beyond 02|2025

IM FOKUS – Armut erkennen, Chancen eröffnen

Armutssensibles Handeln mit Fokus auf betroffene jun ­ ge Menschen und deren Familien zielt darauf ab, die spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen von Armut betroffenen Kindern und Jugendlichen zu erken ­ nen und angemessen sowie ressourcenorientiert darauf zu reagieren. Es handelt sich dabei nicht um eine zusätz­ liche Aufgabe, sondern um eine Kompetenz pädagogi­ scher Fachkräfte. Armutssensibles Handeln mit Fokus auf die Einrichtun­ gen bedeutet, Armutssensibilität nicht als einmalige Zusatzaufgabe, sondern als einen Prozess zu verstehen. Dieser soll auf verschiedenen Ebenen angestoßen und systematisch umgesetzt werden, um Zugänge für eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen bzw. Barrie­ ren abzubauen. Fazit Maria und Elias stehen stellvertretend für Millionen Menschen in Deutschland, die nicht an fehlender Eigen­ verantwortung scheitern, sondern an Strukturen, die ihnen das Leben schwer machen. Armut bedeutet nicht nur weniger Geld im Portemonnaie, sondern weniger Chancen, weniger Teilhabe und weniger Zukunft. Wenn wir wollen, dass junge Menschen wie Elias nicht ihr Leben lang über zahlreiche Hürden stolpern, sondern selbstbestimmt und gleichberechtigt ihren Weg gehen, dann geht es nicht um ihre persönliche Zukunft, son­ dern um die Zukunft unserer Gesellschaft. Denn eine Gesellschaft, die Millionen Kinder in Armut zurücklässt, schwächt nicht nur deren Chancen, sondern gefährdet ihre eigene demokratische Ordnung. Es braucht politi­ sche Entschlossenheit und armutssensibles Handeln in allen Einrichtungen, damit jedes Kind eine Chance bekommt, frei zu sprinten.

Verbesserung der finanziellen Lage der armutsgefähr ­ deten Familien insgesamt und der Kinder und Jugend­ lichen im Besonderen. Darüber hinaus soll der Bund – als Garant der Verwirklichung der Kinderrechte auf der Basis der UN-Kinderrechtskonvention (zum Beispiel Grundversorgung, Bildung, Spiel und Erholung, gesun­ des Aufwachsen und Schutz) – strukturelle Teilhabe­ defizite ausgleichen und allen Kindern gleichwertige Lebensbedingungen ermöglichen. Auf der Landesebene kommt der Bildungspolitik eine zentrale Bedeutung zu. Es ist auch eine Länderaufgabe, die Armutsbekämp­ fung zu einem politischen Ziel zu erklären und ihre Kommunen in die Lage zu versetzen, Familien, Kinder und Jugendliche durch eine kohärente armutssensib­ le Politik an wichtigen Übergängen präventiv zu unter ­ stützen. Der Kommune kommt die zentrale Bedeutung als Lebensort der jungen Menschen sowie als Garant der sozialen Daseinsvorsorge zu. Schlüssel zum Erfolg sind die lückenlose Verzahnung und Vernetzung der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, flächendeckende Sozialberatungsangebote, zielgruppenorientierte und bedarfsgerechte Quartiers- und Generationsprojekte sowie ein abgestimmtes Konzept zur Unterstützung der Kinder- und Jugendlichen, beginnend mit frühen Hilfen und bis hin zu beruflicher Qualifizierung. Armutsfolgen kann am besten auf kommunaler Ebene, insbesondere in Bildungseinrichtungen sowie in Einrich­ tungen der Kinder- und Jugendhilfe entgegengewirkt werden. Dabei ist die Rolle von pädagogischen Fachkräf­ ten zentral, die direkt mit von Armut betroffenen Kindern, Jugendlichen und deren Familien arbeiten. Armutssensi­ bilität stellt dabei eine Voraussetzung für Bekämpfung der Armutsfolgen dar. Für eine praktische Umsetzung ist die Unterscheidung zwischen Armutssensibilität als eigenständige Kompetenz pädagogischer Fachkräfte und als Qualitätsmerkmal auf struktureller Ebene der (Bildungs-)Einrichtungen für junge Menschen hilfreich:

Kontakt Dr. Irina Volf Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. Frankfurt a.M. Direktorin, Bereichsleitung Armut www.iss-ffm.de

10

Made with FlippingBook - Online catalogs