IHK-Magazin Ausgabe 8/2025

AUS DEN UNTERNEHMEN

BERGER S2B Weltweit gefragt:

Dichtungen aus Mannheim Produktion und Service rund um Polymer- und Dichtungstechnik: Das ist das Kerngeschäft des Familienunternehmens in dritter Generation.

E igentlich war es ein Unter- nehmen gewohnt, seine Anlage lediglich alle sechs Monate herunterzufahren. Dann gab üblicherweise eine Dichtung den Geist auf und wurde ausgetauscht. Routi- ne, wie Karl-Friedrich Berger erklärt, geschäftsführender Gesellschafter der Berger S2B GmbH. Doch der gewohnte Ab- lauf geriet durcheinander, als die Dichtung im Zwei-Monats- takt defekt wurde. Sechsmal im Jahr ein Abschalten der

klar: „Der Teufel sitzt hier im Detail“. Sein Team fand heraus, dass der Lieferant im Halbzeug für die Dichtung eine von 30 Komponenten geändert hatte – und das reichte, um die Lebenszeit der Dichtung deutlich zu verkürzen. Kaum war wieder die alte Mischung im Spiel, funktionierte die Dichtung wieder. BergerS2B kann weit mehr als Service: Die Mannheimer betreiben einen Handel mit Waren rund um die Polymer-, Elastomer- und Dichtungs- technik. Und sie sind auf die Produktion von Dichtungen spezialisiert, die in vielen Branchen gebraucht werden: Bau- und Landmaschinen, Transport- oder Nutzfahrzeu- ge, Maschinen- oder Anlagen- bau, sowie im Bereich der Elektrik oder Mobilität. Nicht ohne Grund hat Karl-Friedrich Berger das traditionsreiche Unternehmen umbenannt: Jetzt heißt es Berger S2B GmbH. „Ich habe ein beson- deres Interesse an Marketing“, erklärt der Geschäftsführer. Daher baute er das Kürzel „S2B“ in den Namen der Firma ein. Es steht für „Service to Business“. „Damit heben wir uns am Markt ab“, so Berger weiter. Denn: Die „Beratungs- und Analysekompetenz“ sei ihre große Stärke, was die Geschichte mit der Dichtung illustriert. „Seit 45 Jahren bin ich in dem Unternehmen“, er- zählt er. Da habe er eine enor-

me Expertise im Polymer- und Dichtungsgeschäft aufgebaut. „Wie bei einem Rohdiamanten, der geschliffen wird.“ Diese Spezialisierung schlage sich auch in Checklisten mit bis zu 15 Seiten nieder, auszu- füllen vom Kunden. So lässt sich unter anderem die richtige Mischung der Elastomere bestimmen, die als Halbzeug geliefert werden. Es folgt das sogenannte Computer Aided Design-Verfahren: Der Kunde stellt eine spezielle Datei zur Verfügung, die darin enthal- tenden Daten steuern die Pro- duktion. Zum Beispiel an einer Wasserstrahlschneideanlage: Wasserstrahlen schießen mit 800 bis 900 Bar aus drei Dü- sen, die parallel exakte Löcher in eine grüne Elastomeren- Platte schneiden. Leuchtet ein rotes Licht an der Anlage auf, wird der Druck wieder erhöht. So entsteht eine Dichtung, die mehrere flüssige Medien passieren lässt. Und: Durch die enge Kooperation mit den Kunden sind maßgeschneider- te Lösungen möglich. Es gibt Kunden, die dem Un- ternehmen seit der Gründung 1930 die Treue halten. Damals riefen Karl und Maria Berger die Karl Berger & Co ins Leben; der Firmensitz befand sich in der Holbeinstraße in Mann- heim-Neuostheim. Die ersten Produkte waren Lederriemen sowie Dichtungen aus Leder und Pappe. Zu den Kunden

ZAHLEN UND FAKTEN

1930 gegründet 20 Mitarbeiter 10 Millionen Euro Umsatz

Maschine für 200.000 Euro – das begann ökonomisch zu schmerzen, weshalb das Unter- nehmen Berger einen Consul- ting-Auftrag gab. So suchte er nach dem Fehler, ohne die Dichtung selbst hergestellt zu haben. Für Berger war schnell

Blick in die Pro- duktion bei Berger S2B: ein sogenann- ter Schnellläufer (oben) und ein Ultraschallschneider (rechte Seite) in Aktion

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IHK Magazin Rhein-Neckar 08 | 2025

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