TITELTHEMA | MANNHEIM
EVA WOLFMÜLLER „Wo sind Sie denn?“
Eine Apothekerin beißt sich auf Spinelli durch. Eva Wolfmüller sieht die Vorteile eines komplett neuen Stadtteils, würde sich aber mehr gewerbliche Mitstreiter wünschen.
S chon mehrere Kunden hätten ihr gesagt: „Ich wusste ja gar nicht, dass Sie hier sind!“ Doch, antwor- tet Eva Wolfmüller dann, seit zwei Jahren. Die Apotheke war das erste Gewerbe auf Spinelli, Mannheims Stadtteil im Nordosten, der auf einem ehemaligen Militärgelände der US-Amerikaner entstanden ist. Oder vielmehr: entsteht. Denn bis das Areal komplett fertig- gestellt wird, die anvisierten 4000 Menschen dort leben werden, vergehen noch ein paar Jahre: Im Moment sind es gerade 920. Offiziell ist von 2035 die Rede. Für Wolfmüller ist das ein Problem. Ein Problem von mehreren. Denn noch geht es auf Spinelli recht beschaulich zu. Das gefällt der jungen Unternehmerin. Auf der einen Seite. Auf der ande- ren Seite fehlt die Kundschaft. „Aktuell ist es nicht einfach“, sagt Wolfmüller. Sie erinnert sich, wie sie irgendwann im Jahr 2021 mit ihrem Mann von Feuden- heim, wo Wolfmüller bereits 2018 die dortige Apotheke übernommen hatte, über das brachliegende Spinelli- Gelände spazierte und ein großes Schild sah. „Dort stand, was hier alles entstehen soll, ein Wohnquartier mit Geschäf- ten, einer Grundschule, Cafés, Restaurants, und auch eine Apotheke sollte es geben.“ Das Wort Apotheke verfängt, und Wolfmüller sagt heute: „Ich hätte mich geärgert, wenn das jemand anderer gemacht hät- te.“ Also meldet sie sich beim Bauträger der Gebäudeeinheit,
Es gibt jedoch auch Dinge vor Ort, mit denen Eva Wolfmül- ler nicht gerechnet hat. Zum Beispiel, dass sie kein weithin sichtbares Apothekenschild aufhängen darf. „Das ging aus baurechtlichen Gründen nicht, das hätte der Fassaden- gestaltung widersprochen“, berichtet die Unternehmerin. Ein Roll-up-Banner vor der Tür soll nun die Aufmerksam- keit der Menschen lenken: Hier ist eine Apotheke. Es sei auch die einzige Apo- theke weit und breit. „Es wäre eigentlich naheliegend, dass die Menschen auch aus Käfertal-Süd hierherkommen und nicht über die B38 in die dortigen Apotheken laufen“, meint Wolfmüller. Vielleicht fehlen die Parkplät- ze? Die gibt es auf Spinelli nur in begrenzter Zahl, das ist auch die Idee hinter dem grünen Viertel: Der Stellplatzschlüssel liegt im ersten Bauabschnitt bei 0,8. 80 Prozent der Wohn- einheiten haben nur einen, 20 Prozent der Wohneinheiten dagegen gar keinen baurecht- lich gesicherten Stellplatz für ein privates Auto. Wolfmüller hofft, dass schräg gegenüber an der Anna-Sammet-Straße ein paar Behindertenpark- plätze eingerichtet werden oder auch solche mit einem Apothekenzeichen. „Parkplätze sind für Apotheken ein Stand- ortvorteil, das ist ganz klar.“ Sie hofft außerdem, dass weitere Gewerbe folgen werden. Im- merhin, im Sommer 2025 habe der Rewe vis-à-vis eröffnet. Doch viele anderen Objekte stünden leer. „Das mag an
und die Dinge nehmen ihren Lauf. „Jetzt hänge ich mitten- drin, und es muss funktionie- ren.“ Wolfmüller sagt, sie habe manches unterschätzt be- ziehungsweise nicht vorher- sehen können; zum Beispiel, wie stark die Kosten steigen werden. Denn die Räumlich- keiten, die sie am Chisinauer Platz – benannt nach Mann- heims Partnerstadt Chisinau – mietet, sind komplett „nackig“, wie Wolfmüller sagt. Sprich: Sie muss die komplette Innen- einrichtung selbst planen und finanzieren. Dass sich durch den Russland-Ukraine-Krieg und einen sprunghaften US- Präsidenten die wirtschaftliche Lage global verschlechtern würde, damit habe damals niemand rechnen können.
In zwei Mannheimer Standorten aktiv: Eva Wolfmüller führt neben ihrer Apotheke auf Spinelli noch eine in Feudenheim.
Aktuell ist es nicht einfach.
Eva Wolfmüller
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IHK Magazin Rhein-Neckar 02 | 2026
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