TITELTHEMA | MANNHEIM
den hohen Mieten liegen, denn wenn wie hier auf Spinelli ökologisch gebaut wird, sind die Baumaterialien teuer und die Mieten später entsprechend hoch.“ Wolfmüller will außerdem nicht verhehlen, dass es mit einzelnen Bewoh- nern auch schon mal Ärger gab. Über der Apotheke be- finden sich Wohnungen, und wenn die Schlafzimmer nach hinten raus gehen, könne es sein, dass die Menschen den Lieferdienst hörten, der auch nachts Medikamente bringe. „Ich kann nicht alle Medikamente vorhalten. Also bestelle ich, was fehlt, die Lieferung erfolgt noch am Abend oder in der Nacht, damit es der Kunde am nächsten Tag abholen kann“, erklärt Wolfmüller. Dass Menschen von der Dauerbaustelle, die Spinelli nach wie vor sei, genervt seien, höre sie immer wieder in Ge- sprächen. „Da ist die Aufregung selbst über Kleinigkeiten groß“, sagt Wolfmüller. Eine größere Aufregung, die viele teilten, sei die breite Busspur, die als Hedwig-Eppstein- Straße, Chisinauer Platz und Anna-Sammet-Straße durch das Viertel führt. Die wird immer auch – unberechtigter- weise – von Autos genutzt, die häufig noch dazu recht schnell fahren. „Da haben viele Bewohner Angst um ihre Kinder, zumal dies Teil ihres Schulweges ist“, hat auch Wolfmüller beobachtet. Ursprünglich sollte Spinelli ans Straßenbahnnetz angeschlossen werden, deshalb sei die Spur so breit angelegt worden. Ob eine Straßenbahn den Stadtteil jemals erreichen wird, steht allerdings in den Sternen. Als Pluspunkt sieht die Unternehmerin den Radschnell- weg, die Völklinger Straße, die vom ehemaligen BUGA- Gelände kommend direkt an ihrer Apotheke vorbei führe. „Ich habe auch ein Päckchen Flickzeug parat“, sagt Wolf- müller. Überhaupt setzt die Apothekerin auf Prävention: „Apotheken müssen sich verändern und zu Präventions-
orten werden.“ Es gehe ums Image, Menschen sollten eine Apotheke nicht nur aufsuchen, weil sie krank seien, son- dern weil sie ihnen zeigt, wie sie gesund bleiben können. Blutdruck messen, Wundversorgung, impfen gegen Grippe und Corona, Hormonwerte bestimmen und ganz neu DNA-Tests zum Gewichtsmanagement – in der Apotheke Feudenheim und in der Apotheke Spinelli findet (auch) Gesundheitsvorsorge statt. Veränderungswille – für Wolfmüller entscheidend, um als Unternehmerin bestehen zu können. Politik und Ver- waltung müssten aber auch ihre Hausaufgaben machen, und da sieht die Apothekerin immer wieder Fragezeichen. „Es hat zwei Jahre gedauert, ehe ich meinen Gewerbe- schein hatte“, erzählt sie. Der erste Antrag sei offenbar untergegangen, und auch der zweite brauchte seine Zeit. Ihr fehle zudem ein konkreter Ansprechpartner bei der Stadt. „Die Wirtschaftsförderung macht einen super Job, aber dann hakt es, wenn es zur Umsetzung kommt“, ist ihr Empfinden. Wolfmüller ist selbst Mitglied im Bezirks- beirat in Feudenheim. Sie will, wo es möglich ist, mitent- scheiden können, und sie will wissen, was los ist. Letzteres sei allerdings auch Aufgabe der Stadt: die Unternehmen zu informieren. Zum Beispiel über Baustellen. „Die große Baustelle auf der Feudenheimer Hauptstraße von Mai bis Juli vergangenen Jahres hat manche überrascht“, weiß Wolfmüller. Kommunikation – dies sei ebenfalls ein ent- scheidender Faktor für Unternehmen. Auf Spinelli funktioniere das im Übrigen sehr gut. „Die Menschen sind über die sozialen Medien vernetzt, das schafft eine Verbindung und so entstehen auch gemein- same Aktionen“, freut sich Wolfmüller über den jungen Stadtteil. Jetzt müsse nur noch mehr Leben in die Straßen kommen.
IZ GREENTECH
Neue Heimat für Start-ups
Was ist das Innovationszentrum GreenTech (IZ GreenTech)?
in Baden-Württemberg, dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus und der Stadt Mannheim. Wie groß ist das Marktpotenzial? Die GreenTech-Branche gilt als eine wirtschaftliche Schlüs - selressource. Laut Schätzungen beläuft sich das jährliche Marktvolumen in Deutschland auf mehr als 330 Milliarden Euro, die prognostizierten Wachstumsraten liegen dem - nach bei mindestens fünf Prozent. Wann geht es los? Seit Anfang 2026 laufen die vorbereitenden Baumaß - nahmen, nachdem Ende vergangenen Jahres die Stadt Mannheim den Zuwendungsbescheid erhalten hat. Mit der Fertigstellung der Räume wird im Sommer/Herbst 2026 gerechnet.
Ein Raum für Start-ups und kleine und mittlere Unter - nehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Bürger, die innovative Technologien entwickeln, um Klima- und Umweltprobleme zu lösen. Die Themenfelder reichen von Energie, Umwelt und Mobilität über Kreislaufwirtschaft bis hin zur nachhaltigen Wasserwirtschaft. Wo entsteht das IZ GreenTech? Im Mafinex. Neben Büros und Veranstaltungsflächen wird es auch Werkstatträume geben, die den Unternehmen die Möglichkeit bieten, Produkte oder Verfahren zu testen und an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Finanziert wird es durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
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IHK Magazin Rhein-Neckar 02 | 2026
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