Motion Control: Von Kraft zu präziser Bewegung

deutlich, weshalb sich maxon entschieden hat, auch eigene Elektronik zu entwickeln. Der entscheidende Punkt liegt jedoch an anderer Stelle: Ein Antriebssystem entfaltet sein volles Po- tenzial erst durch die optimale Abstimmung aller Komponenten – vom Getriebe über den Motor und die Sensorik bis hin zum Regler. Insbesondere bei hochintegrierten Lösungen ist dieser Punkt uner- lässlich. Wer das Maximum herausholen will, be- nötigt einen ganzheitlichen Systemoptimierungs- ansatz und muss alle Komponenten beherrschen. Entwicklung beginnt beim Kunden Am Ursprung einer neuen Plattform steht nicht die Technologie, sondern die Anwendung. Im Zentrum steht die Frage, wie für Kunden ein echter Mehrwert geschaffen werden kann, der ihnen gegenüber ihrer Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Das klingt einfach, wird jedoch durch die enorme Vielfalt der Anwendungen anspruchsvoll. Das Tä- tigkeitsfeld von maxon reicht von Medizintechnik über Robotik und Industrieautomation bis hin zu Mobilitätsanwendungen. Entsprechend unter- schiedlich sind die Anforderungen. Hinzu kommt die zeitliche Komponente. Der typische Lifecycle einer Servo-Drive- oder Motion- Control-Plattform beträgt sieben bis zehn Jahre. Eine Plattform darf deshalb nicht ausschliesslich für die Anforderungen von heute entwickelt wer- den. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie sich Kunden, Anwendungen und Märkte in den kom- menden Jahren verändern werden. Die grosse Kunst besteht darin, aus diesen teil- weise sehr unterschiedlichen Anforderungen einen grössten gemeinsamen Nenner zu formulieren, der sowohl technisch als auch kommerziell sinnvoll ist. Erst danach beginnt die eigentliche Auseinander- setzung mit den technischen Lösungsmöglichkeiten. Viele Perspektiven, ein Ziel Eine Plattform entsteht nicht in einer einzelnen Entwicklungsabteilung. «Wisdom of the Crowd» ist hier nicht Schlagwort, sondern Programm. Wir sind überzeugt, dass ein interdisziplinärer Ansatz zu besseren Lösungen führt. Im Lead steht das Produktmanagement, welches die Richtung vorgibt und gemeinsam mit den be- teiligten Fachbereichen die Weiterentwicklung des Produktes vorantreibt. Die globalen Sales-Spezia- listen sorgen für die Nähe zum Kunden und helfen dabei, die tatsächlichen Bedürfnisse und Pain Points der Anwender zu verstehen. Die Business Develop- ment Teams kennen die Anwendungen und Märkte, erkennen Synergien und identifizieren Potenziale für neue Produkte. R&D wiederum entwickelt die passenden technischen Lösungen – von Elektronik- Hardware über Embedded- und Application-Soft- ware bis hin zu den Regelungsalgorithmen. Erst wenn diese Perspektiven zusammenkom- men, beginnt die eigentliche Entwicklung.

Plattformen bilden die Basis für kundenspezifische Lösungen. Ihr Wert zeigt sich erst dann, wenn da- raus konkrete Kundenlösungen entstehen. Bewährte Basis, individuelle Lösung Nicht jede Anwendung lässt sich mit einem Stan- dardprodukt optimal abdecken. Gleichzeitig wäre es weder technisch noch wirtschaftlich sinnvoll, jede Lösung von Grund auf neu zu entwickeln. Ge- nau hier liegt die Stärke einer Plattform. Sie bildet eine bewährte Basis, auf der kunden- spezifische Anpassungen effizient umgesetzt wer- den können. Kunden profitieren dadurch von kür- zeren Entwicklungszeiten, kalkulierbaren Risiken und einer Technologie, die bereits in zahlreichen Anwendungen erprobt wurde. Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität, um spezifische Anforderun- gen umzusetzen und echte Differenzierungsmerk- male zu schaffen. Innovation ohne Bruch Die Entwicklung einer Plattform endet nicht mit ihrer Markteinführung. Während ihres gesamten Lebenszyklus wird sie kontinuierlich weiterent­ wickelt. Die Motion-Control-Welt lebt von inkrementel- ler Innovation. Kunden erwarten stabile Produkte und langfristige Verfügbarkeit. Gleichzeitig steigen die Anforderungen laufend – etwa in den Bereichen Miniaturisierung, Konnektivität, Sicherheit oder Softwarefunktionalität. Die Herausforderung liegt in der Verbindung von Innovation und Stabilität. Einerseits müssen neue Funktionen und Technologien ihren Weg in die Plattform finden. Andererseits erwarten Kun- den möglichst nahtlose Übergänge zwischen Pro- duktgenerationen und langfristige Investitionssi- cherheit. Deshalb setzt maxon auf regelmässige Firm- ware- und Software-Updates. Sie ermöglichen es, neue Funktionen und Verbesserungen einzuführen, ohne die Stabilität bestehender Anwendungen zu gefährden. So bleibt eine Plattform über viele Jahre hinweg relevant und entwickelt sich gemeinsam mit den Anforderungen ihrer Anwender weiter.

Zur Person Daniel Hug leitet den Bereich Motion Control Services bei maxon. In dieser Funktion verantwortet er die Weiter- entwicklung der Motion-Con- trol-Plattformen wie ESCON2 oder EPOS4.

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maxon insights # 1

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