AUS DEN UNTERNEHMEN
PARFÜMERIE GODEL Beauty-Experte mit schwäbischen Wurzeln
Weniger als zwei Prozent aller Unternehmen erreichen laut Statistik ein Alter von 100 Jahren oder mehr. Die Parfümerie Godel gehört dazu. Und hat noch viele Pläne für die Zukunft.
M it einem Leiterwagen brachte Unternehmens- gründer Gustav Godel Mitte der 1920er Jahre sein wichtigstes Produkt Schmier- seife zu seinen Kunden. Es folgte eine erste Filiale in Stuttgart-Feuerbach. Sie be- steht bis heute und auch die Vermieterfamilie ist die gleiche geblieben. Die Bodenständig- keit und schwäbische Spar- samkeit des Unternehmens belegt ein Ausspruch von Schwiegertochter Emma, die nach dem Tod ihres Mannes Paul in den 1960er-Jahren die Geschäfte übernahm und der in der Familie gerne zitiert wird. Auf die Frage, wie das Weihnachtsgeschäft gelaufen sei, antwortete sie stets: „S‘ könnt besser sein…“ Auch nach 100 Jahren ist das Unternehmen im Besitz der Fa- milie Godel – doch inzwischen hat sie sich aus der operativen Geschäftsführung zurück- gezogen, die seit 2005 Franz Ende übernommen hat. Einen Wechsel gab es auch beim Stammsitz des Unternehmens. 2008 wurde dieser bei einer Zusammenführung verschie- dener eigenständiger Gesell- schaften, darunter auch der im Jahr 1970 übernommenen Drogerie Werner aus Heidel- berg, nach Sandhausen verlegt. 14 Standorte im Rhein-Neckar- Raum und der Region Stuttgart gehören heute zum Unter- nehmen. Im Fokus stehen der Verkauf exklusiver Marken,
die individuelle Duftberatung, kosmetische Behandlungen sowie ein stetig wachsendes Online-Angebot. „Marken sind für uns extrem wichtig“, sagt Geschäftsführer Ende. Sie seien „der Schlüssel für den Kontakt zu unseren Kunden“. Mit Produkten von Marktfüh- rern wie „Chanel“ oder „L’Oréal Luxe“ machen die Filialen der Parfümerie den meisten Um- satz. An der Spitze liegt dabei die „Pflegende Kosmetik“ mit einem Anteil von 60 Prozent, gefolgt von dem Verkauf von Parfüms und dekorativer Kos- metik wie Make-up. Es sind dabei vor allem die Stammkundinnen und Stamm- kunden, auf die der Beauty-Spe- zialist setzen kann. Ihr Anteil liegt bei 85 Prozent und ihre Treue wird mit Kundenevents – häufig in enger Zusammen- arbeit mit Experten aus den führenden deutschen und inter- nationalen Kosmetikkonzernen – belohnt. Auch die kosmeti- schen Behandlungen, die in einigen der Filialen angeboten werden, dienen vor allem der Kundenbindung. „Dieses Ange- bot trägt maximal fünf Prozent zu unserem Gesamtumsatz bei“, so Ende. „Verdienen können wir damit nicht.“ Das ist beim Online-Geschäft anders. Nach einem fehlgeschlagenen ersten Versuch hat Godel 2019 einen eigenen Online-Shop auf- gemacht und verdankt dieser Entscheidung inzwischen rund die Hälfte seiner Einnah-
men. Abgewickelt werden die E-Commerce-Bestellungen mit eigenem Personal am Stamm- sitz in Sandhausen. Insgesamt zählt das Unternehmen rund 120 Mitarbeiter. Seit 2016 ist die Parfümerie Godel Mitglied der Beauty Alliance Deutschland in Le- verkusen, einem der größten Unternehmensverbünde in- habergeführten Parfümerien in Deutschland, die 153 Parfümerie-Einzelhänd- ler mit etwa 900 Standorten vertritt. Und wie sieht die Zu- kunft aus? An einer weiteren Expansion durch Übernahme von inhabergeführten Par- fümerien und Drogerien, so Ende, sei man durchaus inter- essiert. „Aber es muss zu uns passen.“ uc
Franz Ende führt zusammen mit Erika Godel die Paul Godel GmbH & Co. KG mit Sitz in Sandhausen.
1884 kommt Fougère Royale auf den Markt: Das erste moderne Parfüm, da hergestellt mit synthetischen Stoffen. QUELLE: LES MUSÉES DE GRASSE
parfuemerie-godel.de
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IHK Magazin Rhein-Neckar 08 | 2025
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