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FREITAG, 3.8.2018 97. Jahrgang | Nr. 31

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1. August: Fahnen, Reden, Lampions und Feuerwerk in Riehen und Bettingen SEITE 2

Festival: Auf der Grendelmatte heisst das Motto «No Biz Chille»

Naturbad: Cocktails und tropische Atmosphäre auf der Dachterrasse SEITE 5

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ÖKOLOGIE Die zurzeit herrschende Trockenheit setzt einigen Baumarten zu – wahrscheinlich werden diese bald aus unseren Gefilden verschwinden Klimawandel verändert unseren Wald

Durch die Verdichtung des Bodens fliesst das Regenwasser am Rastplatz «Am Rotengraben» oberflächlich ab, statt einzusickern. Foto: Loris Vernarelli

Für die Fichten im Riehener Wald ist das Klima viel zu trocken.

Foto: Andreas Wyss

Der schlechte Zustand von Buchen und Fichten ist eine Folge des trockenen, warmen Sommers. Er ist aber auch ein Hinweis auf die Auswir- kungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Die drei Mütter mit ihren Kindern schauen etwas verdutzt, als sie von Andreas Wyss erfahren, dass der Rast- platz «Am Rotengraben» gesperrt ist. Nanu, was ist denn los? Auf Anregung des Revierförsters beschliessen sie, das Picknick imWald einpaar hundert Meter weiter oben fortzusetzen. Ohne zumurren packen die Frauen Besteck, Decken und Proviant wieder ein und ziehen mit der ganzen Kinderschar weiter. In der Zwischenzeit dürften auch sie erfahren haben, dass die vor- übergehende Sperrung des beliebten Rastplatzes, die in dieser Woche wie- der aufgehoben wurde, einen be- stimmten Grund hatte: Eine grosse Buche war wenige Tage zuvor abge- brochen und auf den Boden gekracht. Da die genaue Ursache zuerst unbe- kannt war, entschied sich die Gemein- de Riehen, diesen und weitere Rast- plätze für die Bevölkerung zu sperren. Derweil ist klar, weshalb der Baum tot umgefallen ist. An der Trockenheit alleine lag es nicht, vielmehr war es die Summe von Schädigungenunddie insgesamt seit einigen Jahren abneh- mende Niederschlagsmenge. Vor Ort veranschaulicht der Re- vierförster für Riehen, Bettingen und das Kleinbasel die aussergewöhnliche Loris Vernarelli

Situation. Was er erzählt, ist für einen Laien von Auge nur schwer erkennbar und deshalb umso beeindruckender. Es geht um Folgendes: Sonnenbrand, verdichtete Böden und Stammverlet- zungen durch eine sehr intensive, fast 40-jährige Erholungsnutzung beein- trächtigen die Lebendigkeit der Bu- chen an diesem Standort im Norden Riehens. Durch die Verdichtung der Böden fliesst das Regenwasser ober- flächlich ab, statt einzusickern. Wenn man bedenkt, dass aufgrund des Klimawandels seit Jahren ohnehin zu wenig Niederschlag fällt, bekommen Buchen auf immer trockener werden- den Standorten erst recht Mühe. Der ständige Wassermangel bewirkt einen Vitalitätsverlust und dieser wiederum

möglichst breite Palette an verschie- denen Bäumen», sagt Andreas Wyss. «Fällt durchdenKlimawandel die eine oder andere Art aus, haben wir mit der grossen Vielfalt dennoch Gewähr für ein einigermassen stabiles Öko- system.» Die Tendenz gehe eindeutig in Richtung Laubmischwald. Borkenkäfer vermehren sich Beim Gang durch den Riehener Wald fällt auf, wie trocken es momen- tan ist. Ein derartiges Zurücksterben der Kronen und dieser vorzeitige Laubfall habe er in 38 Berufsjahren noch nie erlebt, erzählt Wyss. Die Schäden an Buchen und Fichten sind augenfällig, hängendes dürres Laub und grosse dürre Äste beobachtet man vielerorts. Die geschwächten Fichten sind für die Borkenkäfer ein gefundenes Fressen; die Käferpopula- tionen vermehren sich in trockenen und heissen Jahren derart schnell, dass die befallenen Bäume die Käfer mit ihrem Harzfluss nicht mehr ab- wehren können. Ist das Kambium un- ter der Rinde durch die Frassgänge zerstört, vertrocknen die Bäume. Auch dies ist unter anderem auf den mangelnden Wasserhaushalt der in unseren Wäldern flachwurzelnden Fichten zurückzuführen. Eines ist klar: Der Wald verändert sich, ist bei uns aber aufgrund der grossen Artenvielfalt in seiner Exis- tenz nicht so stark bedroht wie etwa die Schutzwälder in den Alpen.

