schauanlage in Schiltern
An das Brauchtum in Österreich erinnern beispielsweise die Heurigenjause im Freien (links) und ein Fest auf der Burgruine (rechts); bemerkenswert an beiden Szenen sind die eingebauten Lichteffekte und einige Actionszenen mit Bewegung Wolfgang Bdinka (7)
Unterkunftsbaracken und ein Übungsgelände dargestellt. Natürlich tummelt sich hier aller- hand militärisches Gerät, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Doch Garhofer hat eine plausible Erklärung für diese Szenerie: „Damit möchten wir unser regionales Militär würdigen, weil wir in unserer Gegend schon mehrfach vom Hochwasser betroffen waren und uns mit Mit- teln und Maßnahmen des Bundesheeres gehol- fen wurde.“ Anschließend wird es bergig, geht’s ins Alpenvorland. Hier verkehrt die bekannte Mariazeller-Schmalspurbahn, wobei sogar der moderne Aussichtstriebzug „Himmelstreppe“ unterwegs ist. Geografisch nicht ganz korrekt ist hier auf einer Anhöhe die Burgruine Dürnstein aufgebaut, die im Original in der Wachau liegt. Die Strecke steigt nun zur Überwindung des Semmering an. Sehr schön ist der imposante Kalte-Rinne-Viadukt nachgebaut. Dahinter ragt die Polleroswand als eindrucksvolles Felsmassiv empor. Nach Befahren dieses Streckenab- schnitts geht es über mehrstöckige Gleiswen- deln zur Verbindungsbrücke, die den Gang über- spannt. Der Fels wurde hier stellenweise auf- geschnitten, um den dahinter rollenden Zug- betrieb im „Schattenreich“ beobachten zu können. So gelangen die Züge wieder auf die andere Gangseite, wo es über weitere versteck- te Gleiswendeln wieder talwärts geht. Darüber wurde der Schneeberg als wichtigster Haus- berg der Wiener aufgebaut. Dort hinauf rollen die originalgetreuen Zahnradbahnzüge. Nach Verlassen des Tunnels geht es durchs Kamptal, wo die Kellergasse Kotzendorf bei Gars als Aneinanderreihung traditioneller Weinkeller nachgebildet wurde. Kurz darauf wird wieder der Hauptbahnhof St. Pölten erreicht, womit sich der Kreis schließt. Betriebliche Besonderheiten Auffallend ist die vorbildgerechte Streckenfüh- rung mit lang gezogenen Kurven. Die elektrische Fahrleitung ist momentan nicht über allen Tras- senteilen installiert, denn gefahren wird noch mit eingezogenen Dachstromabnehmern auf den Elloks. Betrieben werden fast alle Maschi-
Daten & Fakten Eröffnung
2016
Ausstellungsfläche
300 m² H0/H0e 3.800 m
Nenngrößen
Gesamtgleislänge
Weichen
460
Züge (im Einsatz) 80 (65) Bahnhöfe/Schattenbahnhöfe 6/6
Die mit zwölf Bildschirmen aus- gestattete Befehlszentrale der H0- Schauanlage Schiltern (unten) und der Mann hinter den Kulissen: Anla- gen-Chef Andreas Garhofer (links)
Garnituren zusammengestellt. Einige Loks haben bereits mehr als 10.000 Kilometer auf den Rädern – und zwar keine Modellkilometer! Speziell die Taurus-Elloks von Piko erwiesen sich bislang als besonders strapazierfähig. Das kann man andererseits von den ursprünglich verleg- ten Gleisen nicht behaupten. Die Schienenpro- file waren nach längerer Einsatzzeit stellenweise derart abgefahren, dass neue Gleise verlegt werden mussten. Wolfgang Bdinka
nen mit zugeschaltetem Sound, was auf Groß- anlagen eher die Ausnahme ist. Eine ausgeklü- gelte Digitalsteuerung bildet die Grundlage des Betriebes, der von einem Kommandostand mit zwölf Bildschirmen überwacht und beeinflusst wird. Dabei sind nicht nur die Züge rollend un- terwegs, sondern auch verschiedene Kraftfahr- zeuge mittels „FALLER Car System“. Besonderen Wert legt der Anlagenbetreiber auf die Zugbil- dung: Streng nach Vorbildvorlagen werden die
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eisenbahn magazin 9/2025
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