TITELTHEMA | MANNHEIM
Drei Fragen an… Oberbürgermeister Christian Specht Herr Oberbürgermeister, allenthalben wird die Bürokratie in der Verwaltung beklagt. Was wollen Sie dagegen unternehmen? Christian Specht: Ich will mit der Grund- haltung ‚Wie können wir etwas ermögli- chen?‘ statt ‚Wo könnten Probleme auf- treten?‘ die Verwaltung wirtschafts- und bürgerfreundlich aufstellen. Schlanke und möglichst digitalisierte Verfahren beschleunigen Genehmigungen und schaffen Planungssicher- heit. Wie das gehen kann, zeigt exemplarisch das Virtuelle Bauamt, das wir 2024 als eine der ersten Baurechtbehörden in Baden-Württemberg eingeführt haben. Wir wollen unternehmeri- sches Handeln in einem hochregulierten Land wie Deutschland nicht durch zusätzliche Vorga- ben der kommunalen Ebene oder ein ‚Vergolden‘ europäischer, nationaler oder landesrechtlicher Regelungen erschweren. Das bedeutet auch: nicht überall Perfektion, sondern Konzentration auf das Notwendige und Lernen von den besten anderen Verwaltungen. Ein Dauerärgernis in der Region sind die maro- den Brücken. Ende 2025 haben die Stadträte von Mannheim und Ludwigshafen die Rhein- brückengesellschaft beschlossen. Wird das die Situation verbessern? Specht: Ich will kurz in Erinnerung rufen, was sich jeden Tag auf den Rheinbrücken zwischen
Mannheim und Ludwigshafen abspielt: Täglich werden diese von mehr als 120.000 Fahrzeugen überquert. Wenn hier der Verkehr stillsteht, steht eine ganze Region – diese Infrastruktur hat deutschlandweite und europäische Bedeu- tung. Mit der Rheinbrückengesellschaft wollen wir dieser Verantwortung gerecht werden. Sie soll eine abgestimmte und schnellere Planung mit weniger Parallelbaustellen und transparenter Information für Wirtschaft und Bevölkerung ermöglichen. Zugleich schaffen wir ein stabiles Kosten- und Termincontrolling und verbessern unsere Chancen, Fördermittel von Bund und Land einzuwerben. Wir bündeln die technischen, finanziellen und organisatorischen Ressour- cen beider Städte und schaffen eine professio- nelle Struktur für dieses Großprojekt. Müsste das Miteinander in der Region nicht oh- nehin gestärkt werden? Wo sehen Sie Möglich- keiten für Kooperationen und Synergieeffekte? Specht: Angesichts knapper Kassen müssen wir Kooperation in der Metropolregion neu und pragmatischer denken. Synergien sehe ich dort, wo wir durch gemeinsame Strukturen effizien- ter werden und zugleich an Qualität gewinnen können – etwa bei IT, spezialisierten Verwal- tungsleistungen oder großen Infrastrukturpro- jekten wie den Rheinbrücken. Das kann auch bedeuten, Aufgaben regional zu bündeln und nicht alles überall vorzuhalten – selbst wenn das lokal schmerzt. Ein Ziel wäre es auch, dass die IHK-Organisationen in der Metropolregion eine gemeinsame Führungsrolle bei zentralen Themen der Zukunftsentwicklung übernehmen, zum Beispiel beim Ausbau der Health + Life Science Alliance Heidelberg Mannheim. Ba
Christian Specht ist seit dem Sommer 2023 Mannheims Oberbürgermeister.
Ich will die Verwaltung wirtschafts- und bürger- freundlich aufstellen.
Christan Specht
Das hat die IHK 2025 in Mannheim bewirkt
Das Projekt FutuRaum in der Mannheimer City wurde 2025 abgeschlossen. Gemeinsam mit Handelsverband und City-Werbegemeinschaft hat die IHK dort die Interessen der Innenstadtwirtschaft gebündelt eingebracht. Immer im Blick: gute Rahmenbedingungen für Handel und Dienst - leister. So wurde beispielsweise erreicht, dass das Parken in Parkhäusern in der ersten halben Stunde kostenfrei möglich ist. Das nimmt Druck auf Parkplätze im öffentlichen Raum; sie können anders genutzt werden, um mehr Aufenthalts - qualität zu erreichen. Im Stadtentwicklungskonzept „Modell Räumliche Ord - nung – Zielbild 2040+“ hat die IHK sich dafür eingesetzt, dass Mannheim als Wirtschaftsstandort gesichert und gestärkt wird, beispielsweise mit Blick auf die Erreichbarkeit
der Innenstadt, die Bestandssicherung und gute Nutzbar - keit des Hafens als Logistik- und Unternehmensstandort und die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen. In Mannheim konnte die Einführung einer Verpackungs - steuer abgewendet werden. Dies Abgabe belastet Unter - nehmen mit viel Bürokratie, besonders Filialbetriebe sind herausgefordert – und bringt nicht einmal einen ökologi - schen Effekt.
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Mario Klein
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IHK Magazin Rhein-Neckar 02 | 2026
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