AUS DEN UNTERNEHMEN
ZUCKERLADEN HEIDELBERG „Ich will etwas Eigenes“ 2024 gab Antonia Brehme ihren sicheren Job bei der BASF auf und übernahm den Zuckerladen in Heidelberg. Bereut hat sie diesen Schritt nicht.
W er bei einem Bummel durch die Heidelber- ger Altstadt einen Ort erleben will, der mehr ist als ein Geschäft, der sollte einen Abstecher in die Neugasse unternehmen. Dort liegt der Heidelberger Zuckerladen. Er ist ein Refugium, eine kleine Schatzinsel, für viele ein Stück Kindheit und definitiv ein Stück Heidelberger Geschäfts- geschichte. Und wäre Antonia Brehme nicht gewesen, wäre dieser zauberhafte Ort nach fast 40 Jahren von der Stadt- karte verschwunden. „Heidelberg ohne Zuckerladen? Das ist unmöglich“, sagt Brehme. Die 36-Jährige lacht, wenn sie das sagt, doch auch die Ernsthaftigkeit schimmert in ihren Augen. Denn während das Eintauchen in die bunte Welt der Bonbongläser und Würfelspiele für viele Kunden ein lieb gewonnenes Ritual ist, war es für sie ein Sprung ins kalte Wasser. Einer, der besser nicht hätte laufen können. Beim Wettbewerb „Deutsch- land sucht den Lieblingsladen“, der von der Initiative „Deutsch- land Kauf Lokal “ organisiert wird, belegte ihr Zuckerladen bei der Online-Abstimmung in Baden-Württemberg im November 2025 den 1. Platz. „Das ist eine tolle Bestätigung für meinen Mut, diesen Schritt zu wagen“, sagt Brehme. Die Geschichte ihres Ladens begann 1986, als Marion und Jürgen Brecht den Zuckerladen in der Plöck eröffneten. „Durch diese Tür sind viele Gene-
rationen von Heidelbergern gegangen, haben sich an der Süßigkeitenwand ihre Favori- ten ausgesucht, geplaudert und gelacht“, sagt Brehme. „Auch für mich war er immer ein Stück Heimat.“ Als 2023 klar wurde, dass ein Nachfolger für den Zucker- laden gesucht wird, zögerte Brehme nicht lange. „Es war ein Gefühl, dass ich es machen musste. „Es fühlte sich einfach richtig an“, sagt Brehme, die in Dresden geboren wurde, mit vier Jahren in die Rhein- Neckar-Region zog und in Eppelheim ihr Abitur machte. Danach studierte sie Wirt-
schaftsingenieurwesen in Mannheim, arbeitete anschlie- ßend bei Prominent, Roche und acht Jahre lang bei der BASF in Ludwigshafen. Obwohl es ein sicherer, gut be- zahlter Job war – etwas fehlte ihr. „Ich mochte meine Arbeit wirklich sehr und das Team war super, aber irgendwann kam die Erkenntnis: Ich will etwas Eigenes, etwas mit Händen und Herz schaffen“, erzählt Brehme. Die Entscheidung, den Zucker- laden am neuen Standort in der Neugasse zu übernehmen, kam in der Lebensmitte – mit Fami- lie und drei Kindern in Wieblin- gen, einem Haufen Verantwor- tung und dem Wissen, dass sich alles verändern würde. „Manch- mal denke ich, der Zuckerladen hat mich ausgesucht“, sagt sie. „Ich arbeite deutlich mehr als früher. Aber es fühlt sich nicht so an. Ich mache das aus Liebe und mit riesiger Freude.“ In ihrer Werkstatt werden mitt- lerweile auch handgefertigte Geschenke, Gestecke und Tor- tenkreationen aus Süßigkeiten hergestellt. „Jedes Stück ist einzigartig und mit Liebe ge- fertigt. Für Hochzeiten und andere Ereignisse, Unterneh- men, Vereine, zu Festen wie Weihnachten – oder einfach nur, um jemandem eine Freude zu bereiten“, sagt Brehme und fügt an: „Das Beste ist, dass ich weiß, dass von uns gemachte Geschenke in Erinnerung blei- ben.“ JR
200 SORTEN an Bonbons, Schokoladen und Lakritze sowie Trüffel und Nougat führt der Zuckerladen.
2025 wurde der Zuckerladen von Antonia Brehme zu „Baden-Würt - tembergs Lieblings - laden“ gekürt.
zuckerladen.de
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IHK Magazin Rhein-Neckar 02 | 2026
ihk.de/rhein-neckar
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