RZ_KW28_2017

AZA 4125 Riehen 1

freitag, 14. Juli 2017

Riehener Zeitung DI E WOCHENZE I TUNG FÜR R I EHEN UND BETT INGEN

96. Jahrgang | Nr. 28

Redaktion und Inserate: Riehener Zeitung AG Schopfgässchen 8 , Postfach 198 , 4125 Riehen 1 Telefon 061 645 10 00 , Fax 061 645 10 10 www.riehenerzeitung.ch Erscheint jeden Freitag Preis: Fr. 2.– , Abo Fr. 80.– jährlich

Volksanregung: Anwohner wollen Bäume auf dem Humanitas-Areal schützen Seite 2

Sommerlager: Abenteuer im Königreich für die Rheinbund-Wölfe Seite 2

Weltcup: Mountainbikerin Katrin Leumann biss sich in Lenzerheide durch Seite 3

Legospass: Kinder bauten in der Kornfeldkirche eine grosse bunte Stadt Seite 3

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Bäumlihofgut Das Anwesen von J. Rudolf und Elizabeth Geigy steht nach vier Jahren immer noch zum Verkauf

Landgut-Idylle sucht weiterhin neuen Besitzer

Das 3,2 Hektaren grosse Riehener Anwesen «Zu den Hirzen» kostet seit Mai weniger als die Hälfte als vor vier Jahren. Doch 17,5 Millionen Franken muss man immer noch dafür aufwenden. Vom Glaspavillon aus blickt man auf die Villa mit dem schmucken Turm. Der Weg durch den Park führt an Gewürzgärtchen und einer Venus­ skulptur vorbei zu einem prächtigen Brunnen mit PuttiSkulpturen und schliesslich einem Seerosenteich mit Schilf und einer malerischen Trauer­ weide imHintergrund. Nach einmali­ gem Umkreisen der Villa betreten wir sie – durch den Bediensteteneingang. Dieser führt direkt in die moderne Küche, die in ihrer Grösse daran erin­ nert, wie hier einst Gesellschaften bekocht wurden. Oben am kunstvoll geschwungenen Treppenhaus fliegt ein gemalter Storch. Auf kunstvollen Parkettböden gehen wir durch die vielen Zimmer mit den Stuckaturen an den Decken und jeder Blick aus je­ dem Fenster ist wie ein Bild. Andere Häuser sind nur ganz klein von Wei­ tem zu sehen und zu hören ist – prak­ tisch nichts. «Eine Perle zwischen Riehen und Basel», unterbricht je­ mand plötzlich die Stille. Es ist der Makler, der für den Verkauf des Land­ guts zuständig ist. Von 39 Millionen auf 17,5 Bereits vor vier Jahren war es ein Thema: Der westliche Teil des Bäumli­ hofguts, wegen dem einstigen Hirsch­ gehege «ZudenHirzen» genannt, stand neu zum Verkauf. Die Preisvorstellung für das 3,2 Hektaren grosse Grund­ stück, zu dem die 1892 gebaute Villa, das Gärtnerhaus, der Hirzen Pavillon und die umliegende Parkanlage sowie rund 16’600 Quadratmeter Landwirt­ schaftsland gehören, belief sich auf 39 Millionen Franken. Nun wurden die Karten nochmals neu gemischt und das Ganze ist für 17,5 Millionen zu haben – für die 1,6 Hektaren Landwirt­ schaftsland müssten noch 200’000 Franken draufgelegt werden, wie auf der Internetseite der Immobilienmak­ ler Fine Swiss Properties nachzulesen ist. Dieses wird momentan als Grün­ fläche rund um das Anwesen bezie­ hungsweise zwischen Anwesen und Blumenfeld von Landwirt Thomas Kyburz bewirtschaftet. Michèle Faller

Das Anwesen «Zu den Hirzen» mit Villa, Gärtnerhaus und Veranstaltungspavillon mit Schwimmbecken im Hintergrund. Rechts ein Blick aus der Villa.

