beyond 2|2025
am meisten. Wir bereiten unsere Jugendlichen ein Jahr lang auf den Austausch vor und ich kann sehen, wie un geheuer motiviert sie sind. Wir arbeiten gemeinsam an der Vorbereitung des Workshops zum Thema Austausch, an einem Kulturprogramm und an einem Video, um die Gruppe und die Stadt, aus der wir kommen, vorzustellen. Diese wöchentlichen Treffen geben uns die Möglichkeit, einen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe zu schaffen, andere Lebensfragen zu diskutieren und bei Bedarf Hilfe anzubieten. Zum Beispiel, um einen Psychologen zu kon taktieren oder bei der Prävention von Schulabbruch zu helfen. Sie sind sehr motiviert, dorthin zu gehen, und das ist eine große Motivation für sie, sich aus Schwierigkeiten herauszuhalten. Der Austausch gibt uns auch die Möglichkeit, über The men zu reden, mit denen sie sonst nie in Kontakt kämen – über Kinderrechte zum Beispiel, über Menschenrechte oder Probleme in der Welt. Außerdem machen die Ju gendlichen Fortschritte beim Englischlernen. Das haben sie zwar in der Schule, aber weil sie nie aus dem Stadtteil rauskommen, haben sie keinen Grund es anzuwenden. Sie schließen Freundschaften oder verlieben sich sogar und bleiben lange in Kontakt miteinander. Es ist nicht leicht, sie wieder auf zuhause vorzuberei ten. Der Austausch könnte für sie ewig dauern, aber sie müssen zurück. Da fließen oft Tränen. Wir brauchen ein Jahr, um sie vorzubereiten und dann müssen wir sie auf zuhause vorbereiten. Aber die Beziehung zwischen uns ist nach dem Austausch noch stärker geworden, und die Teilnehmer*innen des Austauschs engagieren sich oft viel mehr für die Belange der Gemeinschaft und werden zu Vorbildern für die Jüngeren. Auf diese Weise wirken sich die Austausche nicht nur auf die Teilnehmenden selbst aus, sondern auch auf ihre Familien und andere Mitglieder der Nachbarschaft.
ich an einem ersten Austausch teilgenommen – das war ein Wendepunkt in meinem Leben. Es hat meinen Hori zont erweitert und ich habe viel darüber gelernt, wie an dere Probleme lösen – Probleme, die ich auch hatte. Seit dem organisiere ich selbst Jugendaustausche und erlebe, wie andere diese Erfahrungen machen. Sie gewinnen neue Freunde und kommunizieren – selbst dann, wenn sie keine gemeinsame Sprache haben. Wovon profitieren junge Menschen am meisten? Der Ju gendaustausch gibt ihnen ihre Würde zurück. Zuhause haben sie oft Hunger, ihr Leben fokussiert sich auf den Bauch. Wie ist es möglich, mit jungen Menschen, die hungrig sind, in Würde zu spielen? Bei einem Jugendaus tausch bekommen sie drei Mahlzeiten am Tag. Sie kön nen in einem eigenen Bett schlafen und müssen es sich nicht mit zwei, drei anderen teilen. Und in einem Jugend austausch sind alle gleich, niemand wird bevorzugt oder benachteiligt. Das sind nahezu paradiesische Bedingun gen. Diese Erfahrung hat Auswirkungen auf ihr Leben zu Hause, sie sind selbstbewusster, sie arbeiten besser.
Dominika Goghova: Tatsächlich verändert der Aus tausch das Leben junger Menschen, davon profitieren sie
Kontakt Dominika Goghova Mail: dominika.goghova@ulita.sk
Bruno Miguel Costa Batista Mail: brunobatista@ecoestilistas.pt
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