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WINTERGÄSTE Auftakt in der Reithalle Wenkenhof mit Yasmina Rezas «Glücklich die Glücklichen»

Wenn Literatur direkt zum Publikum spricht In der gut gefüllten Reithalle Wenkenhof fand am vergan- genen Sonntag die Auftakt- veranstaltung der diesjähri- gen «Wintergäste» statt, mit der szenischen Lesung eines Buches von Yasmina Reza.

Rolf Spriessler

«Wir kümmern uns um Literatur. Und wir wollen die Texte direkt zum Publi- kum sprechen lassen», sagte Maria Iselin, Präsidentin des Vereins Winter- gäste, zur Saisoneröffnung am vergan- genen Sonntag in der mit über zwei- hundert Gästen gut gefüllten Reithalle Wenkenhof. Philosophie der Veran- staltungsreihe sei es, das Publikum ganz ungefiltert und ohne vorausge- nommeneDeutungsabsichtmit ausge- wählten literarischen Texten zu kon- frontieren. «Den Rest machen Sie!», so Iselin lustvoll-herausfordernd, denn jede und jeder höre eine Geschichte persönlich anders. Rückkehr ins Baselbiet Iselin streifte kurz dieTurbulenzen, zu der der Ausstieg eines bisherigen Spielorts geführt hatte, und freute sich über zwei neue Spielorte, das Dreilän- dermuseum in Lörrach und das Kunst- haus Baselland inMuttenz. Mit beiden Spielorten werde der grenzüberschrei- tende Gedanke der Veranstaltungsrei- he dokumentiert. Und mit dem Spiel- ort imBaselbiet gehemanquasi zurück zu den Wurzeln – was sie nicht zuletzt als eine Hommage an Niggi Ullrich verstehe, auf dessen Initiative 1988 auf dem Schloss Ebenrain erstmals die «Wintergäste» über die Bühne gegan- gen waren. Das Format der «Wintergäste» ist ein spezielles. Nicht ein oft imRahmen einer Inszenierung bearbeiteter Text im Ensemble auf der Bühne wie im Theater, nicht lineares Vorlesen aus dem Buch wie bei der Autorenlesung – nein, bei den Wintergästen wählt eine Dramaturgin Originalpassagen eines Buches aus, setzt sie in die passende Reihenfolge und lässt sie durchmehre- re Schauspielerinnen und Schauspie- ler sprechen, die verschiedene Charak- tere aus dem Buch verkörpern. Halb Hörspiel, halb Theater also. Allfällige Rollenwechsel der Sprechenden mani- festieren sich inminimalistisch ausge- wählten Kleidungsstücken und Requi- siten. Figuren laufen aneinander vorbei, wechseln den Stuhl auf der kühn in den Raum greifenden Bühne. 20% Auf alle Artikel Alle Filialen Reklameteil Gültig auch auf Hemdenabos

Romanfiguren authentisch zum Sprechen gebracht: Marie Jung als Odile, Mario Fuchs als Robert, Doris Wolters als Jeannette und Urs Bihler als Ernest.

Von der Bagatelle zur Katastrophe

Existenzielle Fragen Schnitt. Ernest Blot (Urs Bihler), macht sich in seinemMonolog über den 25 Jahre jüngeren, soeben von seiner Frau verlassenen Darius lustig, denn dieser enerviert sich darüber, dass sich seine Frau einen Liebhaber genommen hat, nachdem er mit grosser Selbstver- ständlichkeit über Jahrzehnte selbst fremdgegangen war. «Nur weil man ab und zu Lust auf frische Luft hat, hat man doch auch Lust, nach Hause zu kommen», empört sich Darius und meint das auch noch ernst, worauf Er- nest erwidert: «Weisst Du, wie alt Anita ist? Neunundvierzig.» Wie Ernests Frau – und Odiles Mut- ter – Jeannette (Doris Wolters) ihre Kleideranprobe imKaufhaus schildert, als sie von ihrer Tochter zum Kauf von passenden Klamotten genötigt wird, ist ebenso amüsant wie entlarvend. Dann lässt Doris Wolters die eine Schwägerin die andere dazu überreden, sich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder an das Steuer eines Autos zu setzen. Das geht – wenig überraschend – in die Ho- se und als die Unglücksfahrerin kaum weiss, wie sie sich entschuldigen soll, meint die Hobby-Fahrlehrerin lapidar, sie habe von Anfang an gewusst, dass die Fahrt in jener Schranke enden wür- de. Die Szene ist umwerfend lustig wie bodenlos skurril. Als der 73-jährige, krebskranke Er- nest seiner Frau eröffnet, er wolle nicht bis in alle Ewigkeit mit ihr imFamilien- grab vereinigt sein, sondern seine Asche in einem Fluss verstreut wissen, wird es nicht nur philosophisch, son- dern auch essenziell, denn damit ent- zieht er seiner Frau deren ganzes