de Riehen, diesen und weitere Rast- plätze sowie die Finnenbahn zu sperren und eine Überprüfung der Bäume durchzuführen. Kritische Bäume wur- denmittlerweile entfernt, dennoch sind damit die Gefahren nicht vollständig beseitigt. «Wir können die Bäume nur visuell beurteilen. Es kann deshalb trotzdem zu plötzlichen Grünast- oder Kronenabbrüchen kommen», betont Andreas Wyss. Waldbesucher müssten immer und erst recht bei ausserordent- lichen Verhältnissen wie Sturm, Gewit- ter, Starkregen, Nassschnee, Eisregen oder langer Trockenheit Eigenverant- wortung und Vorsicht walten lassen. Das Begehen des Waldes geschehe auf eigene Verantwortung, im Schweizer Wald gebe es keine Bewirtschaftungs- pflicht. Der Revierförster stellt jedoch klar, dass es keinesfalls um Panikmache ge- he. Ihm seien der Schutz und die sach- liche Sensibilisierung der Bevölkerung vor Naturgefahren wie die spontanen Grünast- und Kronenabbrüche wich- tig. Man müsse sich bewusst sein, dass der Klimawandel auch in unserer Um- gebung Auswirkungen hat. Dies könne die Standortseignung einiger Baum- arten verändern. Beispielsweise kämen Fichten und Buchen mit der zuneh- menden Trockenheit weniger gut zu- recht als Eichen. Bis in einigen Jahr- zehnten, erläutert Wyss, werde die Buche in unserer Region nur noch auf gut wasserversorgten Standorten an- zutreffen sein. Die Fichte hingegen, die bei uns nur etwa vier Prozent des gesamten Baumbestands ausmacht (Buche 34%), werde ganz aus unseren Wäldern verschwinden. Die beiden Baumarten würden sich auf höhere oder weiter nördlich gelegene Stand- orte zurückziehen. Grosse Vielfalt Diese Veränderung trifft den Forst- dienst nicht vollkommen unvorberei- tet. Experten sagten schon vor der Jahrtausendwende voraus, dass das Klima in der Schweiz, je nach Stand- ort, zwei bis vier Grad wärmer werden würde. Deshalb begannen die Forst- betriebe schon vor einigen Jahren damit, wärmeliebende, trockenheits- tolerante Baumarten zu pflanzen. Dazu gehören alle Eichenarten, andere einheimische Baumarten wie Elsbeere, Nussbaum, Linden, Speierling oder der Schneeballblättrige Ahorn und als Ergänzung noch nicht heimische Baumarten wie Edelkastanie, Doug- lasie und Tieflandlärche. «Ziel ist eine

führt zu Folgeschäden wie Pilz- und Insektenbefall. Im absterbenden Holz suchen Spechte nach Insekten und bauen ihre Bruthöhlen, die dann die Struktur des Stammes schwächen. All diese Faktoren verstärkt mit der aktuellen Trockenperiode haben zum Umsturz des Baumes geführt. Es war ihm einfach zu viel. Kritische Bäume entfernt In der Umgebung eines beliebten und intensiv genutzten Rastplatzes wie jener «Am Rotengraben» muss ein sol- cher Vorfall ernst genommen werden. Man fragt sich, ob weitere Bäume um- sturzgefährdet sind. Um die Sicherheit der Bevölkerung nicht zu gefährden, beschloss die Forstequipe der Gemein-

Standorteignung

Klima um 2051–2080

Heutiges Klima: 1981–2010 a) Tanne

Simulierte Präsenz <30% der Modelle 30–60% der Modelle >60% der Modelle 50 km

b) Fichte

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c) Buche

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FONDATION BEYELER 29. 4. –2. 9. 2018

d) Traubeneiche

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Abbildung 3.7.7. Potenzialareale von Tanne (Abies alba, a), Fichte ( Picea abies, b), Buche ( Fagus sylvatica, c) und Traubeneiche ( Quercus petraea, d) unter heutigem (links) und zukünftigem (rechts) Klima. Die Modell-Ensembles basieren auf sechs statisti- schen Modellen, welche für das zukünftige Klima auf sechs Klimamodelle angewandt wurden (ergibt 36 Kombinationen). Für heu- tiges Klima gelten dieselben Farbcodes wie in Abbildung 3.7.4. Für zukünftiges Klima gilt: Blau= geeignete Habitatbedingungen in mindestens 22 Modellen; Grün= geeignete Standortbedingungen in 11–21 Modellen; Gelb= geeignete Standortbedingungen in höchstens 10 Modellen. Verändert aus Z IMMERMANN et al. (2014). Potenzialareale von Tanne, Fichte, Buche und Traubeneiche unter heutigem und zukünftigem Klima. Grafik: Aus «Auswirkungen des Klimawa dels auf den Wald» (Zimmermann et al. 2014)

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