beyond 02|2025

Bei einem Jugendaustausch ist für Grundbedürfnisse wie regelmäßige Mahlzeiten gesorgt – und alle Teilnehmenden werden gleich behandelt. Im Lebensalltag vieler Jugendlicher ist das keine Selbstverständlichkeit.

mit recycelter Kleidung. Außerdem haben wir ein gene­ rationsübergreifendes Projekt, in dem junge Menschen von älteren Menschen lernen können und umgekehrt. Unsere gesamte Arbeit basiert auf Freiwilligenarbeit, die seit all den Jahren erfolgreich läuft. „Über mehrere Generationen ist es uns gelungen, Vertrauen aufzubauen“ beyond: Dominika, wie erreicht ihr junge Roma? Ich kann mir vorstellen, dass nicht alle Eltern davon begeistert sind. Dominika Goghova: Wir haben unterschiedliche Grup­ pen von Roma im Stadtteil, einige sind offener, andere traditioneller. Das heißt: Mit einigen ist es einfacher zu arbeiten, mit anderen schwieriger. Über mehrere Gene ­ rationen ist es uns gelungen, Vertrauen aufzubauen. Sie verstehen, dass wir keine Gefahr für sie darstellen. Die Einrichtung eines niedrigschwelligen Zentrums direkt im Stadtteil ist sehr wichtig. Wir haben zu Zeiten geöffnet, in denen die Menschen uns dort brauchen, und bieten eine Vielzahl von Aktivitäten an, darunter Hausaufgaben ­ hilfe, Tanzkurse und kostenlose Clubs – ohne Anmelde­ pflicht und ohne die Notwendigkeit, regelmäßig an den Aktivitäten teilzunehmen. Viele Aktivitäten außerhalb des Stadtteils sind für die Kinder und Jugendlichen, mit

Kolonien und wurden nach Chelas umgesiedelt, nach­ dem ihre Hütten und kleinen illegalen Holzhäuser – be­ kannt als Barracas – abgerissen wurden. Wir haben eine Mischung aus verschiedenen Kulturen, aber auch Proble­ me mit Gewalt, Drogen und unterschiedlichen Religionen. Die Gründerinnen unserer Organisation begannen mit Recyclingarbeiten, um die Nachbarschaft von dem Müll zu befreien, der unsere Häuser überschwemmte, um die Bewohner*innen zu sensibilisieren und andere zu moti­ vieren, Bäume und Blumen zu pflanzen, um die Nachbar ­ schaft schöner zu machen – es gab nichts, keine Parks, keine öffentlichen Grünflächen, in denen die Menschen gerne Zeit verbrachten. Junge Menschen schlossen sich ihnen an und halfen mit. Im Jahr 2009 gründeten wir offi ­ ziell die Jugendhilfsorganisation Eco-Estilistas, um uns für bessere Chancen und Lebensbedingungen für die nächs­ ten Generationen einzusetzen. Zu unseren Aufgaben gehört beispielsweise die Verbesse ­ rung der Kommunikationsfähigkeiten junger Menschen, wofür wir den ersten Online-Radiosender für Jugendliche in Lissabon gegründet haben. Die Jugendlichen haben ihre eigenen Sendungen, schreiben ihre eigenen Skrip­ te und lesen sie vor. Das funktioniert besser als in der Schule. Wir beschäftigen uns auch mit dem Recycling ver­ schiedener Abfallarten, die in der Nachbarschaft reich­ lich vorhanden sind, und veranstalten Modenschauen

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