Wie gut das funktioniert und wie spannend und vergnüglich das sein kann, zeigte die szenische Lesung von Yasmina Rezas Buch «Glücklich die Glücklichen», die von der Dramaturgin Marion Schmidt-Kumke arrangiert und von zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspielern mit grosser Klasse, viel Einfühlungsvermögen und hinter- gründigem Humor gesprochen wurde. Es begann mit einemMonolog des jun- genFamilienvaters Robert (gesprochen von Mario Fuchs), der sich über den Inhalt des Einkaufswagens ärgert, den seine Frau Odile (Marie Jung) mit aller- lei Süssigkeiten für die beiden Söhne überfüllt hat, während Robert in der überlangen Käseschlange festgesteckt hat, worauf er – aus Sicht Odiles – den falschen Käse ausgewählt und den ob- ligaten Schweizer links liegen gelassen hat. Und schwupps breitet sich eine gan- ze Familiengeschichte aus, kommt die Schwiegermutter ins Spiel, die an Ro- berts Lieblingskäse beinahe erstickt wäre. Die Art und Weise, wie Robert zu seiner Frau – zweimal und in passen- demTon, wie er bemerkt – «Entschuldi- ge» sagt, grenzt an eine Kriegserklä- rung. Es folgt der Kampf um den Autoschlüssel, den Robert seiner Frau vor den Augen einer aufdringlichen Be- obachterin zu entreissen versucht, und die dann doch noch gemeinsame, feindselig-wortlose Heimfahrt im Au- to. Und der Kampf ums Bett. Während er in Ruhe – und imDunkeln – schlafen will, macht sie es sich – bei Nachttisch- licht – gemütlich zum Lesen.

Wintergäste-Vereinspräsidentin Maria Iselin begrüsst die Gäste in der Reithalle Wenkenhof zur ersten Veranstaltung des neuen Jahrgangs.  Fotos: Philippe Jaquet

Nochmals zuGast inRiehen sinddie Wintergäste am Sonntag, 26. Januar, wenn um 11 Uhr im Lüschersaal der Alten Kanzlei Jean Cocteaus «Thomas der Schwindler» gegeben wird (glei- chentags wiederholt um 16.30 Uhr im Kunsthaus Baselland in Muttenz). Schliesslich folgen noch David Foster Wallace: «Schrecklich amü- sant – aber in Zukunft ohne mich» (Sonntag, 2. Februar, um 11 Uhr im Ackermannshof Basel und um 16.30 Uhr im Kunsthaus Baselland Mut- tenz) und Peter Handke: «Kali – eine Vorwintergeschichte» (Sonntag, 9. Fe- bruar, um 11.15 Uhr im Dreiländer- museum Lörrach und um 16.30 Uhr im Ackermannshof Basel).

Selbstverständnis. Undals Ernest dann noch stirbt, worauf die Tragweite sei- nes letzten Willens deutlich wird, kommt eine tragische Dimension hin- zu. Ein perfekter Auftakt Der Sonntagmorgen in der Reithalle Wenkenhof war ein perfekter Auftakt der diesjährigen Wintergäste-Reihe, die aus fünf Produktionen besteht, die bis auf die Eröffnungsveranstaltung je- weils zweimal gezeigt werden. Als nächstes folgt diesen Sonntag, 19. Janu- ar, Irmgard Keuns «Das kunstseidene Mädchen», gespielt um 11.15 Uhr im Dreiländermuseum Lörrach und um 16.30 Uhr im Ackermannshof Basel.

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Dr. med. Eva Biland

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