Auto Classic

HISTORIE | Mercedes-Benz Kleinwagen der Vorkriegszeit

lichen, bequem ausgestatteten Wagen mit gu- ten Fahreigenschaften zu wesentlich billige- ren Preisen früher oder später erfüllen würde. Zweitens hatten wir dann doch die Befürch- tung, dass die Gesamtkonjunktur eventuell schrumpfen und die Tendenz zu billigen Wa- gen sich weiter fortsetzen würde. Für den Fall, dass diese Umstände eintre- ten sollten, war es umso wichtiger, eine Wa- genklasse zu haben, welche dem größeren Teil der Käufer Rechnung tragen konnte. Die Frage des Kleinwagens war deshalb dringend. Und der Wagen war fertig. Zum Preis von 3.000 Mark, wie Sie sich vorgenommen hatten? KISSEL: Leider nicht. Mit 20 bis 22 Prozent Rabatt lag er bei 3.500 Mark. Wir konnten an- fangs trotzdem mit einem Gewinn von fünf Prozent rechnen, der sich später auf zehn Prozent erhöhen sollte. Immerhin waren die Der Typ 150 wirkte wie ein verkleinerter Rennwagen durch das Wespenheck und die fast vollverkleideten Hinterräder

Unser kleines Auto mit Heckmotor erfüllte alle diese Vorgaben. Ich habe übrigens sogar für einen noch billigeren Kleinwagen votiert, denn die Menschen wurden immer mehr ni- velliert und die Spitzeneinkommen beschnit- ten. Kollege von Hentig (Anm. d. Red.: Wolf- gang von Hentig, Vorstandsmitglied) gab stets zu bedenken, dass die Masse einen Volkswa- gen suche, und unser 1,3-Liter sei keinesfalls so ein Volkswagen. Volkswagen? Da waren Sie aber früh dran. Der wurde bei VW erst 1939 in Serie gebaut. KISSEL: Stimmt. Aber Hitler dachte an eine ganz einfache Konstruktion für 990 Reichs- mark. Das war für einen einzelnen Hersteller gar nicht zu machen. Die einzige Konstruk- tion in diesem Sinne war der kleine Opel. Also blieben Sie erst mal beim 1,3-Liter-Modell. KISSEL: Mehr noch: Ich plädierte dafür, den

Die Kunden wollten ein Auto, das billig und wirtschaftlich sein sollte.

Fahreigenschaften des 1,3-Liter-Autos bes- ser als die des 1,7-Liter-Frontmotorwagens – dank des besseren Federungskomforts und, wegen fehlender Kardanwelle, dank des güns- tigeren Gewichts. Wie Kollege Nibel immer gern ausführte, wollten die Kunden zu diesem Zeitpunkt auch unbedingt ein Auto, das mög- lichst billig und wirtschaftlich war, möglichst wenig Brennstoff verbrauchte und möglichst viele Personen transportieren konnte.

Der Typ 150 Roadster war als Mittelmotor- wagen konzipiert; der 1,5-Liter leistete 55 PS und schaffte 125 km/h Topspeed

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