IM FOKUS – Armut erkennen, Chancen eröffnen
Ich packe meinen Koffer und nehme mit … … alles, was ich nicht habe
Manuela Demel
So, oder so ähnlich ging es vielen jungen Menschen, die wir in den letzten drei Jahren dazu ermutigt haben, ins Ausland zu gehen. Unser Vorhaben: junge Menschen mit Armutserfahrungen und anderen Hürden ins Ausland zu bringen. Unsere Zielgruppe: junge Menschen, die wir als freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe in unseren verschiedenen Projekten und Einrichtungen betreuen. Dazu zählen unter anderem Einrichtungen der stationären Jugendhilfe sowie der Jugendberufshilfe. Unsere Herausforderungen: sichtbare und unsichtbare Hürden.
Ohne Koffer keine Reise Die Entscheidung, sich auf ein Angebot im Rahmen unse rer internationalen Jugendarbeit einzulassen, fällt unse ren jungen Menschen nicht leicht. Die Möglichkeiten, die angeboten werden, sind vielfältig: Kurz- und Langzeit projekte, niedrigschwellige Angebote, unterschiedliche thematische Schwerpunkte und die Chance, passende Formate zu entwickeln. Aber: Ohne Koffer keine Reise. Es sind diese praktischen, teilweise fast banalen Dinge, die viele junge Menschen davon abhalten, sich weiter mit unserem Angebot zu beschäftigen. Für viele ist es nicht selbstverständlich, die Gebühren für den Reisepass zu bezahlen oder Fahrt kosten bis zur Erstattung auslegen zu können. Wer kei ne Erwachsenen zur Unterstützung an seiner Seite hat, scheitert schnell an diesen Anforderungen.
jektträger, der involvierten Fachkräfte, der zuständigen Mitarbeitenden – und auch die Kooperation der Jugend lichen, offenzulegen, wo sie Hilfe brauchen und was ihnen fehlt. Grundlage dafür ist Beziehungsarbeit, die schon vor dem eigentlichen Angebot beginnt. Und ja: Es braucht auch ein bisschen Geld. Ein Beispiel: Wir sind für zwei Wochen zu einer Jugend begegnung gefahren. Alle fünf Teilnehmenden hatten noch keinen Reisepass, drei keinen Koffer und niemand die finanziellen Mittel für fehlende Kleidungsstücke oder Kosmetik. Wer nicht genug T-Shirts besitzt, denkt, er könne nicht mitfahren. Um die Kosten gering zu hal ten, haben wir zunächst in unserem Umfeld nach Kof fern gefragt. Am Ende standen zehn ausrangierte, aber gute Koffer in unserem Büro. Die Kosten für Reisepässe und Fahrt haben wir direkt übernommen. Für kleinere Einkäufe – ein paar T-Shirts oder Mückenspray – haben wir ebenfalls Gelder bereitgestellt. Am Ende haben wir 250 Euro ausgegeben, damit fünf junge Menschen eine Erfahrung machen konnten, die nachwirkt.
Diese sichtbaren Hürden sind überwindbar. Sie brau chen vor allem den Willen aller Beteiligten: der Pro
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