250 Jahre USA: Ein Roadtrip durch die Geschichte

Die Flaggen der „Sons of Liberty“

räumen. Zwangsmaßnahmen, wie sie der britische Regierungschef etwa der India- nerin in der Karikatur von 1774 einflößen will. Zwar hat Lord North die meisten Ver- brauchssteuern wieder kassiert, auf der Teesteuer aber bestanden. Am Abend des 16. Dezember 1773 haben aufmüpfige Kolonisten, vor allem junge Männer wie John Hancock, Paul Revere und Samuel Adams, die sich voller Pathos „Sons of Liberty“ nennen, als Reaktion darauf demonstrativ 342 Kisten voller Tee ins Hafenbecken von Boston geworfen. Daraufhin hat die Regierung die Zufahrt zum Hafen militärisch abgeriegelt, Ver- sammlungen in Massachusetts verboten, britischen Kolonialbeamten rechtliche Immunität zugesagt und als besondere Provokation verlangt, dass die Bewohner der Kolonie britische Soldaten unterbrin- gen und beköstigen sollen. So wollen die Lords in Westminster die unbotmäßige Kolonie wieder unter Kontrolle bringen. Ihr Plan misslingt. Mit der Karikatur, in der die Squaw für die Stadt Boston steht und die bittere Medizin für die aus Sicht der meisten Kolonialbürger unerträgli- chen Gesetze, verbreitet sich die Kritik wie ein Lauffeuer in den Kolonien. Am 5. September 1774 kommen 55 Vertreter aus zwölf Kolonien in Carpenters Hall im zentral gelegenen Philadelphia zusam- men, um das weitere Vorgehen zu bera- ten. Die meisten dieser Herren sind nicht formell gewählt. Voraussetzung für die Teilnahme ist vielmehr, dass man sich die Anreise zum Tagungsort leisten kann. Vie- le der Kongress-Teilnehmer haben in der Vergangenheit selbst der Krone gedient und sehen schon lange Loyalitätskon- flikte. Peyton Randolph, der zum ersten

Kongresspräsidenten gewählt wird, hat beispielsweise jahrelang als Staatsanwalt der Kolonie Virginia gewirkt und zugleich in deren Abgeordnetenhaus gesessen. In letzter Funktion ist er sogar nach London gereist, um bei der Regierung gegen eine vom Gouverneur der Kolonie erlassene Gebühr für Grundbuchurkunden zu pro- testieren. Randolph, der Jahre später aus dem Staats- dienst entlassen worden ist, ist 1774 nicht mehr sicher, ob die Kolonien noch Teil des britischen Königreichs bleiben sollen. Trotzdem können weder er noch seine Mitstreiter absehen, dass der Erste Konti- nentalkongress in Philadelphia am Ende in einer provisorischen Regierung der später 13 aufständischen Kolonien münden wird. Tatsächlich finden sich unter den Mit- gliedern aber schon viele der späteren

13

Die Carpenters Hall in Philadelphia (Pennsylvania)

Made with FlippingBook Online newsletter maker