250 Jahre USA: Ein Roadtrip durch die Geschichte

Q uietschend dreht sich ein Windrad in der Prärie. Rin- der grasen auf weitläufigen Weiden, irgendwo flimmert die Hitze. Der Südwesten der USA weckt Bilder von Schluchten, Wüsten und endloser Weite. Staub, Stein, Natur – Kultur? Fehlanzeige. Könnte man meinen. 250 Jahre nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten lohnt jedoch ein genauerer Blick. Denn gerade hier, fern- ab der klassischen Gründungsorte an der Ostküste, zeigt sich Geschichte nicht in Marmor, sondern eingeschrieben in Land- schaften und Alltagsleben. Der Südwesten erzählt von Kulturen, die lange vor 1776 existierten, von Aufbruch und Verdrän- gung – und von Identitäten, die sich bis heute wandeln. Canyon de Chelly – Geschichte in rotem Sandstein Rote Felswände, durchzogen von Petro- glyphen, umrahmen Weideflächen und

heilige Stätten. Orte wie der „White House Ruin“ erzählen von der Kultur der Ances- tral Puebloans. Seit Jahrtausenden leben Menschen in diesem abgelegenen Tal im Nordosten Arizonas – heute sind es Nava- jo-Familien, die das Land bewirtschaften und seine Geschichten weitertragen. Wer hier unterwegs ist, erlebt indigene Kontinuität nicht als Symbol, sondern als gelebten Alltag. Canyon de Chelly steht damit exemplarisch für eine Geschichte der USA, die lange vor der Staatsgrün- dung begann. Route 66 – Asphalt gewordener Aufbruch Zwischen Flagstaff, Seligman und King- man rollt man durch ein Kapitel amerika- nischer Mobilitätsgeschichte. Die Route 66 steht für Bewegung, Migration und den Traum vom Unterwegssein – lange bevor Roadtrips zum Lifestyle wurden. In Seligman scheint die Zeit eingefroren: rostende Cadillacs, blinkende Reklame, Elvis aus Blechlautsprechern. Was heu-

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Der Canyon de Chelly (Arizona)

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