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«NICHT MEIN PROBLEM!»

Helen im Spital

nen. Ausserdem sollte man die Landessprache, beispielsweise Französisch oder Eng- lisch, gut beherrschen. Wie war dein Anfang im Einsatzland, wie hast du dich ver- ständigt? Gleich am Anfang stand das Sprachstudium neben der Ein- führung in die medizinische Arbeit imVordergrund. Mit dem Pflegepersonal konnte man Französisch sprechen. Ich arbeite- te zuerst in einem Gesundheitszentrum, wo man mit ca. acht verschiedenen Sprachen zu tun hatte. Wie war ich stolz, als ich das erste Mal erkannte, welche Sprache die Person redet und ich den «richtigen» Übersetzter holte! Damals konnte kaum jemand im Dorf Französisch und ich fühlte mich iso- liert. Die Leute waren es aber gewohnt, Umgang mit Anders- sprachigen zu haben und es gibt viel aussagekräftige Gesten. Aber auch die muss man zuerst mal lernen. Hast du eine Strategie entwickelt, die Sprache anders zu ler- nen? Ja, ich habe dann aber auch entdeckt, dass ich Sprachen über das Hören lerne. Das heisst, wenn ich die «Melodie» einer Sprache im Ohr habe, geht es relativ schnell. Das hat mich damals enorm ermutigt. Ich wusste bis dahin nicht, dass das Erlernen einer Sprache auch Spass machen kann! Mit all deiner Erfahrung, was würdest du Interessent/innen in Bezug auf Sprachen mit auf den Weg geben? Ich hatte die Möglichkeit, eine interkulturelle Mitarbeiterin zu besuchen und so einen kleinen Einblick zu bekommen. Das hat mir sehr geholfen in der Vorbereitung und später in den ersten Wochen, weil nicht mehr alles zu 100 % neu war. Das würde ich allen empfehlen, die sich längerfristig enga- gieren wollen. Wer nur für einige Wochen/Monate ausreist, sollte gut Französisch oder Englisch können, je nach Land. Sonst ist der Frust gross, wenn man sich nicht gut verstän- digen kann. Ich merke aber auch, dass die jungen Leute heute viel mehr Kontakte mit Personen aus einem anderen Kulturkreis ha- ben und auch sonst viel ins Ausland reisen. So ist es für sie vielleicht leichter als früher, sich in einer neuen Kultur zu- rechtzufinden.

Ein Interview mit Helen M. über fehlende Sprach- kenntnisse, Mut und Lernbereitschaft.

Als die Idee kam auszureisen – welche Gedanken hast du dir da betreffend eigener Grenzen gemacht? Ich war erst 24 Jahre alt, als ich mich vorbereitete. Ich war einfach erstaunt, dass Gott mich im Ausland haben wollte. Ich dachte immer, dass ich dafür nicht geeignet wäre. Kam die Angst auf, dass deine Sprachfähigkeiten zum Pro- blem werden könnten? Ja! In der Schule war ich im Französisch fast die Schlechteste! Was hast du unternommen? Ich habe mir gesagt, wenn Gott mich berufen hat, ist es auch sein Problem, mir zu helfen, die Sprache zu erlernen. Das ist übrigens jetzt noch so. Wie hast du dein Umfeld wahrgenommen, wie haben Freun- de und Familie reagiert? Die Leute dachten, das sei einfach eine verrückte Idee einer jungen Frau: ihren gut bezahlten Beruf aufzugeben und nach Afrika zu gehen. Hast du noch an deinen Französischkenntnissen gearbeitet, bevor du ausgereist bist? Ich hatte bereits einWelschland-Jahr hinter mir, besuchte aber noch einen Intensivkurs in Neuenburg. Anschliessend waren alle Vorbereitungskurse für den Einsatz in Französisch. Da gab es dann öfter noch ein «Schwimmfest».

Hast du auch noch einen Kurs gemacht, wie man afrikanische, oft ungeschrie- bene Sprachen lernen kann (z.B. Pres- tolingua)? Ja, bei der SIL¹. Der Kurs betraf alle Sprachen der Welt. Man lernte alle Laute, die existieren, und auch wie man sie schreibt. Der Kurs hat mir enorm ge- holfen, auch jetzt noch profitiere ich davon!

Kann man sich ü b e r h a u p t auf das, was kommt, vor- bereiten? Ja. Man sollte sich so gut wie möglich vorbereiten (Kurse, Bücher über Kultur lesen etc.) Es gibt auch so noch sehr viel Neues zu ler-

Helen M. Hebamme und Engagierte Gesund- heitsprävention Tschad

¹ SIL = Seminar für Sprache und Kultur, https://www.sil.org/program/ssk

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