AUS DEN UNTERNEHMEN
betreiben seit zwanzig Jahren in Hockenheim eine Pizze- ria. Ihr Partner Yoldas ist in Heidenheim geboren, aber sei- ne Eltern stammen aus dem türkischen Antakya. Er selbst ist zum Studium nach Mannheim gekommen und hat dort Zozan kennengelernt. „Seit Jahren kaufen wir unsere Ge- würze in der Heimat. Die Qualität, die wir hier bekommen, hat uns nicht ausgereicht“, sagt Insan. In der Corona-Pan- demie, Beide arbeiteten zu der Zeit in der Gastronomie, sei dann die Idee mit Antiochia entstanden: Direktimport von Produzenten aus den besten Anbauregionen. Der Name Antiochia ist die römisch-byzantinische Be- zeichnung für Antakya. „Antakya ist das Zentrum der Gewürzproduktion in der Türkei, da dort die klimatischen Bedingungen hervorragend sind. Von Antakya bis ins syri- sche Aleppo ziehen sich die weltweit größten Lorbeerplan- tagen hin“, erzählt Yoldas. Lorbeer wiederum ist Grundzu- tat für die bekannte Aleppo-Seife. Seifen und andere Kosmetika sind neben Gewürzen das zweite Standbein des Geschäfts. Sie sind auf einem anderen langen Holztisch ausgestellt. Produziert werden sie exklusiv in einem kleinen Familienunternehmen in der Türkei. Das Alleinstellungsmerkmal sowohl bei den Gewürzen als auch der Kosmetika sei das Gleiche: „hand- gemacht, chemiefrei, komplett natürlich“. Dem Nachhaltigkeitsgedanken sollen aber nicht nur die Produkte entsprechen. Antiochia folgt dem „Unverpackt- Prinzip“. Die Seifen haben nur eine Banderole aus Papier, Gewürze und Tees gibt es in Papiertüten und die flüssige Kosmetika in kleinen Glasflaschen. Und was macht die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells? Die Gründung sei sehr anstrengend gewesen und habe viel mehr Zeit gefressen als geplant. Alleine auf die Gewerbeanmeldung habe man ein halbes Jahr warten müssen, berichten die Gründer. „Wir hatten schon den Laden, konnten aber ohne Gewerbeschein nicht anfangen zu renovieren“, erinnert sich Yoldas, dem der Ärger auch heute noch anzumerken ist. So konnten die Beiden erst im Juli 2024 starten, mitten im Sommerloch. Doch schon das erste Weihnachtsgeschäft sei dann sehr vielverspre- chend gelaufen. Und in diesem Jahr ist Antiochia sogar auf dem Kapuzinerplanken-Weihnachtsmarkt vertreten. Dennoch: Die lange Phase bis zur Eröffnung habe an den Ressourcen gezehrt. Und die Umsätze wüchsen, aber langsamer als geplant. Auch das Online-Geschäft ziehe nur langsam an, da derzeit die Mittel für teures Online- Marketing fehlten. Ihren Elan lassen sich Zozan Insan und Meric Yoldas aber nicht nehmen. Dafür erleben sie viel zu häufig glückliche und zufriedene Kunden, auch wenn sie dafür die Ladentür nach Geschäftsschluss nochmals aufsperren müssen. MaS
Dr. Raphael Murswieck leitet zusammen mit Michael Stiller die Heydelberger GbR mit Sitz in Bammental.
Drei Fragen an… Dr. Raphael Murswieck Herr Dr. Murswieck, was ist die Idee hinter Heydelberger? Dr. Raphael Murswieck: Wir wollten von Anfang an ein Lernformat schaffen, das sich von klassischen Seminaren unterscheidet. Gerade im Medizinproduktbereich sind Viele Autodidakten, die ihr Wissen im Berufsalltag oder im Selbststudium erworben haben. Auf unserer Online- Plattform können sie sich in kurzer Zeit ihr Fachwissen überprüfen und zertifizieren lassen. Womit verdienen Sie Ihr Geld? Murswieck: Die Nutzer absolvieren zufallsgenerierte On- line-Prüfungen, die bei Erfolg mit Zertifikaten abschließen. Wer sich gezielt vorbereiten möchte, findet digitale Kurse, Arbeitshefte und Gesetzestexte für Hersteller und Anwen- der von Medizinprodukten. Für Prüfungen und Unterlagen erheben wir Gebühren. Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in der Zukunft? Murswieck: Derzeit sind wir mit einem Umsatz von rund 20.000 Euro nach wie vor ein kleines Unternehmen, aber eines mit großen Zielen. Ich sehe es als Chance, mit innovativen Lernformaten kreative Produkte zu testen und unser Angebot systematisch weiterzuentwickeln. JR
gh-antiochia.com
heydelberger.de
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IHK Magazin Rhein-Neckar 08 | 2025
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