IM FOKUS – Armut erkennen, Chancen eröffnen
INTERVIEW
Ein eigenes Bett ist das Paradies
Erfahrungen mit Jugendaustausch in Portugal und der Slowakei
Bruno Miguel Costa Batista ist Jugendarbeiter in Lissabon, Dominika Goghova ist Jugendarbeiterin in Bratislava – die entgegengesetzten Enden von Europa. Bruno arbeitet mit jungen Menschen und Einwander*innen aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien, Dominika mit jungen Menschen aus benachteiligten Gemeinschaften, darunter viele Roma. Gewalt, Drogen, Armut und Ausgrenzung sind Teil des Lebens dieser jungen Menschen. Aber der Jugendaustausch motiviert sie, etwas zu ändern. Bruno sagt: „Der Jugendaustausch gibt ihnen ihre Würde zurück.“
beyond: Dominika, Bruno, beschreibt uns doch bitte, was ihr macht.
Gemeinschaftsveranstaltungen zu organisieren, damit sich die Anwohner*innen treffen und Zeit miteinander verbringen können, aber wir versuchen auch, gemein sam mit ihnen das Umfeld besser und schöner zu gestal ten. So haben wir beispielsweise den ersten Spielplatz in der Nachbarschaft gebaut, aber wir organisieren auch regelmäßig Gemeinschaftsaktionen zur Säuberung der Umgebung. Mir liegt der Jugendaustausch besonders am Herzen. Wir sind Teil des Netzwerks der e.p.a. (European Playwork Association). Innerhalb dieses Netzwerks organisieren wir Jugendaustausche mit sieben Ländern. Der Jugend austausch findet immer in einem dieser Länder statt und wird von Erasmus+ gefördert. Ein Jahr lang bereite ich junge Menschen auf den Austausch vor. So entsteht Ver trauen. Die jungen Menschen wissen, dass sie mir ver trauen können und ich weiß, dass ich mich auf sie ver lassen kann. Bruno Miguel Costa Batista: Ich bin Mitglied der Ju gendorganisation Eco-Estilistas. Wir sind im Stadtteil Chelas-Marvila aktiv, dem zweitgrößten Stadtteil Lissa bons. Unsere Organisation wurde von sieben Frauen mit dem Ziel gegründet, die Lebensbedingungen der dort lebenden Gemeinschaft zu verbessern. Die meis ten Menschen, die hier leben, stammen aus ehemaligen
Dominika Goghova: Ich arbeite für Ulita, eine NGO, die ein niedrigschwelliges Zentrum im Stadtteil Kopčany in Bratislava betreibt. Es ist ein etwas spezieller Stadtteil mit Wohnblöcken und Sozialwohnungen. Hier leben hauptsächlich Menschen mit schwierigen sozialen Be dingungen. Die Sozialwohnungen sind eigentlich nur als Übergangslösungen gedacht, die Bewohner*innen soll ten nach maximal fünf Jahren wieder ausziehen. In der Praxis funktioniert das aber nicht und sie bleiben dauer haft. Viele von ihnen sind Roma. Mit Freiwilligen bieten wir Hausaufgabenbetreuung an, schaffen einen sicheren Raum ohne Gewalt und Bedro hungen und sind Ansprechpartner*innen von jungen Menschen, wenn sie Probleme zu Hause oder in der Schule haben oder sich das erste Mal verliebt haben. Wir haben auch ein Programm für die Eltern, helfen ihnen, wenn sie sich um eine Arbeitsstelle bewerben und be raten sie beim Umgang mit Behörden. Wir leisten auch Straßensozialarbeit und verleihen Sport- und Freizeit geräte wie Fahrräder und Skateboards. Wir verbringen Zeit mit Kindern und Jugendlichen aus der Nachbarschaft und sprechen mit ihnen über alles, was in ihrem Leben passiert. Ein Teil unserer Arbeit besteht auch darin,
22
Made with FlippingBook - Online catalogs