einen geeigneten Standort für ein Palliativzentrum für mehrere Gene­ rationen von Kindern bis zu Betagten sucht. «Es ist ein schöner Ort in Stadt­ nähe, was ganz meiner Meinung ent­ sprochen hätte, nämlich dass unser Thema zurück in die Gesellschaft muss», sagt Henri Gassler, Direktor des Palliativzentrums Hildegard. Doch der Preis sei für ein Spital, das dank einer Stiftung lebt, halt zu hoch, auch wenn er sich nun um mehr als die Hälfte halbiert habe. «Aber träu­ men kann man ja!» Vor vier Jahren stellte der damali­ ge Gemeindepräsident Willi Fischer noch klar, dass die Gemeinde Riehen so ein Anwesen unmöglich kaufen könne. «Im Moment ist dies nicht auf der Agenda», sagt heute Ge­ meindepräsident Hansjörg Wilde. «Mit den Wettsteinhäusern und der Reithalle des Wenkenhofs mitsamt Landschaftspark haben wir bereits repräsentative Gebäude. Das Gelän­ de ist ja auch in den Möglichkeiten der Entwicklung eingeschränkt, wes­ halb es wohl eher für eine Institution oder einen Liebhaber interessant ist.» Sich in einen solchen Ort zu verlieben, dürfte in Erinnerung an den Augen­ schein vor Ort jedenfalls kein Problem sein.

Pavillon rufe förmlich nach einer öffentlichen oder halböffentlichen Nutzung. Deshalb sehe er das Land­ gut weniger als privaten Wohnsitz denn als FirmenRetreat – mit ver­ schiedenen ortsansässigen Firmen seien sie bereits im Gespräch. «Es ist ein inspirierender Ort, wo man in idyllischer Natur neuen Gedanken nachgehen könnte», erklärt der Im­ mobilienexperte. Er sei zu Fuss, mit dem Velo oder dem Tram erreichbar und der Pavillon nicht nur für Prä­ sentationen und Gruppenarbeiten zu nutzen: «Wenn eine Firma diese Oase kaufen würde, könnte sie Ver­ antwortung für dieses Kulturgut übernehmen und mit öffentlichen Konzerten oder Lesungen der Bevöl­ kerung etwas bieten. Das wäre ideal für das Objekt und für den Standort Basel.» Stiftung war interessiert Den Kauf des Anwesens «Zu den Hirzen» in Betracht gezogen hat auch die Hildegard Stiftung, die derzeit

Der Besitzer J. Rudolf Geigy ist auf dem Landgut aufgewachsen und hat­ te es im Jahr 1995 übernommen. 25 Millionen Franken hat er in Gebäude und Infrastruktur investiert – dazu gehört der mit allen technischen Schikanen ausgestattete Hirzen Pa­ villon, der vom Ehepaar Geigy wäh­ rend zehn Jahren für die Öffentlich­ keit zugänglich gemacht wurde. Pavillon und Park konnten für Pri­ vatanlässe gemietet werden; ausser­ dem fanden öffentliche Kulturanlässe statt, insbesondere Konzerte mit von einer eigenen Stiftung unterstützten Stipendiaten. Kultur, Industrie oder beides? Die Grösse, der arbeitsintensive Unterhalt und das Angebundensein bewogen J. Rudolf Geigy und seine Frau Elizabeth schliesslich dazu, das Anwesen zu verkaufen. Nachkommen hat Geigy keine und auch die Nichten und Neffen wollten das Gut nicht übernehmen. Ob private Residenz, Stiftungs oder Firmensitz mit Ta­

gungsort, ein luxuriöses Restaurant – der Besitzer konnte sich damals viele Nutzungsmöglichkeiten vorstellen. Am liebsten wäre ihm gemäss der eigenen Vision eine kulturelle Nutzung mit Veranstaltungen für die Öffentlich­ keit, sagte Geigy 2013 gegenüber der Riehener Zeitung. Zu den einstigen Preisvorstellun­ gen des Besitzers sagt Robert Ferfecki von der Firma Fine Swiss Properties, die das Mandat im Mai übernommen hat: «Ich war schon damals der Mei­ nung, dass eine Preisvorstellung von über 30 Millionen ein Griff nach den Sternen sei.» Und heute – mit den veränderten wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen – sei der Verkauf von solchen Objekten sowieso tendenziell schwieriger ge­ worden. Der jetzige Preis sei plausi­ bel, nachvollziehbar und entspreche nicht mehr einem Traumwert, son­ dern dem Realwert. Jeder wisse, dass eine solche In­ vestition sich irgendwie rechnen müsse, so Ferfecki weiter. Und der

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Der sogenannte Hirzen Pavillon diente während zehn Jahren für kulturelle Veranstaltungen.

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Fotos: zVg

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