IHK-Global Business Ausgabe 04/2022

EUROPA/ZENTRALASIEN

AMERIKAS

ImMercedes- Motorenwerk in Jawor soll zukünftig nur noch Ökostrom für die Produktion eingesetzt werden.

Große Hoffnungen für eine grünere Zukunft: Die Klima - politik der Biden-Regierung beflügelt den US-Markt für Elektrofahrzeuge.

freie Busse. Maßnahmen wie höhere Steuergutschriften für E-Mobile und die Beschaf- fung neuer emissionsfreier Modelle für die Bundesflotte kommen zwar vornehmlich US-Herstellern zugute, doch von einem E-Auto-Boom in den USA können auch deut- sche Anbieter profitieren. Nicht minder wichtig dürfte für baden-württembergische Firmen der geplante Ausbau der Schnellladeinfrastruktur sein: VW machte bereits beim Power Day Mitte März 2021 klar, die Ladeinfrastruktur seiner Tochterfirma Electrify America massiv erweitern zu wollen. Das Ladenetz muss nicht nur gebaut, sondern auch abgesichert werden, wodurch das US-Geschäft für Serviceanbieter nachhaltig wachsen dürfte. Klimavorreiter Kalifornien Der Schwenk in der Klimapoli- tik durch die Biden-Regierung belebt auch den US-Markt für Elektro-Lkw. Zudem befeuert er die Klimaschutzambitionen einiger US-Bundesstaaten, wie zum Beispiel in Kalifornien: Dort dürfen ab 2035 nur noch Null-Emissions-Pkw verkauft werden. Bereits im Juni 2020 hat der Westküstenstaat ein Gesetz verabschiedet, wonach Lkw-Bauer ab 2024 schrittwei- se auf emissionsfreie Antriebe umsteigen müssen. Weitere Bundesstaaten dürften mit ähnlichen Schritten nachzie- hen. GTAI/IHK

POLEN Automobilzulieferer stehen vor Herausforderungen

USA Energiewende auf dem Fahrzeugmarkt

lieferer in Polen vor Heraus- forderungen. Große Hersteller wie Mercedes-Benz wollen ihre Produktion grüner machen und ihren Carbon Foodprint reduzieren. Aktuell stammen allerdings noch 70 Prozent des Stroms in der polnischen Produktion aus der Kohle- verbrennung. Mercedes-Benz hat deshalb für sein Werk im polnischen Jawor einen Direktliefervertrag (PPA) mit einem nahegelegenen Wind- park abgeschlossen. Auch die Zulieferer werden zunehmend in die Pflicht genommen und müssen die Herkunft des ein- gesetzten Stroms nachweisen. Um mittelfristig auf Ökostrom umzustellen, sind umfangrei- che Investitionen notwendig, die mittelständische Unter- nehmen nur mit staatlicher Unterstützung meistern kön- nen. Gelingt der Umstieg zur CO 2 -freien Produktion nicht, könnte Polen als Produktions- standort für internationale Automobilhersteller und für Zulieferer an Attraktivität ver- lieren. GTAI/IHK

schaffen macht. Seit Kriegs- ausbruch sind Schätzungen zufolge rund 30.000 Ukrainer in ihr Land zurückgekehrt, um sich dort der ukraini- schen Armee anzuschließen. Die Abwanderung trifft die Automobilindustrie zwar nicht so hart wie zum Beispiel die Logistik oder die Bauindustrie, aber auch hier ist jedes fünfte Unternehmen davon betroffen. Ziel der polnischen Regierung ist es deswegen, möglichst viele der geflüchteten Ukrainer möglichst schnell und unbü- rokratisch in den polnischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Da die Bildungssysteme der beiden Nachbarländer jedoch sehr unterschiedlich sind, könnte sich die Anerkennung von ukrainischen Bildungsab- schlüssen allerdings als Hürde erweisen. Hersteller setzten auf Klimaneutralität Auch die ökologische Trans- formation stellt Automobilzu-

Der Krieg in der Ukraine und die ökologische Transformation wirken sich auf die polnische Automobil- industrie aus. Fehlende Kabelbäume, die überwiegend in der Ukraine hergestellt werden, bringen die Produk- tion zum Erliegen. Auch der Mangel an Halbleitern, der bereits während der Pandemie die Automobilproduktion bremste, könnte sich durch den Krieg verschärfen. Das für die Produktion von Halbleitern benötigte Edelgas Neon kommt ebenfalls aus der Ukraine. Die beiden ukraini- schen Unternehmen, die etwa die Hälfte des weltweit benötigten Gases für die Halbleiterproduktion herstel- len, haben die Produktion kriegsbedingt eingestellt. Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt Hinzu kommt der Fachkräfte- mangel, der der polnischen Industrie schon lange zu

Ambitionierte Pläne der Branchenriesen

Das Ende fossiler Antriebstechnologien scheint nah: Die ambitionier- te Umweltagenda der Regierung, striktere Stan- dards für Kraftstoffver- brauchswerte, Rabatte für Nullemissionsfahrzeuge und klare Ausstiegsdaten zahlrei- cher Bundesstaaten setzen deutliche Signale für die Mobilitätswende. Erwartet wird somit ein rapider Anstieg der E-Fahrzeuge an den US-Neuzulassungen in den nächsten Jahren. Geschäftspotenziale ergeben sich nicht somit nur mit Blick auf den Kfz-Absatz- markt und in der Produktion von Automobilteilen. Auch der Ladenetzausbau wird Komponentenanbietern und Dienstleistern neue Chancen eröffnen. Hohe Investitionen fließen zudem in die Batterie- forschung und in die Chip- entwicklung.

Bestärkt durch die Klimapoli- tik der Biden-Administration rüstet sich die Kfz-Branche für das Zeitalter der E-Mobilität. Der Autobauer GM hat an- gekündigt, ab 2035 nur noch E-Fahrzeuge zu produzieren. Ebenso will Konkurrent Ford bis 2025 zweistellige Milliar- denbeträge in die Entwicklung von E-Mobilen investieren. Auch aus den US-Werken von VWundMercedes-Benz werden ab 2022 vollelektrische Sport Utility Vehicle (SUV) vom Band rollen. Nachholbedarf bei der Ladeinfrastruktur Viele Elemente von Bidens Umweltagenda sind bereits in dem 1,2 Billionen US-Dol- lar (US$) schweren Infra- strukturprogramm enthalten, darunter auch neue Lade- stationen und emissions-

Ab Ende 2022 werden alle unsere Werke in Europa CO 2 -neu- tral arbeiten. Unser Standort in Jawor in Polen tut das bereits heute. Ab 2039 soll unsere ge- samte Lieferket- te CO 2 -neutral sein.“ Dr. Ewa Łabno- Falęcka, Leiterin der Unternehmens- kommunikationbei Mercedes-Benz Manufacturing Poland

2030 will Washington State als erster US- Bundesstaat keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmo- tor mehr zulassen.

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