IM FOKUS – Armut erkennen, Chancen eröffnen
Es ist wichtig, dass junge Menschen auch Erfahrungen außerhalb ihrer gewohnten Umgebung im Quartier ma chen können. Insbesondere die Einrichtungen der OKJA können hierzu durch ihre Nähe zu den jungen Menschen in ihrem Milieu, ihrer Lebenswelt- und Sozialraumori entierung und der Partizipation junger Menschen einen besonderen Beitrag leisten und über diese Wege die Neugier auf Auslandsbegegnungen und -erfahrungen wecken.
oder weniger internationale Erfahrungen und sind damit auch von Prozessen abgehängt, die sie persönlich und für ihre berufliche Entwicklung qualifizieren könnten. Die Teilhabebarrieren werden höher und das Gefühl der strukturellen Benachteiligung steigt. Das macht sich dann auch bei vermeintlich banalen Rahmenbedingun gen bemerkbar. Einige von Armut betroffene Eltern bzw. Familien haben Sorge, dass ihre Kinder nicht über eine adäquate Ausstattung z. B. bei der Kleidung verfügen. Neben der finanziellen Belastung werden dann auch aus Scham Möglichkeiten von mehrtägigen Aufenthal ten außerhalb der Familie nicht weiterverfolgt, erst recht, wenn es sich um Aufenthalte im Ausland handelt. Der artige Hindernisse werden häufig unterschätzt, weil es die meisten Menschen für selbstverständlich halten, für eine Reise vernünftig ausgestattet zu sein. Es bedeutet aber auch, dass die bestehenden Potenziale vieler junger Menschen nicht gefördert, bzw. auch nicht in die Inter nationale Jugendarbeit eingebracht werden können. Dies gilt beispielsweise für die Potenziale junger Menschen mit Migrationsgeschichte. Die BAG Offene Kinder- und Jugendarbeit ist deshalb über den Abbau von Hindernis sen und die Einbindung der Potenziale besonders daran interessiert, die Ressource der Internationalen Jugendar beit auch für junge Menschen zu ermöglichen, die hier von abgehängt sind, bzw. sich hiervon abgehängt fühlen. Die Abgehängten wieder reinholen beyond: Wenn man sich in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit umschaut, fragt man sich unwillkürlich, ob die jungen Menschen nicht etwas ganz anderes brauchen als unbedingt einen Auslands aufenthalt. Volker Rohde: Selbstverständlich werden strukturelle Teilhabebenachteiligungen nicht allein durch verbes serte Chancen bei Auslandsaufenthalten beseitigt. Aller dings können über die Kinder- und Jugendarbeit bewirk te verbesserte Teilhabemöglichkeiten einen wichtigen Beitrag für bessere Entwicklungsmöglichkeiten leisten. Dazu gehören dann beispielsweise neben der Teilhabe an Bildungsmöglichkeiten oder an Angeboten der Stadt gesellschaft auch die Chance zur Teilhabe an Auslands aufenthalten und internationalen Kontakten und Begeg nungen.
beyond: Was kann getan werden, um diese Neugier zu wecken?
Volker Rohde: Ausgangspunkt sollte es sein, vor Ort in den Einrichtungen das Interesse und die Neugier auf Auslandskontakte zu wecken, indem eigene Erfahrungen oder spezielle Vorstellungen hierzu mit den jungen Men schen thematisiert werden und die Mitarbeiter*innen selbst „Lust“ auf internationale Maßnahmen haben. Ei gene Auslandsaufenthalte oder Erfahrungen aus Migra tionszusammenhängen können hierzu gut aufgegriffen werden. Ebenso der offene Umgang, wo Hindernisse bestehen und wie diese überwunden werden können. Um daraus gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen zu entwickeln, benötigt es die Unterstützung des Trägers, entsprechende finanzielle Ressourcen und Informati onen über Partnerschaftsmöglichkeiten im jeweiligen Land sowie Fördermöglichkeiten, um auch in finanziell benachteiligte Strukturen attraktive Angebote entwi ckeln zu können. Zu den Gelingensbedingungen zählt meines Erachtens allerdings auch, das Bewusstsein über die Bedeutung der Teilhabechancen für junge Menschen aus benachteiligen Verhältnissen durch niedrigschwelli ge internationale Maßnahmen für und mit jungen Men schen zu entwickeln und umzusetzen und hierfür die Vo raussetzungen auf allen Ebenen zu schaffen.
Kontakt Volker Rohde Bundesarbeitsgemeinschaft Offene Kinder- und Jugendarbeit Geschäftsführer Mail: volker.rohde@bag-okja.de
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