250 Jahre USA: Ein Roadtrip durch die Geschichte

James Otis Jr., Jurist und Mitglied der Sons of Liberty

Kolonien solle auf jedes amtliche Doku- ment, auf jede Zeitung und selbst auf jedes gedruckte Kartenspiel eine kostenpflich- tige Steuermarke geklebt werden, ist das Geschrei derart groß, dass die Regierung ihre Pläne kassieren muss. Sie versucht es daraufhin mit direkten Steuern auf Import- waren wie Tee, Glas, Papier oder Leder. Sondergerichte sollen ihre Einziehung vor Ort durchsetzen. Aber nicht nur der Schmuggel blüht und wichtige Erzeuger bleiben auf Überkapazitäten sitzen. Auch die Steuern selbst werden zum Rohrkre- pierer: Im ersten Jahr liegen die Einnah- men für den Staat bei läppischen 295 Pfund Sterling. Dem stehen Kosten von 170.000 Pfund für die Einführung gegenüber. Vor allem aber formiert sich anhaltender Widerstand: Der aus Massachusetts stam- mende Jurist James Otis erklärt auf einer Protestversammlung eingängig: „Besteue- rung ohne Repräsentation ist Tyrannei“. Nur gewählte Parlamentarier der Kolonien könnten diesen auch Zahlungen abverlan- gen. Im britischen Parlament in Westmins- ter sind die Kolonien aber nicht vertreten. Nachdem diese Forderung einmal in der Welt ist, lässt sie sich mit keiner Zwangs- maßnahme oder Gewaltandrohung aus-

don ruiniert. Der Wunsch nach Kolonien erweist sich als kostspielige Investition.

Und deren Bürger erweisen sich in den Augen von Lord North und seiner Minis- terkollegen als ausgesprochen undankbar. Schließlich sind sie nicht bereit, einen größeren Anteil der anfallenden Kosten zu übernehmen. Im Durchschnitt zahlt ein Bewohner der Kolonien nur zwei Prozent der Steuern eines Briten im Mutterland. Doch als das Parlament in London 1765 die Zügel anzieht und beschließt, in den

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Boston Tea Party, colorierte Lithografie von Sarony & Major

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