Liebe Leserinnen und Leser,
w as sagt Ihnen der Begriff „Semiquincentennial“? Ein „Halbes Fünfhundertjahresfest“ klingt für unsere Ohren erst einmal ziemlich sperrig. Aber genau das feiern die Vereinigten Staaten von Ame- rika am 4. Juli 2026 unter dem etwas leichter über die Lip- pen gehenden Begriff „America250“. Auch wir gratulieren den USA und ihren Einwohnern zu 250 Jahren als eigenständige Nation. 250 Jahre, in denen es gute und weniger gute Zeiten für die Entwicklung der Demokra- tie, der Freiheit und der Gleichheit gab. 250 Jahre, in denen das Land nicht immer eine Vorbildfunktion inne hatte, aber dennoch die Begriffe Demokratie, Freiheit und Gewalten- teilung sehr wesentlich mitgeprägt und auch verteidigt hat. Auch wenn wir in dieser Hinsicht in den USA aktuell Rückschritte erleben, so haben auch wir in Europa und ins- besondere in Deutschland dem Land und seinen Menschen doch so viel zu verdanken. Vor allem aus diesem Grund haben wir ein Sonderheft zusammengestellt, in dem unsere Autorinnen und Autoren einen tieferen Einblick in das Land, seine Geschichte und die jeweils prägenden Landschaften und Städte gewähren. Zunächst führt uns der Historiker und Reisejournalist Dr. Martin Wein in einem ausführlichen Beitrag durch die Zeit, in der die Vereinigten Staaten von Amerika entstanden sind. Eine Zeit, in der die europäischen Mächte, insbesondere Großbritannien und Frankreich, erbittert um die Dominanz auf dem neuen Kontinent gerungen haben. Ein Steuerstreit mit dem britischen „Mutterland“ führte dazu, dass sich anhaltender Widerstand formierte, der am Abend des 16. Dezember 1773 in der Boston Tea Party eskalierte, bei der als Indianer verkleidete Bürger aus Boston drei Ladungen Tee in das Hafenbecken warfen. Unter Führung unter anderem von George Washington und Thomas Jefferson wurden in den folgenden wenigen Jahren staatliche Strukturen aufgebaut, die am 4. Juli 1776 in der Verlesung der Unabhängigkeits- erklärung in 13 Kolonien und der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika gipfelten. Im Anschluss an die historische Einordnung werden in sechs Beiträgen die unterschiedlichen Regionen der USA mit einigen ihrer historisch bedeutsamen Orte vorgestellt. Das Autorenteam aus Verena Wolff, Ralf Johnen, Jan de Jonge und Christian Dose nimmt uns dabei mit auf die Reise vom Nordosten über die Südstaaten, den Mittleren Westen und den Südwesten, weiter in die Rocky Mountains bis in den „goldenen“ Westen. Dabei werden nicht nur Orte aus der Gründungszeit der Nation vorgestellt sondern auch Kultu- ren, die lange vor der „Entdeckung“ der Neuen Welt die weiten Landschaften bewohnt und geprägt haben.
und anschließend die Eisenbahn, die für die Erschließung des Landes in Richtung Westen eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, insbeson- dere nach dem Ersten Weltkrieg, übernahm das Automobil eine zunehmend wichtigere Rolle, sodass auch Straßen zu Symbolen des Fortschritts wurden. Im Jahre 1926 wurde eine Fernstraße „ins Leben gerufen“ und anschließend zu einem Mythos, die die Städte Chicago und Los Angeles verband: die Route 66, die auf einer Länge von 3.945 Kilometern durch die Bundesstaaten Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien führt. In Chicago star- tet Ralf Johnen mit uns einen Roadtrip auf der Mother Road und führt uns unterwegs zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten bis hin zum Endpunkt der Route 66 in Santa Monica. Doch all’ das ist nicht genug, 2026 sind die USA zusammen mit Kanada und Mexiko zudem noch Gastgeber der 23. Fuß- ball-Weltmeisterschaft. Christian Dose stellt uns die insge- samt elf Austragungsorte in den USA mit einer Auswahl von Sehenswürdigkeiten vor. Ein Land wie die Vereinigten Staaten von Amerika kann man nur entdecken und verstehen, indem man es bereist und sich über persönliche Erlebnisse und Begegnungen sein eigenes Bild über Land und Leute macht. Wir haben daher auch elf Personen interviewt, die auf der touristischen Ebene eine sehr enge Beziehung zu den USA entwickelt haben, um auch von ihnen ihr Bild von und ihre Beziehung zu den Vereinig- ten Staaten zu erfahren. Lassen Sie die Vereinigten Staaten von Amerika mit diesem Heft auf sich wirken. Es sind nicht immer die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse, die bei der Beurteilung des Landes eine (ausschließliche) Rolle spielen sollten. Es sind die Menschen, es ist die Natur und es sind auch zahlreiche Errungenschaften, die die USA nach wie vor zu einem Land machen, das es zu bereisen lohnt.
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In der Gründungszeit der Vereinigten Staaten und in den folgenden Jahrzehnten waren es zunächst Siedler-Trecks
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