IM FOKUS – Armut erkennen, Chancen eröffnen
Marie Kaiser: Unsere Beratungsgespräche sind auch immer ein Prozess. Wir fragen nach, ob sich eine Person auch etwas anderes vorstellen kann, als ins Ausland zu gehen, wenn wir den Eindruck haben, dass es noch zu früh ist.
Monique: Ich kann heute schneller akzeptieren, dass Menschen etwas Gutes wollen. Etwas wie die Kreuzber ger Kinderstiftung war weit weg von meiner Realität. Ich bin von Heim zu Heim durchgereicht worden und war ei gentlich allen egal. Was ich gelernt habe, möchte ich als Erzieherin weitergeben. „Wir begleiten alle Stipendiat*innen individuell“ beyond: Wie macht ihr das? Wie unterstützt ihr konkret? Marie Kaiser: Das Careleaver-Weltweit-Stipendium wur de zusammen mit Careleavern geschrieben. Dabei wur den die ganz spezifischen Bedarfe deutlich. Das kann zum Beispiel das Geld für einen Lagerraum sein, in dem persönliche Gegenstände während der Zeit im Ausland eingelagert werden können oder die Begleitung zum Flughafen durch eine*n Mentor*in am Tag der Abreise. Bei uns werden aber auch die Stipendienentscheidun gen partizipativ durch unser Auswahlgremium getroffen. Angelina: Ich bin Teil des Auswahlgremiums. Gemein sam treffen wir im Team Entscheidungen individuell und fair, auf jede Person zugeschnitten. Da wir selbst alle Stipendiat*innen waren, kennen wir die unterschied lichen Herausforderungen und Hürden aus eigener Er fahrung – und können daher differenzierter urteilen.
beyond: Könnt ihr Beispiele für die Unterstützung geben?
Monique: Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich, wäh rend ich in den USA war, meine Wohnung an einen Freund untervermietet habe, der dann einfach die Miete nicht bezahlt hat. Ohne die Unterstützung vom Stipen dium hätte ich bei meiner Rückkehr ohne Wohnung da gestanden. Früher hätte ich in einer solchen Situation aufgegeben, aber so habe ich durchgehalten. Marie Kaiser: Wir begleiten alle Stipendiat*innen in dividuell. Außerdem bekommen sie jeweils eine*n ehrenamtliche*n Mentor*in an die Seite gestellt. So wird die Begleitung noch persönlicher und es kann auf die ver schiedensten Bedarfe eingegangen werden. Das reicht vom Teilen positiver und negativer Erfahrungen bis hin zum Lösen von Problemen mit Behörden oder auch einer gemeinsam geschriebenen Packliste. Was wichtig ist: Alle unsere Mentor*innen waren selbst im Ausland und ken nen die Probleme, die auftauchen können. Was so bei uns im Stipendium entsteht, ist eine Unterstützung, die internationale Mobilität erst möglich macht.
beyond: Das bedeutet auch, dass ihr manchmal Anträge ablehnen müsst?
Kontakt Marie Kaiser Kreuzberger Kinderstiftung Mail: kaiser@kreuzberger-kinderstiftung.de www.kreuzberger-kinderstiftung.de
Angelina: Ja, im Zweifelsfall leider schon – und das ist nie ein schönes Gefühl. Dennoch versuchen wir, die Person zu ermutigen, nicht aufzugeben und ihren eigenen Weg weiterzugehen.
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