TITELTHEMA | MANNHEIM
DAVID AZIMI „Unser Standort verdient mehr positive Außenwahrnehmung“ Er betreibt seit 2025 das Kaabul² in den G-Quadraten, geboren und aufgewachsen ist David Azimi in Freiburg. Der 31-Jährige über No-Go-Areas und Nachbarschaftshilfe
meinen Standort; in dieser Pufferzone zwischen Markt- platz und Jungbusch, wie ich es gerne nenne. Was macht das G-Quadrat denn aus? Azimi: Wir sind laut. Bunt. Vielfältig. Hier macht es Spaß. Fürchten Sie die Konkurrenz durch die vielen anderen Restaurants hier in der Umgebung? Azimi: Nein. Denn ein at- traktives Angebot zieht mehr Leute an. Es ist ein Geben und Nehmen hier. Mal kommen die Menschen zu mir und entde- cken auf dem Weg eine andere tolle Location, mal umgekehrt. Gibt es Probleme? Azimi: Auch wenn es zum Beispiel mal Vorfälle mit Be- wohnern des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit gibt und die Sauberkeit zu wün- schen lässt: Wir sind hier keine No-Go-Area. Wir gehören auch zur Innenstadt, unser Stand- ort verdient mehr positive Außenwahrnehmung. Man könnte zum Beispiel Veranstal- tungen das ganze Jahr hinweg zusätzlich zu uns verlagern, zu Weihnachten die Beleuchtung über die Planken hinaus aus- dehnen. Ich, und auch andere im Viertel, würden gerne mehr mit ihren Außenterrassen ma- chen, diese beispielsweise mit Pflanzen aufwerten. Das ver- bieten die Vorgaben. Ok, kann ich nicht ändern. Vorurteile
Sie sind nach dem Abitur Res- taurant-Besitzer geworden, sind dann zur Ausbildung zum Versicherungskaufmann nach Mannheim gekommen – und hier in der Region geblieben. Wie kam es dazu? Azimi: Wir hatten als Fami- lie, die Chance in Freiburg ein iranisches Restaurant zu übernehmen und auf afgha- nische Küche umzustellen. Meinen Eltern war Bildung aber immer sehr wichtig, auch dass ich abgesichert bin und ein Einkommen habe. Weil die Gastro-Szene nun mal schwie- rig ist, habe ich Versiche- rungskaufmann gelernt und auch in diesem Beruf gearbei- tet. Mit dem erarbeiteten Geld haben wir in Viernheim 2023 das Kabowl im Rhein-Neckar- Zentrum eröffnet, dann folgte das Kaabul² in Mannheim. Alle drei Restaurants gehören zu uns als Familie, aber für unseren Standort in Mann- heim schlägt mein Herz be- sonders laut. Weshalb? Azimi: Erstens haben wir ein anderes Konzept. Das Essen gibt es nicht schnell auf die Hand. Wir haben hier die Chance, den Menschen die afghanische Kultur näher zu bringen, mit Vorurteilen auf- zuräumen. Viele Bilder an der Wand zeigen starke Frauen; Frauen, die zum Beispiel ihre Burka lüften und aufblühen. Und zweites ist Mannheim einfach Mannheim. Ich liebe
Der Name seines Restaurants in G7 ist eine Hommage an Mannheims Quadrate: Kaabul²- Inhaber David Azimi
Ihre Mutter kocht vor für Ihre Mitarbeiter, Ihr Vater unter- stützt im Restaurant, Ihre beiden Schwestern kümmern sich im Hintergrund um den Bürokram. Würde das Kaabul² ohne Familie funktionieren? David Azimi: Absolut nicht. Ich bin zwar nach außen das Gesicht des Ganzen. Und mir ist es am liebsten, wenn die Menschen sagen „Ich esse bei David“ und sich wie ein Familienmitglied und nicht als Gast fühlen. Aber mein Unternehmen ist das Familie Azimi-Unternehmen. Das war schon in Freiburg so, als ich mit 19 in der Markthalle das Kabul eröffnet habe.
ZAHLEN UND FAKTEN 1991 Die Eltern von David Azimi ver - lassen während des Bürgerkrieges Afghanistan und gehen nach Deutschland. Sechs Monate später wird er geboren.
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IHK Magazin Rhein-Neckar 02 | 2026
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