DIE SCHÖNSTEN HISTORISCHEN BAHNHÖFE EUROPAS WO AUSSTEIGEN GLÜCKLICH MACHT
stantinopel. Und noch ein bekannter Zug nahm am Pariser Ostbahnhof seinen Anfang: der von der russischen Staatsbahn betriebene Nachtzug Paris–Moskau. Der nach Süden ausgerichtete Bahnhof Gare
Bahnhöfe sind magische, zauberhafte und zugleich traurige Orte. Die Tränen des Abschieds mischen sich mit denen der Freude über eine schöne Reise in die Ferne. Hier sind große Gefühle zu Hause. Mit ihren hohen Türmen und riesigen Hallen erinnern
alte Bahnhöfe an Kirchen. In diesen imposanten Kathedralen des Fort- schritts wurde dem Glauben an die Technik gehuldigt, den Eisenbahn- gesellschaften war das viel Geld wert. Betritt man einen Bahnhof, so lässt man die Vergangenheit zurück, um sich der Zukunft zuzuwenden. Jede Bahnreise führt zu neuen Zielen – so ist das auch heute noch. PARIS Man könnte sie als die Königin der Städte mit wunderschönen Bahn- hofsbauten bezeichnen: Von den sechs Pariser Kopfbahnhöfen sind drei ganz besonders herausragend. Der Gare du Nord galt lange Zeit als Schmuddelkind, trotz seiner majestätischen Fassade. Von zwie- lichtigen Gestalten und Leichen in den Schließfächern sprach gar der Schriftsteller Georges Simenon, dessen Kommissar Maigret auch hier ermitteln musste. Heute ist der Gare du Nord ein europäischer Vorzei- gebahnhof. Mehr als 670000 Reisende pro Tag nehmen von hier einen Zug nach London, Amsterdam, Brüssel oder Köln, darunter sind so klingende Namen wie Eurostar und Thalys. Nicht weit entfernt liegt der 1849 eröffnete Ostbahnhof, Gare de l’Est. Von hier geht es ins Elsass nach Straßburg, aber auch in den Raum Frankfurt am Main und nach Süddeutschland. Der Bahnhof hat mehrmals Geschichte geschrieben: 1867 empfing dort Kaiser Napo - leon III. den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. Am 4. Oktober 1883 startete hier der erste Zug des Orient-Express mit dem Ziel Kon-
de Lyon mit seinem riesigen Uhrenturm repräsentiert die PLM, die be- deutendste französische Eisenbahngesellschaft des späten 19. Jahr- hunderts: Die Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Mé- diterranée . Was wir heute bestaunen, ist bereits ein Neubau, der zur Weltausstellung 1900 in Paris besonders prächtig ausfallen sollte. Dazu passt das bekannte Bahnhofsrestaurant »Le Train Bleu« mit sei- ner prunkvollen, denkmalgeschützten Belle-Époque-Ausstattung. Es wurde von Marius Toudoire entworfen, die 41 Gemälde im Inneren wur- den bei 30 Malern in Auftrag gegeben und stellen vor allem die Städte und Regionen dar, die das Bahnnetz der PLM einst mit Paris verband. LONDON Auch die britische Metropole besitzt mehrere Hauptbahnhöfe. Neben Victoria Station lohnt sich ein Blick auf St. Pancras International. Ein Uhrenturm dominiert das im neugotischen Stil errichtete Empfangsge-
BAHNHÖFE SPIEGELN EISENBAHNGESCHICHTE. Moderne Hallen mit Hochgeschwindigkeitszügen wie in Mailand (oben) stehen Bauwerken gegenüber, die Alt und Neu miteinander vereinen. Beim Londoner Bahnhof St. Pancras stammen Teile des Empfangsgebäudes noch von 1863, die Bahnsteige und eine Shoppingmall sind aus diesem, noch jungen Jahrhundert.
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